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Tödliche Schüsse auf 16-Jährigen: Demo vor Polizeiwache - neue Details bekannt

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Von: Daniel Schinzig

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Nachdem ein 16-Jähriger in Dortmund von einem Polizisten erschossen wurde, gab es erneut eine Demonstration. Innenminister Reul hat sich geäußert.

Dortmund - Zwei Tage, nachdem ein 16-jähriger Jugendlicher in einer Jugendhilfeeinrichtung in Dortmund (NRW) von einem Polizisten erschossen wurde, gab es erneut eine Demonstration. Hunderte Menschen trafen sich am Mittwoch (10. August) an der Polizeiwache Nord, um von dort aus durch die Stadt zum Polizeipräsidium zu ziehen. Auf den Schildern waren nicht nur Beileidsbekundungen zu lesen, sondern auch Forderungen und Statements gegen Polizeigewalt. Einsatzkräfte der Polizei haben das Präsidium geschützt.

Tödliche Schüsse auf 16-Jährgen: Erneute Demonstration gegen Polizeigewalt

Am Montag (8. August) wurde die Polizei von Betreuern in eine Jugendhilfeeinrichtung gerufen. Der 16-Jährige war dort mit einem Messer unterwegs, hatte offenbar suizidale Absichten. Der Einsatz der Polizei endete tragisch: Einer der Polizisten schoss mit einer Maschinenpistole auf den Jugendlichen. Der erlag im Krankenhaus seinen Verletzungen. Nach dem Vorfall wächst die Kritik am Vorgehen der Polizei Dortmund.

Nach den tödlichen Schüssen auf einen 16-Jährigen kam es in Dortmund erneut zu einer Demonstration.
Nach den tödlichen Schüssen auf einen 16-Jährigen kam es in Dortmund erneut zu einer Demonstration. © Mauermann / Wickern, news 4 Video-Line TV

Nun hat sich auch NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) zu dem Vorfall gemeldet. Dem Radiosender WDR5 sagte er: „Das wird 100-prozentig aufgeklärt.“ Er rief aber ebenfalls dazu auf, nun mit Schuldzuweisungen vorsichtig zu sein. Es müsse fair zugehen. „Die Polizisten haben sich in einer ungeheuer schwierigen Lage befunden.“

Der Innenminister schilderte den Tathergang noch einmal genauer. Wie bereits bekannt, haben die Betreuer der Einrichtung die Polizei gerufen, weil die Gefahr bestand, dass sich der 16-Jährige mit einem Messer selbst umbringt. Die Polizei hätte vor Ort versucht, in einem Stufenplan zu deeskalieren.

Tödliche Schüsse auf 16-Jährigen: Innenminister äußert sich

„Erst sind Polizisten in Zivil hingegangen und haben versucht, ihn runterzureden. Als das nicht wirkte, hat man versucht, mit Reizgas ihn abzulenken“, schildert Herbert Reul die Vorkommnisse am Montag. Da das zu keinem Erfolg führte, haben die Beamten den Taser eingesetzt. Der Jugendliche wurde einmal von dem Elektroschockgerät getroffen, sei dann aggressiv und aufgeregt mit dem Messer auf die Polizisten zu gerannt. „Und in dieser Situation ging es um die Frage: Sticht der zu - oder schießt die Polizei?“, so Reul.

Die Ermittlungen zu dem Fall hat nun aus Neutralitätsgründen die Polizei Recklinghausen übernommen. Ein Vorgehen, das ebenfalls in der Kritik steht. Denn die Polizei Dortmund untersucht gerade gleichfalls einen Fall, den die Polizei Recklinghausen betrifft. Reul verteidigte dieses Vorgehen. Allerdings könne man aber immer über mögliche Verbesserungen nachdenken, „zum Beispiel, indem man rotiert bei den Behörden, die dann prüfen“.

Geleitet würden die Ermittlungen von der Staatsanwaltschaft, betonte Reul. Dabei werde der Beamte, der geschossen hat, als Verdächtiger behandelt. Genau wie jeder andere Bürger in einem solchen Fall. „Wir sollten aufpassen, dass wir da nicht so eine Misstrauensstimmung kriegen, als ob man denen nicht trauen kann.“

Polizist erschießt 16-Jährigen: Polizeipräsident Dortmund bittet um Vertrauen

Auch Gregor Lange, Polizeipräsident von Dortmund, hat ein Statement abgegeben. Er bittet um Geduld, während die Fakten zusammengetragen werden und der Fall untersucht wird. „Bewertungen des Geschehens machen erst Sinn, wenn das Ermittlungsverfahren abgeschlossen ist und Ergebnisse und Fakten vorliegen“, sagt Lange.

Der Polizeipräsident stellt sich hinter die etwa 3000 Menschen, die bei der Polizei Dortmund arbeiten: „Ich bin zutiefst überzeugt, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Dortmunder Polizei für ihre engagierte Arbeit das Vertrauen der Menschen verdienen.“ Dass nicht voreilige Schlüsse gezogen werden und der Vorfall gründlich und lückenlos aufgearbeitet wird, würden nicht nur die Angehörigen des Jugendlichen und die Öffentlichkeit, sondern auch die betroffenen Polizeibeamten verdienen.

- Mit Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa)

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