Meuthen forderte Rauswurf

Dortmunder AfD-Mann redet sich in Facebook-Video wegen Nazi-Statements in Chats raus

Matthias Helferich, stellvertretender Landesvorsitzender der AfD in NRW, droht seine Ämter zu verlieren. Er hatte zuvor mit Nazi-Äußerungen für Aufsehen gesorgt.

Dortmund – Es ist ein Dämpfer für die AfD: Mitten im Bundestagswahlkampf debattiert die Parteispitze in Berlin über ein Parteiausschlussverfahren gegen AfD-Mann Matthias Helferich (33) aus Dortmund*. Er war mit Nazi-Statements in Chats aufgefallen, sieht sich selbst aber als Opfer, berichtet RUHR24*.

ParteiAlternative für Deutschland (AfD)
PolitikerMatthias Helferich (33)
StadtDortmund, NRW

AfD hat Nazi-Skandal: Matthias Helferich aus Dortmund droht Ämtersperre

Zwischen 2016 und 2017 soll Matthias Helferich sich unter anderem als „das freundliche Gesicht des ns“ bezeichnet haben, wobei „ns“ für Nationalsozialismus steht. Screenshots, die dem WDR vorliegen, zeigen den Chat.

Zudem soll er gesagt haben, er wolle „den demokratischen Freisler“ beim Landeskongress geben. Das Statement bezieht sich auf den Nazi-Richter Roland Freisler, der in der Zeit des Nationalsozialismus rund 2600 Todesurteile sprach, unter anderem gegen die Widerstandskämpferin Sophie Scholl.

Helferich, selbst Jurist, hatte sich lange nicht zu den Nazi-Sprüchen geäußert. Jetzt hat er in einem Video auf Facebook versucht, die Äußerungen zu erklären.

Dortmund: Matthias Helferich (AfD) rechtfertigt Nazi-Aussagen in Video

Interessant dabei: Zunächst sagt er, dass „interne Parteivorgänge“ generell vom zuständigen Gremium bearbeitet werden sollten, bevor sie öffentlich werden. Dann folgt eine lange Erklärung zu Hintergründen und internen Querelen in der AfD. Helferich spricht hier von „Erpressung“ durch den Chatpartner sowie von einem „Medien- und Rufmordskandal“. Helferich, das Opfer?

Erst nach über zwei Minuten nimmt der Politiker aus Dortmund* dann endlich Stellung zu den angeblich von ihm getätigten Aussagen. Es sei „Unsinn“, dass er sich selbst als „freundliches Gesicht des ns“ bezeichnet habe. Vielmehr habe er eine „Fremdzuschreibung linker Blogger und Twitterer aufgegriffen“ und persifliert.

Matthias Helferich (33, AfD) aus Dortmund äußert sich in einem Video zu den Nazi-Sprüchen.

Er gab jedoch zu, sich 2017 als „freundliches Gesicht des Rechtspopulismus“ bezeichnet zu haben, was sein Chatpartner auch gewusst habe. Daraus sei die „parteiinterne Rufmordkampagne“ entstanden.

Matthias Helferich: Jurist aus Dortmund bestreitet Kontakte zur Neonazi-Szene

Auch ein angebliches „Führer-Zitat“ will Helferich erklären können. Es stamme nicht von Adolf Hitler, sondern – ganz im Gegenteil – aus der britischen Anti-Hitler-Propaganda. Und der „demokratische Freisler“-Spruch? Angeblich eine Persiflage auf Konrad Adenauer, der mal witzelte, er wünsche sich einen „demokratischen Göbbels“ im Bundespresseamt. Gelesen hatte Helferich das wohl in der Süddeutschen.

Auch Kontakte zur Neonazi-Szene in Dortmund seien „Unsinn“, sagt Helferich. Im Gegenteil: „Diese Leute“ von der NPD und „Die Rechte“ würden gar aus dem Kreisverband gedrängt, es habe Parteiausschlussverfahren gegeben. Gemeint ist wohl Ex-AfD-Mann Bernd Schreyner aus Dortmund, der zur Neonazi-Partei „Die Rechte“ wechselte.

AfD: Alice Weidel und Tino Chrupalla stimmten nicht gegen Matthias Helferich

Apropos Parteiausschlussverfahren. Im Video wirkt Helferich etwas fahrig. Kein Wunder, denn Jörg Meuthen, Bundessprecher der AfD, wollte den 33-Jährigen wegen des Nazi-Skandals gar aus der Partei werfen lassen. Am Montag (2. August) konnte sich der Bundesvorstand aber nur zu einer Ämtersperre durchringen.

Laut Tagesschau.de hatten nur sechs der zwölf Mitglieder den Daumen gegen Helferich gesenkt, zu wenig für eine Zweidrittel-Mehrheit und einen Ausschluss aus der Partei. Unter anderem Alice Weidel und Tino Chrupalla hätten sich bei der Abstimmung enthalten. Beide repräsentieren den extrem-rechten Flügel der Partei.

Dortmund: Helferich mit aussichtsreichem Posten bei der Bundestagswahl 2021

Damit kann der Politiker aus Dortmund dennoch für die nächsten zwei Jahre für alle Parteiämter gesperrt werden. Derzeit ist Helferich noch Vizevorsitzender des NRW-Landesvorstands der AfD sowie Beisitzer im Bezirksvorstand Arnsberg. Das Schiedsgericht muss der Sperre noch zustimmen, was aber als wahrscheinlich gilt.

Davon unberührt bleiben dürfte ein möglicher Posten im Bundestag für Helferich*. Er ist in NRW* auf Listenplatz 7 der AfD aufgestellt worden, der bei der Bundestagswahl 2021* als recht aussichtsreich gilt. Kein Wunder also, dass er auch in dem Video mit den Worten schließt: „Ich freue mich auf den Bundestagswahlkampf mit euch.“ Er ist schließlich mit einem blauen Auge davon gekommen. *RUHR24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Jens Schlüter/AFP, Screenshot: Youtube/Matthias Helferich; Collage: RUHR24

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