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Corona-Testzentren erfunden: Frau aus NRW ergaunert mehr als eine Million Euro

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Von: Daniel Großert

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Mit tausenden Corona-Tests hat eine Frau aus NRW mehr als eine Million Euro verdient. Das Problem: Ihre Testzentren haben nie existiert.

Essen - In unzähligen Corona-Testzentren können sich Bürger in Nordrhein-Westfalen kostenlos auf das Coronavirus testen lassen. Dass man mit den Schnelltests ordentlich Geld verdienen kann, ist leider auch Betrügern nicht verborgen geblieben. Einen extremen Fall gab es in Essen im Ruhrgebiet: Dort hat eine Frau mit erfundenen Testzentren mehr als eine Million Euro ergaunert.

BundeslandNordrhein-Westfalen
Bevölkerung17,93 Millionen (2019)
HauptstadtDüsseldorf

Corona-Testzentren erfunden: Frau aus NRW ergaunert mehr als eine Million Euro

Die 49-jährige, die eigentlich als Busfahrerin arbeitet, begann im Sommer 2021 mit ihren kriminellen Machenschaften: Sie richtete Konten und E-Mail-Adressen ein, mit denen sie elf Corona-Testzentren anmeldete. Doch die haben niemals existiert. Mit vermeintlichen Bürgertests und Impfungen nahm die Frau knapp 1,1 Millionen Euro ein.

Ihre Fake-Testzentren „eröffnete“ sie vom Handy aus bundesweit, indem sie sich für das Abrechnungsverfahren von Kassenärztlichen Vereinigungen anmeldete. Die erste Teststelle meldete die 49-Jährige sogar mit ihrem echten Namen an ihrer persönlichen Adresse in Essen an, weitere folgten vor allem in Bayern und Baden-Württemberg.

Doch es lief nicht gleich rund für die 49-Jährige: Die Kassenärztliche Vereinigung Bayern lehnte einen Antrag auf knapp 300.000 Euro für rund 27.000 vermeintliche Corona-Impfungen ab - ebenso wie zwei weitere fingierte Abrechnungen über Schnelltests, die Bürgern kostenlos angeboten werden, im Wert von insgesamt 450.000 Euro.

Corona-Testzentren erfunden: Behörden helfen bei den Anträgen

Besonders pikant: Die Kassenärztliche Vereinigung Bayern half der Frau aus Essen danach unbürokratisch bei ihren Anträgen. Das zahlte sich auch beim Geschäft in NRW aus. Allein die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein soll der Frau fast 200.000 Euro überwiesen haben. Erst als bei einer Bank der Verdacht der Geldwäsche aufkam, flog der Betrug mit den Corona-Testzentren auf. Von den erbeuteten 1,1 Millionen Euro stellten Ermittler rund 925.000 Euro sicher. Mit dem Rest des Geldes habe die 49-Jährige nach eigenen Angaben Schulden bezahlt und ein Auto gekauft.

Ein Schild weist den Weg zu einem Corona-Testzentrum.
Mit erfundenen Corona-Testzentren hat eine Frau aus Essen mehr als eine Million Euro ergaunert. © Federico Gambarini/dpa

Jetzt stand sie vor Gericht. Das Amtsgericht Essen verurteilte die Frau zu einer Haftstrafe von drei Jahren und drei Monaten. Sie habe sich bei der Verhandlung am Donnerstag einsichtig und geständig gezeigt, bestätigte eine Gerichtssprecherin am Freitag. Das Gericht wertete strafmildernd, dass die Behörden und Kassenärztlichen Vereinigungen ihr den dreisten Betrug mit Corona-Tests und -Impfungen recht leicht gemacht hätten.

Recherchen mehrerer Medien deuteten zuletzt darauf hin, dass auch an anderen Orten bei den kostenlosen Bürgertests nicht alles glattläuft: In manchen Corona-Testzentren gab es über Wochen keine positiven Tests - obwohl dort tausende durchgeführt bzw. abgerechnet wurden. (mit dpa-Material) *wa.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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