Inzidenz

Türkei-Urlauber schuld an hohen Corona-Zahlen? NRW-Experte sieht Zusammenhang

Die Corona-Zahlen in NRW sind stark angestiegen. Ein Experte macht Reiserückkehrer dafür verantwortlich. Der Zusammenhang zwischen Türkei-Urlaubern und Inzidenz sei groß.

Hamm/Dortmund - Schon seit Wochen steigen die Corona-Zahlen in Deutschland und Nordrhein-Westfalen wieder an. Bundesweit sind viele Städte aus NRW in einem traurigen bundesweiten Ranking gelistet, das die größten Hotspots in Deutschland aufführt. Ein Experte aus Dortmund stellt nun Reiserückkehrer und allen voran Türkei-Urlauber an den Pranger - und das Robert-Koch-Institut. (News zum Coronavirus)

 Corona-Explosion in NRW wegen Türkei-Urlaubern? Experte ist verärgert und schimpft aufs RKI

Für die gestiegene Inzidenz in Nordrhein-Westfalen gibt es ganz unterschiedliche Gründe und Erklärungen. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet hatte jüngst auch die vielen Corona-Testungen für die steigende Inzidenz verantwortlich gemacht und in diesem Zusammenhang auf den Schulstart in Nordrhein-Westfalen verwiesen. Doch es gibt noch andere Erklärungsansätze. Einer davon rückt Reiserückkehrer in den Fokus.

Frank Renken ist Chef des Gesundheitsamts in Dortmund. Der Corona-Experte hat gegenüber Ruhr24 das Robert-Koch-Institut (RKI) scharf kritisiert. Denn aktuell ist die Türkei als Hochrisikogebiet gelistet - mit Ausnahme von einigen Teilregionen. Allerdings sei diese Einordnung erst zum Ende der Sommerferien - und damit viel zu spät - vorgenommen worden, argumentiert Renken.  „Das hätte man auch schon eine Woche früher machen können. Hat man aber nicht getan“, betont er verärgert.

Corona-Anstieg in NRW: Türkei-Urlauber mussten nach Rückkehr bis zuletzt nicht in Quarantäne

In diesem Zuge seien viele Urlauber von ihrer Türkei-Reise zurückgekehrt, ohne sich in Corona-Quarantäne begeben zu müssen. Das habe insbesondere in Nordrhein-Westfalen und Dortmund einen Anstieg der Corona-Zahlen und der Inzidenz begünstigt, ist sich Renken sicher. Zumal er die Daten als Gesundheitsamt-Chef einsehen kann und die Türkei seinen Angaben zufolge das am häufigsten genannte Reiseziel der mit Corona infizierten Rückkehrer in Dortmund sei.

Dieser Trend könnte in anderen Städten Nordrhein-Westfalens ähnlich sein, in denen die Menschen die Sommerferien für einen Urlaub in südlichen Gefilden oder der Heimat nutzen wollten. Allerdings sei die Türkei nicht der einzige Urlaubsort, von dem die Menschen Corona nach NRW eingeschleppt hätten, fügt Renken an. Auch Bulgarien, Rumänien, Serbien und Kroatien würden häufig genannt. „Rätselhafterweise tauchen diese Länder auf, wenn wir Fallaufklärung machen, aber offiziell sind es keine Hochinzidenzländer“, zweifelt der Corona-Experte auch die Richtigkeit der nationalen Statistiken an.

Corona-Anstieg in NRW wegen Reiserückkehrern: Infizierte Urlauber kommen nicht nur aus Türkei

Die Schuld am Reiserückkehrer-Dilemma mitsamt der steigenden Corona-Zahlen sieht Renken daher weniger an den Urlaubern in der Türkei, Bulgarien und Kroatien selbst, als vielmehr am Robert-Koch-Institut (RKI) sowie den Verwaltungen in den jeweiligen Urlaubsländern, die Corona-Zahlen für ihr Land deklarieren würden, die nicht mit der Anzahl der Ansteckungen von Dortmunder Urlaubern übereinstimmen könnten.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) hatte die Türkei Mitte August zu einem Hochrisikogebiet erklärt. Eine Woche später wurden die beliebten griechischen Urlaubsinseln um Mykonos, Kreta und Rhodos als Corona-Hochrisikogebiete ausgewiesen. Wer jedoch geimpft ist, kann eine Urlaubsreise antreten, ohne nach der Rückkehr in Quarantäne zu müssen. Bei Ungeimpften ist dies anders.

Rubriklistenbild: © Kaya/Murat/dpa

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