Gesetzesänderung

Lehrer dürfen selbst Corona-Schnelltest machen - Doch können sie das auch wirklich?

Lehrer und Erzieher können sich selbst auf Corona testen. Für den Schnelltest braucht es keinen Arzt mehr. Aber: Der Prozess ist nicht leicht.

Update vom 4. Dezember, 18.39 Uhr: Corona-Schnelltests für Lehrer an Schulen soll es in NRW frühestens nach den Weihnachtsferien geben. Darauf haben sich laut Medienberichten Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU), Familienminister Joachim Stamp und Schulministerin Yvonne Gebauer (beide FDP) geeinigt. Details zur Umsetzung werde die Landesregierung rechtzeitig bekannt geben, teilte das Gesundheitsministerium mit. Bis dahin sollen demnach die bisherigen Regeln für die kostenlosen Tests für Lehrer und Kita-Personal gelten. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte angekündigt, dass Kitas und Schulen schon von diesem Freitag an eigenständig Schnelltests beziehen und nutzen könnten.

TestAntigen-Schnelltest
ZweckFür den raschen Nachweis von Antigenen von SARS-CoV-2
AnwendungsgebieteBei symptomatischen und asymptomatischen Personen
Ergebnis15 bis 30 Minuten

Erstmeldung vom 3. Dezember: Hamm - Ab Freitag (4. Dezember) tritt eine Änderung des Corona-Infektionsschutzgesetzes in Kraft, die unter anderem bewirkt, dass Lehrer und Erzieher sich nun selbst einem Schnelltest unterziehen können und dafür keine Beihilfe von einem Arzt benötigen. Schulen und Kitas können diese medizinischen Test fortan beziehen und nutzen. Bis dato hatten nur wenige Personen einen Anspruch auf einen Schnelltest - etwa um Risikogruppen zu schützen. (News zum Coronavirus in NRW)

Corona-Schnelltest für Lehrer und Erzieher möglich - Weiterbildung notwendig

Allerdings sind noch viele logistische Fragen zu klären, ehe im großen Stile getestet wird. Zum Beispiel ist noch es gar nicht abgemacht, dass jeder Lehrer und Erzieher einen solchen Antigen-Test überhaupt mit nach Hause nehmen kann, um sich bequem vor der Arbeit einem Schnelltest zu unterziehen. Stattdessen wird es wohl eher geschultes Personal geben, das die Lehrer auf Corona testet. „Es wäre am besten, wenn ein bestimmter Lehrer zum Hygienebeauftragten ernannt würde, dieser natürlich auch entsprechend weitergebildet wird von den lokalen Behörden, um dann diese Tests sinnvoll einzusetzen“, schlug Lothar Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI) am Donnerstag vor.

Wieler spricht bewusst von einer notwendigen Weiterbildung. Denn ein Corona-Schnelltest ist nicht leicht zu handhaben. Im Grunde ergeht es der getesteten Person genauso wie bei einem PCR-Test. Für einen Abstrich muss ein Wattestäbchen tief in die Nase gesteckt werden. Dann wird die Probe in ein Röhrchen mit einer Lösung gesteckt. Die entstehende Flüssigkeit wird schließlich auf den Tester getröpfelt, der so ähnlich aussieht wie ein Schwangerschaftstest und nach spätestens einer halben Stunde das Ergebnis präsentiert.

Corona-Schnelltest für Lehrer und Erzieher möglich - Bei Selbsttest könnte es Hemmschwelle geben

Lehrer als Laien wären laut übereinstimmenden Experten nur mit einer Weiterbildung in der Lage dazu, einen Schnelltest vorzunehmen. Doch bezweifeln viele, dass es auch sinnvoll ist, wenn der Antigen-Schnelltest bei Lehrern wirklich als Selbsttest durchgeführt wird. Schließlich ist der Corona-Test unangenehm, wird doch das Wattestäbchen tief in die Nase oder das Zäpfchen weit in den Rachenraum gesteckt. Es könnte demnach eine Hemmschwelle geben, die das tatsächliche Ergebnis verfälscht.

Der Corona-Test ähnelt optisch einem Schwangerschaftstest. Auch Lehrer können sich nun ohne ärztlichen Beistand testen lassen.

Wobei das Ergebnis eines Schnelltests in der Theorie ohnehin nur eine geschätzte Gültigkeit von 50 Prozent aufweist. Darauf weisen die Experten der Mikrobiologie der Laboratoriumsmedizin Dortmund gegenüber unserer Zeitung hin. Ein Patient sei nach einem negativen Schnelltest zwar nicht mehr infektiös, könne die Viruslast aber nach wie vor in sich tragen. Deshalb muss immer noch ein PCR-Test nachgezogen werden, der Lehrer und Erzieher dann noch einmal richtig unter die Lupe nimmt. Genau das ist dann auch der Plan der Regierung.

Corona-Schnelltest für Lehrer und Erzieher möglich - Verbände zweifeln an Kapazitäten

Gewerkschaften und Lehrerverbände begrüßen die Entscheidung, dass sich Lehrer und Erzieher nun via Schnelltest auf Corona testen können. Allerdings finden viele das Vorpreschen der Regierung voreilig. Schließlich bleiben viele logistische Fragen noch ungeklärt. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann stellte gegenüber dem WDR etwa klar, dass die Tests überhaupt noch besorgt werden müssen. Zudem steht wie gesagt nicht fest, wer letztlich überhaupt testet und ob die Schulen überhaupt die notwendigen Kapazitäten besitzen.

Bis jetzt hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zudem eine zentrale Frage offen gelassen - nämlich, ob Lehrer und Erzieher auch bei Kindern und Jugendlichen Tests durchführen sollen. Für die Gewerkschaften ist das ein großer Knackpunkt; sie befürchten, dass die Kapazitäten der jeweiligen Einrichtungen die Bewältigung dieser Aufgabe nicht hergeben könnten.

Der Drogerie-Markt dm bietet inzwischen einen Corona-Antikörpertest für Zuhause an. Der Test soll eine durchgemachte Infektion nachweisen, ist allerdings nur bedingt sinnvoll.

Rubriklistenbild: © Federico Gambarini / dpa

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