Erste Fälle in der EU registriert

Neue Coronavirus-Mutation: Wie gefährlich ist sie? Das sagt Virologe Christian Drosten

Die Nachricht der Coronavirus-Mutation geht um die Welt. Nach Großbritannien verzeichnen auch Dänemark und die Niederlande erste Fälle. Vieles ist noch unklar. Ein Überblick.

  • In Großbritannien ist die Coronavirus-Mutation „N501Y“ entdeckt worden. Mittlerweile gibt es Fälle in weiteren EU-Ländern.
  • Virologe Christian Drosten geht davon aus, dass die Mutation auch schon in Deutschland angekommen ist. Er zeigt sich aber wenig beunruhigt über die Lage.
  • Laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn beeinflusst die neue Virus-Form nicht die Wirksamkeit des Corona-Impfstoffes. (News zum Coronavirus)

Hamm - „N501Y“ heißt die Mutation des Coronavirus, die derzeit für viel Trubel sorgt. Die in Großbritannien aufgetauchte Variante von Sars-Cov-19 soll ansteckender sein als die Standardvariante. Viele Länder schotten sich von der Insel ab. Auch Deutschland hat am Sonntag den Flugverkehr aus dem Vereinigten Königreich gestoppt.

Die Sorge über eine Ausbreitung der Coronavirus-Mutation mitten in der zweiten Welle ist groß. Nachdem die ersten Fälle der neuen Virus-Variante in der EU registriert worden sind, ging es schnell: Die deutsche Bundesregierung stoppte den Flugverkehr aus Großbritannien, Frankreich verhängte ein Einreiseverbot für Lastwagen von der Insel. Die Grenzen vieler EU-Staaten zum Vereinigten Königreich sind dicht.

Skurrile Szenen zeigten sich am Sonntagabend am Flughafen Dortmund nach der Landung vom letzten Flieger aus Großbritannien, berichtet ruhr24.de*. Mehrere Passagiere sind nach ihrer Rückkehr von der Insel am Sonntag positiv auf das Coronavirus getestet worden, wie merkur.de* berichtet. Ob es sich um die Mutation handelt, war zunächst nicht klar.

Coronavirus-Mutation in Großbritannien: Berichte und Aussagen über eine höhere Infektionsrate

Warum die Eile? Die Mutation „N501Y“ des Coronavirus breitet sich in London und Südostengland rasend schnell aus. Nach Schätzungen des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) ist das Virus in der Form um bis zu 70 Prozent ansteckender als die bisher bekannte Variante.

Laut Medienberichten sprechen auch britische Wissenschaftler und Premierminister Boris Johnson von einer höheren Infektionsrate.

Coronavirus-Mutation: Virologe Christian Drosten spricht von „unklarer Informationslage“

Virologe Christian Drosten äußerte Zweifel an den Aussagen. „Diese Zahl ist einfach so genannt worden“, sagte Drosten am Montagmorgen dem Deutschlandfunk. „Plötzlich steht so ein Wert im Raum, und keiner weiß überhaupt, was damit gemeint ist.“ Politiker würden solche Zahlen nennen, Medien nähmen diese auf. 

Der Leiter der Virologie an der Berliner Charité zeigte sich im Interview mit dem Deutschlandfunk wenig beunruhigt über die Coronavirus-Mutation. „Ich bin darüber nicht so sehr besorgt im Moment. Ich bin allerdings auch - genau wie jeder andere - in einer etwas unklaren Informationslage“, sagte er am Montagmorgen. Die bislang öffentlich bekannten Dokumente seien noch lückenhaft. Das würde auch britische Wissenschaftler so sehen.

Für Drosten steht eine zentrale Frage ungeklärt im Raum: „Spült dieses Virus eigentlich hoch mit einer jetzt hochkommenden neuen Welle in dieser Region, oder ist das Virus selbst dafür verantwortlich, dass diese Welle entstanden ist“, so der Virologe.

Coronavirus-Mutation laut Christian Drosten womöglich schon in Deutschland - „Virus ist gar nicht so neu“

Dass die Coronavirus-Mutation Deutschland nicht erreichen würde, hält Christian Drosten für unwahrscheinlich. „Wir wissen jetzt: Es ist schon in Italien, in Holland, in Belgien, in Dänemark - sogar in Australien. Warum sollte es nicht in Deutschland sein?“ Nach seiner Einschätzung könne man davon ausgehen, dass die Mutation hierzulande schon aufgetaucht ist.

Aber: „Dieses Virus ist ja jetzt gar nicht so neu. Davon darf man sich jetzt wirklich nicht irgendwie aus der Ruhe bringen lassen.“

Andere Töne schlug SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach am Sonntagabend bei Bild Live an. Er warnte vor einem Vordringen der Coronavirus-Mutation in Deutschland. „Wenn es jetzt käme, wo wir mitten in der zweiten Welle sind, wo wir so hohe Fallzahlen haben, wäre das eine Katastrophe“, sagte Karl Lauterbach.

Coronavirus-Mutation: Jens Spahn und Experten sehen keine Auswirkungen auf die Corona-Impfung

Die Nachricht von der neuen Virus-Form kommt wenige Tage vor Impfstart. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn konnte aber bereits am Sonntagabend im ZDF für Beruhigung sorgen: Nach ersten Erkenntnissen und nach Rücksprache mit den europäischen Behörden, auch dem RKI, habe diese Mutationkeine Auswirkungen auf die Impfung, was eine sehr, sehr gute Botschaft wäre“, so Spahn.

Auch Richard Neher vom Biozentrum der Universität Basel schätzt, dass die Coronavirus-Mutation die Wirksamkeit des Corona-Impfstoffes nicht entscheidend beeinträchtigen wird. „Ich sehe da derzeit keinen Grund für Alarm“, sagte Neher der Deutschen Presse-Agentur.

Mit Blick auf die Wirksamkeit der Impfung betonen die Experten, dass der Impfstoff eine Immunreaktion gegen gleich mehrere Virusmerkmale erzeugt. Veränderungen einzelner Merkmale würden deshalb nicht dazu führen, dass das Immunsystem den Erreger nicht mehr erkenne, sagte Neher. Man müsse die weitere Dynamik genau beobachten.

Die in England entdeckte Coronavirus-Mutation ist nicht die erste seit Beginn der Pandemie. Für Aufregung sorgte eine Mutation in Dänemark, die sich unter Nerzen verbreitet hatte und auch auf den Menschen übertragen wurde. - *ruhr24.de und merkur.de gehören zum Ippen-Digital-Netzwerk

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/dpa

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