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Corona-Testzentren in NRW: Keine positiven Ergebnisse - trotz tausender Tests

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Von: Daniel Großert

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Jeden Tag lassen sich Tausende Menschen in Testzentren in NRW auf Corona testen. Recherchen ergaben: In manchen Teststellen gab es aber keine positiven Tests.

Hamm - Seit Monaten schießen sie gefühlt an jeder Ecke in Nordrhein-Westfalen aus dem Boden: Testzentren, in denen Bürger sich kostenlos auf das Coronavirus testen lassen können. Angesichts weiter hoher Infektionszahlen in NRW ist der Bedarf noch immer da. In manchen Teststellen ist die Zahl positiver Tests aber auffällig niedrig, wie eine Recherche von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung jetzt ergab.

BundeslandNordrhein-Westfalen
Bevölkerung17,93 Millionen (2019)
HauptstadtDüsseldorf

Corona-Testzentren in NRW: Keine positiven Ergebnisse - trotz tausender Tests

Jeden Tag müssen die Betreiber von Corona-Testzentren ihre Zahlen von durchgeführten Schnelltests und positiven Ergebnissen an das Gesundheitsministerium in Düsseldorf melden. Die Recherchen der drei Medien beziehen sich konkret auf den 8. Februar 2022, an dem es demnach in NRW rund eine Million Tests mit gut 35.000 positiven Ergebnissen gab. Doch in 24 großen Testzentren habe es an dem Tag keinen einzigen positiven Corona-Test gegeben.

Eine Teststelle in Köln habe sogar fast 10.000 durchgeführte Tests ohne positiven Befund gemeldet. Virologen können diese Zahlen nicht erklären. Christian Drosten nennt sie „nicht plausibel“, während es für seinen Kollegen Oliver Keppler „höchst unwahrscheinlich“ sei, unter tausenden Tests keinen positiven zu haben. Denn selbst bei den besten Corona-Schnelltests auf dem Markt gebe es 0,3 Prozent falsch-positive Ergebnisse. „Das heißt, selbst unter 1000 nicht-infizierten Personen müssten schon drei Tests positiv sein“, zitiert tagesschau.de den Münchener Virologen Oliver Keppler.

Laut WDR, NDR und SZ wurden zwischen Mitte Januar und Mitte Februar in einem Testzentrum in Köln sogar mehr als 30.000 Tests ohne ein einziges positives Ergebnis durchgeführt. Der Betreiber habe das auf Nachfrage auf „die fehlerhafte Meldung durch einen ehemaligen Mitarbeiter“ zurückgeführt.

Corona-Testzentren in NRW: So begründen Betreiber ihre Zahlen

Reporter hätten zudem am 19. Februar weniger als 300 Personen an der Teststelle gezählt, während der Betreiber an diesem Tag allerdings fast 4000 Tests gemeldet habe. Auch hierfür habe der Geschäftsführer eine Begründung geliefert: Sein Unternehmen habe für eine verbundene Firma an einer anderen Adresse Corona-Tests durchgeführt, die aber über die Teststelle gemeldet worden seien. Das sei nach Angaben des Gesundheitsamts in Köln aber eine unzulässige Praxis.

Ein Mann steht an einem Corona-Testzentrum.
Trotz tausender Tests gab es in manchen Corona-Testzentren in NRW keine positiven Ergebnisse. (Symbolfoto) © Oliver Berg/dpa

Ein Testzentrum-Betreiber aus Wesel führe die wenigen positiven Ergebnisse darauf zurück, dass die dort verwendeten Schnelltests die Omikron-Variante nicht erkennen würden. Daher sei man dort auf andere Tests umgestiegen. Die kostenlosen Bürgertests könnten bald aber ein Ende haben: Die aktuelle Testverordnung des Bundes läuft in wenigen Wochen aus.

Aber wer überprüft die Corona-Testzentren in Deutschland überhaupt? Schließlich war im vergangenen Jahr bereits Betrug im großen Stil mit zu viel abgerechneten Corona-Tests aufgeflogen. Seitdem hat das Bundesgesundheitsministerium die Kassenärztlichen Vereinigungen in die Prüfung einbezogen. Doch die seien sich zum Teil dieser Aufgabe gar nicht bewusst, wie WDR, NDR und SZ herausgefunden haben. Von den 3,3 Milliarden Euro, die der Bund bisher an Testzentrum-Betreiber ausgezahlt habe, seien nach Abrechnungsprüfungen etwa 2,5 Millionen - also lediglich 0,07 Prozent - an den Staat zurückgezahlt worden.

Keine positiven Ergebnisse in Corona-Testzentren in NRW: Lauterbach kündigt Untersuchungen an

Die Stadt Köln entwickele aktuell immerhin einen Algorithmus, „also ein automatisches Erkennen von abweichenden Teststellen“, wie tagesschau.de den Gesundheitsdezernenten Harald Rau zitiert. Er habe aber auch eingeräumt: „Unsere Aufmerksamkeit war bisher nicht darauf gerichtet, Betrug zu entdecken.“

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach kündigte unterdessen Untersuchungen an: „Dem müssen und werden wir nachgehen. Betrug in Testzentren ist mehr als ein ökonomischer Schaden. Das Vertrauen in die Tests wird beschädigt. Das geht nicht“, schrieb der SPD-Politiker auf Twitter *wa.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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