Lange Schließung

Welche Folgen die Corona-Krise für das AquaMagis hat - und die geplante "Kamikaze-Rutsche"

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AquaMagis-Geschäftsführer Dr. Uwe Allmann im menschenleeren AquaMagis, das Stand heute bis Ende August geschlossen haben muss.

Die Corona-Krise trifft die Freizeit-Industrie hart - auch das NRW-weit beliebte Freizeitbad AquaMagis in Plettenberg.

  • Die Corona-Krise trifft die Freizeit-Industrie in NRW hart
  • Auch das Freitzeibad AquaMagis in Plettenberg ist betroffen
  • Die neue "Kamikaze-Rutsche" wird wohl nicht 2021 kommen

Plettenberg – Dort, wo AquaMagis-Geschäftsführer Dr. Uwe Allmann an diesem Tag sitzt, herrscht normalerweise Hochbetrieb in den Osterferien. Doch normal ist wegen der Coronavirus*-Krise derzeit gar nichts und deshalb sitzt Redakteur Georg Dickopf beim Interview auch in zwei Metern Entfernung vom Bad- und Stadtwerke-Chef.

Herr Dr. Allmann, wir sitzen hier in einem fast menschenleeren Freizeitbad. Wie wirkt sich das aus? 

Das wirkt sich natürlich dramatisch aus. Wir haben uns schon am 16. März, einen Tag vor dem Shutdown, entschlossen, das Bad zu schließen. Wir haben seitdem alle Badbereiche, die Sauna, das Resort und das Fitnessstudio komplett geschlossen und dank der guten Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat alle Mitarbeiter im reinen Badbereich am 17. März in die Kurzarbeit schicken können. 

Corona-Krise in NRW: Auch AquaMagis in Plettenberg betroffen

Bekommen alle den gleichen Kurzarbeitersatz und sind Sie eigentlich auch in Kurzarbeit? 

Ich arbeite aktuell zu zwei Dritteln für die Stadtwerke und zu einem Drittel für das AquaMagis. Die Arbeit ist in der Krise eher mehr geworden. Was die Kurzarbeit angeht, gibt es unterschiedliche Regelungen. Der eine hat 50 Prozent Kurzarbeit, der andere 75 Prozent. Aktuell sind fast 90 Prozent unserer Mitarbeiter in Kurzarbeit. 

Wobei das für manche nicht einfach ist? 

Nein, auf jeden Fall gibt es auch bei uns Härtefälle. Wir zahlen aber bei jedem sozialversicherungspflichtigen Mitarbeiter eine Aufzahlung von 80 bis 100 Prozent, um das abzufedern. Wie sind die Verluste? Wir machen normalerweise 6 Millionen Euro Jahresumsatz – zwei Drittel davon durch Osterferien, Pfingstferien, die Feiertage und die Sommerferien, die uns jetzt durch die angeordnete Schließung bis zum 31. August komplett verloren gehen. Wir rechnen in den Ferien mit rund 1.500 bis 2.500 Gästen. Das können dann 30.000 bis 40.000 Euro Umsatz pro Tage sein. 

Die echten Palmen im Bad leiden unter den aktuell heruntergefahrenen Temperaturen im Bad.

Wie hoffnungsfroh oder ernüchtert sind Sie nach dem neuesten Erlass? 

Wir sind als große Sportstätte eingeordnet worden und haben wie gesagt bis zum 31. August geschlossen. Ob es noch Änderungen für den Außenbereich gibt, ist offen, aber die Gesamtanlage ist bis Ende August – Stand heute – zu. Aber auch bei den Möbelhäusern gab es ja noch Änderungen.

Und ein Teilbetrieb?

Ob wir einen Teilbetrieb wollen, müssen wir auf politischer Seite gemeinsam entscheiden. Ich bin da sehr zwiegespalten, denn es sind ja sehr viele Dinge zu berücksichtigen. Angesichts der Desinfektionsvorgaben stelle ich es mir schwierig vor, 100 Leute in den Rutschenturm oder das Wellcome zu lassen oder minütlich die Einstiegsleitern zu desinfizieren. 

Corona-Krise bereitet AquaMagis große Sorgen

Und bei nur 200 Gästen werden die Verluste noch größer werden als bei einer Komplettschließung. Vielleicht wird der politische Druck kommen, dass die Bäder aufmachen, dass die Menschen raus dürfen und wir es zu sortieren und organisieren haben.

Das Bad lief vorher ja sehr gut und es floss sogar Geld vom Bad an die Stadt. Ist das in der Coronakrise weiter zu leisten? 

Wir haben glücklicherweise ein finanzielles Polster von 3 Millionen Euro aus den guten Jahren in den Rücklagen. Aber dieses Jahr werden wir etwa 1,5 Mio. Euro Defizit machen und haben darüber hinaus noch 800 000 Euro an die KulTour GmbH auszuschütten. Das ist umso schwieriger, wenn man sich erst einmal um das eigene Haus kümmern muss.

Ich denke, dass ist 2020/21 noch zu schaffen. Aber das ist eine Frage der Gesellschafter, die Verteilung und Höhe der Gelder zu regeln. Darüber muss man diskutieren und ebenso muss man auch darüber diskutieren, dass auch die KulTour GmbH in dieser Situation ihr Scherflein beitragen muss.

 Sie geben 800.000 Euro an die KulTour GmbH, ohne selbst Einfluss zu haben...

Das ist üblich, dass der Konzern Stadt sich da unabhängig aufstellt. Aber nochmal: Ich bin wirklich ein Verfechter der KulTour GmbH als großes Ganzes. Man muss nur sehen, dass man die PS, die man hat mit dem Thema „Viel zusammen in einem großen Topf“ auch auf die Straße bringt. Da haben wir nicht jedes Ziel erreicht, aber es ist eine junge Gesellschaft und ich glaube auch die kann und wird und darf sich entwickeln.

Wann könnte es im Bad besser werden auf der Einnahmenseite? 

Im Jahr 2022 werden wir mit dem Thema Urlaub in Deutschland auch mal wieder Sieger sein. Aber dieses und nächstes Jahr werden enorme Herausforderungen auf uns warten. Es ist fraglich, ob auf Knopfdruck alles wieder so laufen kann, wie es der Kunde gewöhnt war.

Gibt es Veränderungen? 

Wir werden an das Thema Öffnungszeiten gehen müssen, an das Thema Betriebskosten, an das Thema Mitarbeiter und Produkte und werden dabei viele unangenehme Fragen mit der Politik zu beantworten haben.

Corona-Krise: AquaMagis will Eintrittspreise stabil halten

Was ist mit den Eintrittspreisen. Wird jetzt an der Schraube weitergedreht?

Wir haben nicht vor, kurz oder mittelfristig die Eintrittspreise zu erhöhen. Das wäre kontraproduktiv, denn die Kurzarbeit wird sich auf jedem Konto auswirken und da wären wir schlecht beraten, die Preise zu erhöhen.

„Der Prophet zählt nichts im eigenen Land“, heißt es und das trifft auch auf das AquaMagis zu, obwohl es tausende Menschen anlockt und Arbeitsplätze schafft. Es heißt, es wäre zu kalt, zu laut und zu teuer. Prallt das Ihnen ab oder wie gehen Sie damit um?

Ich glaube, es sind gar nicht so viele Menschen. Und die, die dafür umso lauter schreien, werden dadurch auch nicht mehr. Die Kritik ist auch teilweise berechtigt. Wir müssen hier ein Produkt entwickeln für ganz unterschiedliche Kundengruppen. Und dass wir im Saunabereich den einen oder anderen Stammkunden enttäuscht haben, ist uns auch bewusst. Insofern muss man die Kritik auch aushalten, auch wenn der eine oder andere Kritiker mal über das Ziel hinausschießt und uns massiv beschimpft. Vielleicht ändert sich das jetzt, wenn man sieht, wie wir mit den Wellcome-Kunden umgehen. Wir verlangen keine Zahlungen. Wenn wir keine entsprechende Leistung anbieten, werden wir auch kein Geld abbuchen. 

Sie haben vor der Coronakrise einiges angestoßen. Was davon wird gestoppt?

Wir haben mit dem Bau des Gruppendorfes im Resort begonnen und setzen das auch fort, allerdings ohne Zeitdruck. Den Außenbereich haben wir mit Liegeinseln aufgewertet, aber die Kassendigitalisierung und das neue Rutschenprojekt für 2021 werden definitiv nach hinten geschoben. 2021 werden wir andere Sorgen haben, als eine Rutsche zu bauen.

So soll die neuen Kamikaze-Rutsche im Außenbereich aussehen, deren Bau nun aber verschoben wird auf 2022/23.

Was war das für eine Rutsche? Die Kritiker sprechen ja schon von einem „Rutschenpuff“. Dabei sollte die neue Rutsche gar nichts ins Bad, oder? 

Es ist ein 20 Meter hoher Turm in der Ecke des Saunagartens geplant mit einer steil herabführenden Rutsche, wie man sie aus Parks in Florida kennt. Der Arbeitstitel war Kamikaze-Rutsche. Unsere Rutsche wäre noch dramatischer als die im Wasserpark in Dubai gewesen. Die Sommer werden immer länger und auch wenn wir als Schlechtwetter-Ziel groß geworden sind, wollen wir auch in den schönen Monaten attraktiv sein. Und die Rutsche hätte das Außen-Angebot deutlich aufgewertet. 

Aber 2022/23 – zum 20-jährigen Bestehen – wäre es noch denkbar? 

Ganz entscheidend wird sein, was in 2021 passiert. Wir werden das überstehen mit Schrammen, aber müssen abwarten,wie sich die Lage normalisiert. Wie bekommen wir die Konzepte verschlankt? Das ist noch zu viel Kaffeesatzleserei. In eine Anlage mit einem Wert von rund 40 Millionen Euro werden wir grundsätzlich zu investieren haben. Dabei haben wir in den letzten zwei, drei Jahren nicht in neue Rutschen oder sonstige Attraktionen, sondern vor allem in die Infrastruktur zum Wohl der Gäste investiert – beispielsweise in Duschen und andere Bereiche.

Die Kassendigitalisierung würde ein einfaches und schnelles Bezahlen per Handy ermöglichen und eine Außenrutsche könnte das Sommerthema gut abrunden, aber jetzt haben wir das Geld nicht für solche Zukunftsinvestitionen.

Aktuelle Informationen rund um das Coronavirus im MK finden Sie hier. Zu den NRW-Informationen in der Corona-Krise geht es hier*.

*WA.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital- Redaktionsnetzwerks.

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