112 Infizierte im Emsland

Dramatischer Anstieg der Corona-Fälle in Schlachthof der Tönnies-Gruppe - Streit um Schließung

Im Tönnies-Schlachthof in Rheda-Wiedenbrück hatten sich im Juni Tausende Arbeiter mit dem Coronavirus angesteckt. Jetzt gibt es einen dramatischen Anstieg der Corona-Fälle in einem Schlachtbetrieb der Gruppe in Sögel.

Update, 8. Oktober, 14.29 Uhr: 112 Beschäftigte des Schlachtbetriebs Weidemark in Sögel im Emsland haben sich mit dem Coronavirus Sars-Cov-2 infiziert. Das teilte der Landkreis Emsland mit. Die Weidemark Fleischwaren GmbH & Co. KG in der 16.000-Einwohner-Stadt Sögel nordöstlich von Meppen gehört seit 1998 zur Tönnies-Unternehmensgruppe mit Sitz in Rheda-Wiedenbrück in Ostwestfalen (NRW). Jetzt wehrt sich das Unternehmen gegen die Schließung des Schlachthofs.

Unternehmen: Weidemark Fleischwaren GmbH & Co. KG
Sitz:Sögel bei Meppen im Emsland
Mitarbeiter:rund 1500

Corona-Massenausbruch bei Schlachthof in Sögel: Tönnies klagt gegen Schließung

Ein Tönnies-Sprecher bestätigte zunächst die Angaben des Landkreises, dass 81 Weidemark-Mitarbeiter in Sögel positiv auf das Coronavirus getestet worden. Diese Zahl wurde nun auf 112 Fälle nach oben korrigiert. Seit der vergangenen Woche würden alle etwa 1.500 Mitarbeiter täglich getestet.

Der Schlachthof Weidemark im emsländischen Sögel soll vorübergehend geschlossen werden. Doch der bereits wegen mehrerer Corona-Ausbrüche in die Schlagzeilen geratene Fleischkonzern Tönnies hat sich gegen die vorübergehende Schließung seines Standorts im Emsland gewehrt.

Es sei eine einstweilige Verfügung gegen die Entscheidung des Landkreises beantragt worden, teilte der zu Tönnies gehörende Schlachthof Weidemark mit. „Die Schließungsverfügung heute zu erlassen, ist für uns nicht verhältnismäßig“, erklärte Weidemark-Geschäftsführer Christopher Rengstorf. 

Schlachthof: Corona-Patienten befinden sich in Quarantäne

Alle im Schlachthof beschäftigten Corona-Patienten sowie ihre Kontaktpersonen, die zu einem Großteil in Sögel wohnen, befinden sich derzeit in Quarantäne. Die neuen Corona-Fälle haben Auswirkungen auf das gesamte Emsland (Niedersachsen).

„Im gesamten Gebiet des Landkreises beobachten wir ein dynamisches Infektionsgeschehen“, hieß es von Landrat Marc-Andre Burgdorf. Die kritische Marke von 35 Corona-Neufällen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen (die so genannte 7-Tage-Inzidenz) wurde überschritten.

Landkreis verschärft nach Corona-Ausbruch im Schlachthof Weidemark die Regeln

Nach dem Corona-Ausbruch auf dem Schlachthof der Tönnies-Unternehmensgruppe hat der Landkreis Emsland mit einer Allgemeinverfügung das öffentliche Leben in Sögel eingeschränkt, um eine Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern oder zumindest zu verlangsamen.

Zusammenkünfte im Freien sind begrenzt, Sporthallen und -plätze geschlossen. In der bis einschließlich 19. Oktober gültigen Allgemeinverfügung wird festgelegt, dass Schüler und Lehrer an weiterführenden Schulen auch während des Unterrichts in den Klassenräumen einen Mund-Nasen-Schutz tragen müssen.

Für Veranstaltungen in Sögel gibt die Allgemeinverfügung eine maximale Teilnehmerzahl von 100 Personen vor. Ab 18 Uhr dürfen keine Spirituosen ausgeschänkt werden und ab 22 Uhr auch keine sonstigen alkoholischen Getränke.

Corona-Ausbruch bei Weidemark Fleischwaren weckt böse Erinnerungen

Die Dimension des Corona-Ausbruchs unter Beschäftigten des Schlachthofes Weidemark ist nicht so groß wie die im Juni, als am Tönnies-Stammsitz in Rheda-Wiedenbrück (Kreis Gütersloh) insgesamt rund 2000 Personen positiv auf das Coronavirus getestet wurden.

Der Ausbruch führte zu einem Lockdown in den Kreisen Gütersloh und Warendorf, zu einem Produktionsstopp beim Tönnies-Schlachtbetrieb in Rheda-Wiedenbrück und zur einer grundsätzlichen Debatte über die zum Teil katastrophalen Arbeitsbedingungen in Schlachthöfen. Als Reaktion auf entsprechende Berichte erließ der Bundestag ein Gesetz, wonach unter anderem Werkverträge in der Fleischindustrie stärker reglementiert werden.

Der Name „Weidemark Fleischwaren“ steht auf einem Schild am Firmengelände von Weidemark. Dutzende Beschäftigte des Betriebs sind mit dem Coronavirus infiziert.

Immer wieder kam und kommt es zu Corona-Ausbrüchen in Schlachthöfen. Erst Ende September gab es Corona-Alarm in einem Zerlegebetrieb in Emsdetten (Kreis Steinfurt). Der bundesweite Corona-Hotspot schlechthin ist momentan allerdings Hamm (NRW). Nachdem eine türkische Großhochzeit dort zum Superspreader-Event geworden war, musste die Stadt strikte Konsequenzen ziehen.

Rubriklistenbild: © Mohssen Assanimoghaddam/dpa

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