Coronavirus in NRW

Coronavirus: Land NRW definiert Hygienestandards für Chöre und Orchester

[Update, 28. Mai, 12.29 Uhr] Chöre, Musikvereine und Orchester in NRW dürfen in Zeiten des Coronavirus unter Auflagen wieder proben. Dafür wurden jetzt Hygienestandards definiert.

  • Trotz des Coronavirus* dürfen Chöre, Musikvereine und Orchester in NRW wieder proben.
  • Voraussetzung ist, dass klar definierte Hygiene- und Abstandsregeln eingehalten werden. 
  • Das Land NRW hat diese Vorgaben mit Wirkung zum 30. Mai jetzt konkretisiert.

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Hamm - Das Land hat in seiner Coronaschutzverordnung, die ab dem 30. Mai 2020 gilt, auch den Paragraph 8 ("Kultur") aktualisiert. 

In den Hygiene- und Infektionsschutzstandards, die als Anlage gelten, gibt es jetzt außerdem einen kompletten Unterpunkt, der in fünf Unterpunkten die "Hygienestandards für Musiker und Sänger im Orchester- und Theaterbetrieb (einschließlich Probenbetrieb)" definiert. 

Hier wurden Details gebündelt, die zuvor in der Schutzverordnung gestanden hatten - und dann umfangreich ergänzt. Mit einem Klick auf den obigen Link öffnen Sie die pdf-Datei, die Sie dann auch ausdrucken oder speichern können.

Chöre und Orchester in NRW: Weniger Abstand notwendig

Wichtige Anpassung gegenüber der noch bis Freitag, 29. Mai gültigen Fassung der Coronaschutzverordnung:

Die Vorgaben für Sängerinnen und Sänger wurden dahingehend aktualisiert, dass der Abstand "in Ausstoßrichtung" vier statt bisher sechs Meter betragen muss. Seitlich bleibt es bei drei Metern.

In Summe ändert das indes mutmaßlich wenig: Nur wenige Chöre werden diese Abstandsregeln einhalten können, wenn sie beispielsweise in Gaststätten oder Pfarrheimen proben. Denn pro Person muss der jeweilige Raum eine Größe von zehn Quadratmeter vorweisen.

Chöre und Orchster in NRW: "Potenziell infektiöse" Mischung

Außerdem wird geregelt, wie Instrumente zu reinigen sind - vor allem dann, wenn sie von mehreren Personen gemeinsam bzw. nacheinander genutzt werden (beispielsweise Tasteninstrumente) oder aber wenn eine "potenziell infektiöse" Mischung aus Kondenswasser und Speichel entsteht. Das sogenannte "Ausblasen" soll unterbleiben, Einmaltücher sind zum Auffangen der Flüssigkeit vorgesehen.

Hier lesen Sie unsere Berichterstattung vom 21. Mai

Der achte Paragraph "Kultur" der am Dienstag (19. Mai) veröffentlichten Fassung der Coronaschutzverordnung ließ und lässt angesichts schwammiger Formulierungen Interpretationsspielraum dahingehend, ob ab sofort alle (Laien-) Chöre, Musikvereine und Orchester im Land wieder proben dürfen oder nur solche, die an Opern, Theatern oder Konzerthäusern wirken.

Daher hat unsere Redaktion die NRW-Staatskanzlei in Düsseldorf am Mittwochmorgen kontaktiert und um eine verbindliche Konkretisierung bzw. Klarstellung gebeten.

Chöre und Orchester in NRW: "Ja" gilt für Laien und "Profis"

Die kam umgehend: Wie ein Sprecher betonte, dürfen tatsächlich mit Wirkung vom 20. Mai - also dem heutigen Mittwoch - sämtliche Chöre, Ensembles, Musikvereine und Orchester wieder proben. Das gilt für Laien wie für Berufssänger und -musiker. Das berichtet WA.de*.

Dafür gelten aber neben den corona-typischen Hygienevorschriften zwingend weitere Bedingungen: 

Zum einen muss der Proberaum vom jeweiligen Träger (z.B. Kommunen) explizit für diesen Zweck freigegeben werden und pro Person mindestens zehn Quadratmeter an Fläche aufweisen.

Chöre und Orchester in NRW: Diese Abstandsregeln sind verbindlich

Zum anderen gelten jetzt klar definierte Abstandsregeln für geschlossene Räume

  • In einer Reihe müssen Personen beim Singen seitlich mindestens drei Meter auseinander stehen.
  • Bei Instrumentalmusik reicht ein seitlicher Abstand von 1,5 Metern aus.
  • Zur nächsten Reihe nach vorne müssen es bei Gesang wie Blasmusik sogar sechs Meter sein. Die Verordnung spricht dabei von der "Ausstoßrichtung", was sich darauf bezieht, dass Aerosole (Schwebeteilchen) in die Luft gelangen.

Ausschlaggebend dafür, dass auch alle (Laien-) Vereine im Land mit den aktuellen Lockerungen gemeint sind, ist laut einem Sprecher der NRW-Staatskanzlei die Formulierung in Absatz 1 des Paragraphen 8.

Chöre und Orchester in NRW: Vereine sind "andere Einrichtungen"

In dem steht neben "Theatern, Opern- und Konzerthäusern" auch der Passus "und andere Einrichtungen". Damit seien auch Vereine gemeint. 

Chöre und Orchester waren in einer vorherigen Fassung der Coronaschutzverordnung im Zusammenhang mit den sogenannten "atmungsaktiven Fächern (insbesondere Gesang, Blasinstrumente)" explizit genannt worden.

Chöre und Orchester: Konkretisierung der Verordnung denkbar 

Diese Nennung fehlt nun in der neuesten Fassung, was selbst die Deutsche Presse-Agentur (dpa) dazu veranlasste, in der bisherigen Berichterstattung davon auszugehen, dass die Lockerungen sich nur auf einen bestimmten Bereich bezieht.

Denn die dpa schrieb am Mittwochmorgen: "Ebenfalls neu in der Coronaschutz-Verordnung: Die Regelung für - bislang verbotene - Chorproben. So dürfen mehrere Sänger in Opern oder Konzerthäusern wieder gemeinsam üben."

Aus der Erfahrung heraus scheint es denkbar zu sein, dass das Land die Coronaschutzverordnung noch einmal konkretisiert, um Klarheit zu schaffen.

Chöre und Orchester in NRW: Privates Musizieren war nie verboten

Die jetzige, neue Regelung bezieht sich auf geschlossene Räume und die Öffentlichkeit. Im Freien reicht immer ein seitlicher Abstand von 1,5 Metern - also auch bei Sängern.

Auf privater Basis durften sich Sängerinnen, Sänger oder Instrumentalisten theoretisch schon immer zum gemeinsamen Musikzieren treffen, weil es dafür zwar ein Gebot, aber nie ein Verbot gegeben hat, so der Sprecher des Landes NRW weiter.

Chöre und Orchester in NRW: Studien mit verschiedenen Auffassungen

Darüber, welche Mindestabstände unter Personen einzuhalten sind, die in "atmungsaktiven Fächern" musizieren, gab es verschiedene Auffassungen.

Es gab sowohl Studien, die massive Abstände und sogar einen Verzicht darauf einforderten auch als solche, die das weniger restriktiv sahen. Jetzt herrscht jedenfalls Klarheit, wenngleich die Coronaschutzverordnung klarer definieren könnte, das dem auch wirklich so ist...

Vatertag in Zeiten des Coronavirus: Dürfen Männer in NRW eigentlich mit dem Bollerwagen losziehen?* Die Antwort gibt es hier.

*WA.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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