Nachwirkungen der Infektion

Corona-Spätfolgen: Mediziner warnen vor unberechenbaren Nachwirkungen

Seit Januar ist das Coronavirus bekannt. Eine kurze Zeit, um die Spätfolgen zu analysieren. Erkrankte drohen auch nach überstandener Corona-Infektion Nachwirkungen.

  • Das Coronavirus breitet sich weltweit weiter aus - die Zahlen steigen.
  • Aufgrund der Pandemie befinden sich viele Länder und Regionen im Lockdown - das gilt auch für NRW.
  • Corona wird weiter erforscht - erkrankte sprechen über die Spätfolgen. (News zum Coronavirus)

Hamm - Die ersten Fälle der Lungenerkrankung Covid-19 gab es im Dezember 2019 in Wuhan (China) - der Krankheitserreger, das neuartige Coronavirus, wurde im Januar 2020 entdeckt. Corona löste eine weltweite Pandemie aus, noch immer arbeiten Virologen und andere Forscher daran, das Virus genau einzuordnen, alle Symptome und Krankheitsverläufe zu analysieren und die Nachwirkungen einer Infektion festzustellen. Noch ist es wenig Zeit, um die Spätfolgen vollständig zu erfassen. Die Langzeitwirkung zeigt, wie gefährlich Corona wirklich ist.

Sars-CoV-2Medizinische Bezeichnung des Virus
Covid-19Bezeichnung für die durch das Virus ausgelöste Krankheit
Coronaviren/CoronaBezeichnung für eine Familie von Erregern. Es gibt unterschiedliche Corona-Stämme

Wie gefährlich ist Corona auch nach der Infektion? Erkrankte sprechen über Spätfolgen

Die Spätfolgen, die eine Infektion mit Covid-19 nach sich ziehen könne, sind laut dem Wissenschaftler und SPD-Politiker Prof. Dr. Dr. Karl Lauterbach gravierend. Bei mittelschweren Verläufen von Corona können noch Monate nach der Erkrankung neurologische Probleme auftreten. Lauterbach erklärt, dass diese sich wohl aus einer Entzündung des Gehirns ergeben, die bei Corona-Infektionen auftreten kann. Zu den Nachwirkungen gehört der sogenannte Brain Fog („Gehirnnebel“), der für Konzentrationsschwierigkeiten sorgt.

Bei älteren Patienten, die eine Corona-Erkrankungen überstanden haben, gebe es auch eine erhöhte Wahrscheinlichkeit zur Demenz. Diese These werde derzeit aber noch wissenschaftlich überprüft, so Lauterbach. Lockerungen und damit potenzielle Infektionsrisiken - wie sie für die Weihnachtszeit in Deutschland angedacht sind - sieht der Wissenschaftler deshalb kritisch.

Mehrere Studien belegen, dass Patienten, die als von Corona geheilt gelten, an den Langzeitfolgen leiden. Die meisten der Corona-Erkrankten werden wieder richtig gesund. Es gibt jedoch Erkrankte, die noch Wochen und Monate später verschiedene Symptome zeigen. Dabei ist nicht einmal der Verlauf der Erkrankung entscheidend - selbst jene Patienten, die unter einer milden Corona-Erkrankung litten, sind vor teilweise heftigen Spätfolgen nicht geschützt.

Spätfolgen von Corona: Diese Gefahren gibt es für die Psyche und Körper nach der Infektion

Lungenärztin Dr. Jördis Frommhold, pneumologische Chefärztin der Median Klinik in Heiligendamm, behandelt Patienten mit Spätfolgen. In der Talkshow von Markus Lanz (ZDF) erklärt sie, dass Patienten nach relativ mildem Verlauf von Covid selbst Monate später mit Problemen wie Wortfindungsstörungen, Gedächtnislücken und Leistungsproblemen kämpfen müssen. „Das sind Patienten, die nicht 75 Plus sind, sondern zwischen 35 und 65“, erklärt Frommhold. Einfachste Aufgaben könnten nicht mehr gelöst werden, Texte werden nicht mehr verstanden.

Dabei ist es den Ärzten nicht möglich, vorherzusagen, wer unter langfristigen Symptomen leiden wird. Es kann sowohl alte wie auch junge Menschen treffen, Patienten, die mit einem schweren Verlauf von Corona kämpfen mussten und jene, die nur leichte Corona-Symptome zeigten.

Gefahren von Corona: Studie zeigt, wie Infektion sich langfristig auf Lunge und Psyche auswirkt

Neben den Gefahren für das Gehirn gibt es noch zahlreiche weitere Probleme, die auftreten können. 0,,Am schwersten wirkt sich eine Infektion mit dem Coronavirus jedoch auf die Lunge aus. In einer Studie von Forschern aus den Niederlanden, die in der Fachzeitschrift „Clinical Infectious Disesases“ veröffentlicht wurde, wurden die Daten von Patienten untersucht, die im Krankenhaus Nijmegen behandelt werden mussten, sowie weitere, die bei leichten Symptomen zum Hausarzt gingen und sich sechs Wochen nach der Infektion noch nicht erholt hatten.

Coronavirus: Nicht nur Patienten auf der Intensivstation brauchen lange für die Erholung.

Für die Krankenhaus-Patienten gilt, dass die Heilung Zeit braucht und längerfristige Nachwirkungen normal sind. Vollständig gesund wurde nach sechs Monaten die Lunge demnach nur bei 9 Prozent der Krankenhaus-Patienten. Bei den anderen ist die Sauerstoffsättigung im Blut noch zu niedrig, viele der ehemals Infizierten leiden unter Problemen wie Atemnot, Müdigkeit und Brustschmerzen. Dazu kommen mentale und kognitive Probleme, die Erkrankten bezeichnen ihre Lebensqualität als eingeschränkt.

Spätfolgen von Covid-19-Erkrankungen: Patienten mit mildem Verlauf und heftigen Langzeit-Symptomen

Für Patienten, die mit Lungenerkrankungen im Krankenhaus behandelt werden müssen, seien lange Regenerationszeiten normal, heißt es vom Forscher Bram van den Borst. Der Verlauf erinnere an Menschen, die an akuten Lungenentzündungen oder Lungenversagen erkrankten.

Erschreckend an der Studie ist aber, dass ambulante Patienten sich nicht so gut erholen, wie jene die im Krankenhaus behandelt wurden. Die Patienten mit mildem Covid-19-Verlauf zeigen zwar keine oder nur wenige Anomalien in der Lunge und auch die Sauerstoffsättigung im Blut sei normal, ihre Spätfolgen sind jedoch zum Teil heftiger als bei den Krankenhaus-Patienten. Zu den Langzeit-Symptomen gehören Husten, Müdigkeit und Atemnot, sowie Angstzustände und fehlende körperliche Belastbarkeit. Da die Forscher nur auf begrenzte Daten zugreifen können, besteht sehr großer weiterer Untersuchungsbedarf, um die Langzeitfolgen von Corona für Erkrankte besser einordnen zu können.

Rubriklistenbild: © Peter Kneffel/dpa

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