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Corona-Wende vor Weihnachten? Karl Lauterbach: „Lage stabilisiert sich“

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Von: Hannah Decke

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Die Corona-Zahlen sinken. Ist das die Wende vor Weihnachten? Karl Lauterbach macht Hoffnung, hält die Zahlen aber noch immer für „viel zu hoch“.

Hamm - Das Robert Koch-Institut (RKI) meldete zuletzt einen deutlichen Rückgang der Corona-Zahlen. Scheinbar stecken sich inzwischen weniger Menschen mit dem Virus an. So lag die 7-Tage-Inzidenz am 15. Dezember bei 353,0 - eine Woche zuvor betrug der Wert noch 459,3. Auch in Nordrhein-Westfalen sinkt die Inzidenz, nachdem der Wert am 7. Dezember mit 297,0 seinen bisherigen Höchststand erreicht hatte. Ist die Kehrtwende vor Weihnachten gelungen?

LandDeutschland
HauptstadtBerlin
KanzlerOlaf Scholz
Bevölkerung83.129.285

Corona-Kehrtwende vor Weihnachten? Karl Lauterbach: „Lage stabilisiert sich“

Die Frage lässt sich zunächst kurz und knapp beantworten: Ja. Selbst Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) twitterte am Montag: „Die Lage stabilisiert sich langsam, und der Rückgang der Fallzahlen ist echt.“ Der Trend dürfe durch Weihnachten aber nicht gefährdet werden - und die Fallzahlen seien weiterhin viel zu hoch, weshalb die Booster-Kampagne verstärkt werden müsse.

Epidemiologe Gérard Krause vom Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig sieht die Gründe für den Rückgang der Corona-Zahlen hauptsächlich in den Fortschritten beim Impfen und der 2G-Regelung. Letzteres sei einerseits ein Anreiz für Ungeimpfte, sich immunisieren zu lassen. Andererseits kämen durch diese Regel nicht-immunisierte Menschen seltener mit dem Virus in Kontakt. 

Nicht nur die Zahl der nachgewiesenen Infektionen sinkt. Auch die bundesweite Zahl erwachsener Corona-Patienten auf Intensivstation hat sich in den vergangenen Tagen bei knapp 5000 stabilisiert. Noch ist es aber laut Intensivmedizinervereinigung DIVI zu früh, um diese Entwicklung zu beurteilen. „Dazu können wir jetzt und aktuell noch keinerlei valide Aussagen treffen“, teilte eine Sprecherin auf Anfrage mit. Auch die allgemeine Zahl an Klinikeinweisungen von Corona-Infizierten stieg laut RKI-Zahlen zuletzt nicht weiter.

Corona-Kehrtwende vor Weihnachten? Experten warnen vor falscher Sicherheit

Allerdings warnen Experten auch vor einer falschen Sicherheit. Die erfreuliche Entwicklung könnte von kurzer Dauer sein - Stichwort Omikron. Die neue Corona-Variante habe bislang noch nicht nennenswert in Deutschland Fuß gefasst, sagt Krause. Er geht aber mit Blick auf andere Ländern davon aus, dass sich das bald ändert. „Ich befürchte, dass Omikron in spätestens zwei bis drei Wochen wieder zu einem Anstieg bei den Infektionszahlen führt, vermutlich auch bei den Klinikeinweisungen.“

Zwei Frauen stoßen am Abend in einem spanischen Restaurant im Barockviertel mit Weingläsern an. Sachsen will angesichts rasant steigender Corona-Zahlen vom kommenden Montag an weite Teile des öffentlichen Lebens einschränken. Schließen müssen alle Kultur- und Freizeiteinrichtungen, Bibliotheken, Bars, Clubs und Diskotheken. Das gleiche gilt für Weihnachtsmärkte. Die Beherbergung von Touristen ist untersagt. Die Gastronomie soll mit der 2G-Regel (geimpft/genesen) bis 20.00 Uhr öffnen dürfen.
Werden wir an Weihnachten unbeschwert mit unseren Liebsten feiern können? Die Entwicklung der Infektionszahlen scheint positiv - allerdings warnen Experten vor falscher Sicherheit. (Symbolbild) © Robert Michael/dpa

Um Deutschland gegen Omikron zu wappnen, sollten sich so viele Menschen wie möglich impfen und boostern lassen, sagt Krause. „Eine hohe Immunität senkt einerseits das Risiko, sich anzustecken und schwer zu erkranken, andererseits aber auch die Wahrscheinlichkeit, das Virus weiterzugeben.“ In NRW gab es zuletzt deutlich Kritik an einem Erlass zu den Auffrischungsimpfungen. Das Gesundheitsministerium hat die Regeln zur Booster-Impfung gegen Corona daher erneut angepasst.

Zudem plädiert Krause dafür, die aktuell geltenden Corona-Maßnahmen umfassender umzusetzen, statt sie in zu kurzfristigen Intervallen anzupassen oder zu hinterfragen. „Das ist wichtig für die Akzeptanz.“ Die sich aktuell abzeichnende Entspannung sollte nicht zur voreiligen Aufhebung von Maßnahmen verleiten. Bei der 2G-plus-Regel benötigt man nach einer Booster-Impfung jetzt keinen Corona-Test mehr. Doch bei der neuen Regelung gibt es eine Bedingung - und Ausnahmen. (mit dpa-Material) *wa.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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