Ansteckung in 8 Meter Entfernung

Coronavirus-Infektionen bei Tönnies - Forscher finden Superspreader

Auf der Suche nach einer Antwort auf die Frage, was die massenhaften Coronavirus-Infektionen im Fleischkonzern Tönnies ausgelöst hat, sind Forscher womöglich einem "Superspreader" auf die Spur gekommen.

  • Die Infektionen mit dem Coronvavirus* im Fleischkonzern Tönnies gehen offenbar auf einen Superspreader zurück. 
  • Der Mitarbeiter soll in er Rinderzerlegung gearbeitet haben. 
  • Die Infektionskette wurde anhand von Virussequenzen analysiert.

Rheda-Wiedenbrück - Auf einen Mitarbeiter in der Rinderzerlegung könnten laut einer Studie die vielen Infektionen mit dem Coronavirus bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück zurückgehen. Dabei wurde das Virus im Mai nach dem Forschungsergebnis von Wissenschaftlern des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI), der Uniklinik Hamburg-Eppendorf und des Leibniz-Instituts für Experimentelle Virologie (HPI) auf mehrere Personen im Umkreis von mehr als acht Metern übertragen, wie das HZI am Donnerstag mitteilte. 

Dazu wurden die Standorte der Arbeiter bei der Arbeit und die Infektionsketten anhand von Virussequenzen analysiert. 

Unternehmen

Tönnies

Zentrale 

Rheda-Wiedenbrück

Mitarbeiterzahl

9.000

Gründung 

1971

Superspreader bei Tönnies? Luft wird auf 10 Grad heruntergekühlt 

In der Zerlegung wird die Luft durch Umwälzung auf 10 Grad heruntergekühlt. Der Bonner Hygiene-Professor Martin Exner hatte die Luftumwälzung als einen möglichen Faktor für dieVirus-Ausbreitung benannt, nachdem er die Arbeitsbedingungen vor Ort im Werk analysiert hatte. Tönnies hat daraufhin neueFilter-Anlagen installiert, um das Verteilen des Virus über die Luft zu unterbinden. 

Exner hatte Mitte Juni zudem vermutet, dass auch die Wohnsituation der Arbeiter eine Rolle spielen könne. Die Forscher aus Hamburg und Braunschweig dagegen betonten nun, dass die Wohnsituation der Werksarbeiter während der untersuchten Phase keine wesentliche Rolle gespielt habe. "Unsere Studie beleuchtet SARS-CoV-2-Infektionen in einem Arbeitsbereich, in dem verschiedene Faktoren aufeinandertreffen, die eine Übertragung über relativ weite Distanzen ermöglichen. Es stellt sich nun die wichtige Frage, unter welchen Bedingungen Übertragungsereignisse über größere Entfernungen in anderen Lebensbereichen möglich sind", sagte Melanie Brinkmann, Professorin und Forschungsleiterin am HZI in Braunschweig. 

Superspreader bei Tönnies gefunden - Virussequenzen auch in Werk in Dissen

Adam Grundhoff, Mitautor der Studie, sagte mit Blick auf das Ergebnis: "Damit ist ein Superspreader-Vorgang für den Ausbruch bei Tönnies gefunden." Auch sei nachgewiesen worden, dass die bei Tönnies gefundenen Virussequenzen zuvor in einem Werk einer Westfleisch-Tochter in Dissen in Niedersachsen auch eine Rolle gespielt haben, sagte der Professor. 

Die Studienergebnisse wurden noch nicht in einem Fachjournal veröffentlicht, sondern vorab auf eine sogenannte Preprint-Plattform gestellt. "Unsere Ergebnisse weisen darauf hin, dass die Bedingungen des Zerlegebetriebs - also die niedrige Temperatur, eine geringe Frischluftzufuhr und eine konstante Luftumwälzung durch die Klimaanlage in der Halle, zusammen mit anstrengender körperlicher Arbeit - die Aerosolübertragung von SARS-CoV-2-Partikeln über größere Entfernungen hinweg förderten", sagte Grundhoff.  

Superspreader für Coronavirus-Ausbruch bei Tönnies verantwortlich - Reihentestung zeigt Ausbreitung

Tönnies-Sprecher André Vielstädte berichtete, dass sich die Zahl der gefundenen Infektionen* bei Tönnies von der Rinderzerteilung über die Sauen- und später die Schweinezerteilung ausgebreitet habe. Das hätte die eigene Reihentestung gezeigt. Zwar würden die Arbeiter nicht in den unterschiedlichen Bereichen durchmischt eingesetzt. "Aber die Bereiche liegen in der Fabrik nah beieinander", erklärte Vielstädte. Die Arbeiter würden sich in den Gängen auf dem Weg zur Arbeit und in den Sozialräumen begegnen.

Am Freitag wurden 30 neue Infektionen bei Tönnies bekannt. Alle fielen bei Standard-Testungen auf. Die meisten der Infizierten sollen bereits früher positiv gestestet worden, das Virus noch immer nachweisbar sein, berichtet wa.de*. Der Coronavirus-Ausbruch hat Verbraucher verunsichert. Nachfragen nach der Herkunft von Fleisch sind in den Supermärkten häufiger geworden*. *wa.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks. - eB/dpa

 

Rubriklistenbild: © Tönnies/dpa

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