1. wa.de
  2. NRW

Ärger um Abrechnung von Corona-Bürgertests: Kassenärzte in NRW klären auf

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Hannah Decke

Kommentare

Die kostenpflichtigen Corona-Tests sorgen für Ärger. Die Kassenärztlichen Vereinigungen drohen, die Tests nicht mehr abzurechnen. In NRW blieben einige Teststellen dicht.

Hamm - Die Corona-Tests sind seit dem 30. Juni für die meisten Personen kostenpflichtig. Nur noch bestimmte Bevölkerungsgruppen haben einen Anspruch auf einen kostenfreien Bürgertest. Alle anderen müssen dafür zahlen. Die neue Testverordnung sorgt aber nicht nur deswegen für Ärger. Die Kassenärztlichen Vereinigungen kündigten an, dass sie Bürgertestungen „zukünftig nicht mehr abrechnen und auszahlen können“. Das sorgt für Unsicherheit bei den Testzentren. In Nordrhein-Westfalen blieben daher einige Stellen am Freitag (1. Juli) geschlossen.

BundeslandNordrhein-Westfalen
HauptstadtDüsseldorf
Einwohner17,9 Millionen

Bürgertests: Ärger um Abrechnung - einige Corona-Teststellen in NRW schließen

Die Kassenärztlichen Vereinigungen gehen wegen der neuen Regelungen für Corona-Bürgertests auf Konfrontationskurs zum Bundesgesundheitsministerium. In einem Schreiben an Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) teilten die Kassenärztliche Bundesvereinigung und die Landesvereinigungen am Donnerstag (30. Juni) mit, dass sie Bürgertestungen „zukünftig nicht mehr abrechnen und auszahlen können“.

Die Kassenärztlichen Vereinigungen könnten nicht verantworten, „sehenden Auges Auszahlungen auf Abrechnungen zu leisten, deren Richtigkeit sie nicht ansatzweise prüfen können“, heißt es in dem Schreiben.

Die Nachricht sorgte für große Verunsicherung, vor allem bei den Testzentren. In Hamm sind am Freitag etliche Corona-Teststellen geschlossen geblieben. Grund seien die fehlenden Grundlagen für eine seriöse Abrechnung, so ein Betreiber. Manche handhaben das Problem von zu viel Bürokratie aber auch anders: Sie bieten weiterhin kostenlose Bürgertests an, etwa in Münster. Und auch ein Testzentrum in Dortmund verzichtet auf den Eigenanteil, berichtet RUHR24.

Ärger um Abrechnung von Bürgertests auch in NRW - das sagt die KVWL

Wie sieht also die Zukunft von den Bürgertests und Testzentren in NRW aus? Auf Nachfrage von wa.de teilt die Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) mit, dass man „natürlich“ dem gesetzlichen Auftrag nachkomme und derzeit die Abrechnungen für Juni „im gewohnten Verfahren“ annehme. „Die Auszahlungen im Juli für Leistungen bis Juni 2022 sind NICHT gefährdet“, so ein Sprecher der KVWL.

Arnsberg: Greta Brand klebt ein Schild an eine Glaswand auf dem Steht, dass Coronatest künftig einen Eigenanteil von 3 Euro kosten.
Drei Euro kostet jetzt für die meisten Bürger ein Corona-Schnelltest im Testzentrum. (Symbolbild) © Andreas Dunker/dpa

Auch Karl Lauterbach teilte am Freitag via Twitter mit: „Die Tests werden bleiben und ab heute korrekt abgerechnet.“ Sein Ministerium sei mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) „in konstruktiven Gesprächen zur Abrechnung der Bürgertests“.

Die KVWL betonte auf Anfrage von wa.de weiter, dass man sich dafür einsetze, dass für alle Seiten akzeptable und vor allem umsetzbare Lösungen gefunden werden. Man arbeite mit Hochdruck an einer „möglichst kurzfristigen Umsetzung aller Regelungen.“

Ärger über neue Testverordnung: „Große organisatorische Änderungen“

Der Ärger über die neue Testverordnung bleibt aber - auch in NRW. Die KVWL spricht von einer „Überraschung“ und großen Herausforderung, da die Änderungsverordnung (wie immer) sehr kurzfristig veröffentlicht wurde. „Dies gilt ganz besonders für die aktuellsten Änderungen, da diese vor allem für die Teststellenbetreiber große organisatorische Änderungen bedeutet“, so der Sprecher.

Im Zentrum der Kritik steht neben drohenden Betrugs auch die wachsende Bürokratie. Die Menschen brauchen bestimmte Bescheinigungen als Nachweis für einen kostenlosen Corona-Test. Diese müssen kontrolliert und bei der Abrechnung angegeben werden.

Auch interessant

Kommentare