Demo gegen Bordellschließung in NRW

„Auch wir müssen Leben“ - Prostituierte wollen zurück an die Arbeit

Nur knapp ein Fünftel derjenigen, die dem ältesten Gewerbe der Welt nachgehen, besaßen den Angaben zufolge die deutsche Staatsangehörigkeit. Foto: Andreas Arnold/dpa
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Eine Sexarbeiterin wartet im Bordell auf Kundschaft. Das ist in NRW seit Ausbruch der Pandemie verboten.

Abstand halten, Kontakte meiden. Das ist oberstes Gebot gegen Corona - und für das Prostitutionsgewerbe in NRW das Ende der Geschäftsgrundlage. Aber die Branche protestiert: Öffnet die Bordelle.

Düsseldorf - Seit Monaten sind die Bordelle wegen der Corona-Pandemie dicht - jetzt haben Sexarbeiterinnen die rasche Wiederzulassung von sexuellen Dienstleistungen in Nordrhein-Westfalen gefordert. „Öffnet die Bordelle“, forderten rund 30 Prostituierte und Vertreterinnen von Beratungsstellen am Donnerstag bei einer Demonstration erstmals direkt vor dem NRW-Landtag in Düsseldorf. Das Verbot von käuflichem Sex treibe Frauen in die Illegalität, der angestrebte Gesundheitsschutz werde damit gefährdet. Vor allem kleinere Bordelle müssten Konkurs anmelden.

Berlin gibt Sex gegen Geld wieder frei

Die aktuelle Corona-Schutzverordnung für NRW untersagt aus Infektionsschutzgründen sexuelle Dienstleistungen in und außerhalb von Prostitutionsstätten, Bordellen und ähnlichen Einrichtungen. In Berlin sollen dagegen ab 1. September unter strengen Hygieneauflagen auch sexuelle Dienstleistungen mit Geschlechtsverkehr wieder zulässig sein.
Sexarbeiterinnen brauchten wieder eine Perspektive, sagte Harriet Langanke, Geschäftsführerin der Stiftung Sexualität und Gesundheit. „Bei Sexarbeit schwingt aber immer die Moralkeule mit.“ Dabei gebe es mit den Gesundheitsämtern erarbeitete Hygienekonzepte auch für diese Branche. Dazu gehöre das Tragen von Mund-Nasen-Schutz und die Angabe von Kontaktdaten der Kunden.

Große Sorge um Abgleiten in Illegalität

„Wir waren lange genug ruhig, aber auch wir müssen leben“, sagte Nicole Schulze, Straßensexarbeiterin in Köln und Trier. Die Corona-Soforthilfe von 9.000 Euro reiche nicht aus, wenn sie weiterhin ihrer Arbeit nicht nachgehen könne. Ihre Kollegin Nadine Kopp sagte: „Wir müssen wieder einen sicheren Arbeitsplatz haben und arbeiten können.“ Auch die Grünen-Landtagsabgeordnete Josefine Paul forderte Perspektiven für die Sexarbeiterinnen und kurzfristige finanzielle Unterstützung. Die Konsequenz des Verbots dürfe nicht sein, dass die Frauen in die Illegalität getrieben würden. „Im Dunkelfeld sind die Frauen auch für Beratungsstellen nicht zu erreichen.“ Die SPD-Abgeordnete Anja Butschkau sagte: Hier ist auch die Landesregierung in der Verantwortung.“

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