Ergebnisse von Forsa-Befragung

NRW: Attacke auf Lehrer wegen Corona-Maßnahmen – Beschimpfungen und Bedrohungen

Schulklasse und Lehrerin
+
Lehrer in der Corona-Pandemie sind aktuell Zielscheibe für viel Frust. Sie müssen sich mit Beleidigungen und Bedrohungen herumschlagen.

Die Corona-Krise zehrt weiter an unseren Nerven. Das bekommen auch Lehrer und Lehrerinnen mit. Sie berichten von Beleidigungen und Bedrohungen.

NRW – Während der Coronavirus-Pandemie* gehen mittlerweile viele Menschen sprichwörtlich auf dem Zahnfleisch. Pflegekräfte sind im Dauereinsatz, Eltern jonglieren zwischen Homeoffice und Homeschooling und Schüler versuchen, in der Krise nicht abgehängt zu werden. Eine weitere Gruppe muss sich mit besonders kräftezehrenden Problemen herumschlagen: Lehrer und Lehrerinnen. Sie werden teilweise beleidigt und bedroht, wie RUHR24* berichtet.

VerbandVerband Bildung und Erziehung
Mitgliederca. 164.000
Gründung1974
VorsitzUdo Beckmann

Schule in NRW: Corona-Maßnahmen führen zu Frust, Beleidigungen und Bedrohungen

Grund für die verbalen Angriffe auf die Lehrkräfte sind die ständigen Änderungen und die zahlreichen Schutzmaßnahmen in der Corona-Pandemie. Wie eine Forsa-Befragung im Auftrag des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) ergeben hat, ist etwa jede fünfte Lehrkraft (22 Prozent) davon betroffen.

Demnach seien Lehrende von Beschimpfungen, Belästigungen, Bedrohungen oder Diffamierungen betroffen. Allerdings sind es nicht die Schüler und Schülerinnen, die ihren Corona-Unmut mit Beleidigungen äußern. Die Eltern sind die Übeltäter, die die Lehrkräfte teilweise bedrohen (mehr Corona-News aus NRW* bei RUHR24).

Corona-Regelchaos führt zu Eltern-Frust: Lehrer werden für ihre Arbeit angegriffen

„Der Frust der Gesellschaft über bestehende ‚Coronaregeln‘ entlädt sich an der Schule“, erklärt Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE). Lehrkräfte und Schulleitende würden dafür angegriffen, ihrem Job nachzukommen „und die verordneten Infektionsschutzmaßnahmen umzusetzen“. Beckmann sieht das Regelchaos und die intransparente Kommunikation als Grund für den Eltern-Frust.

Großer Streitpunkt dürfte in den vergangenen Wochen besonders die Corona-Testpflicht an den Schulen* gewesen sein. Denn wenn es wieder Präsenzunterricht an Schulen geben darf, sind Schüler und Schülerinnen dazu verpflichtet, zweimal in der Woche einen Corona-Test durchzuführen. An einigen NRW-Schulen wurde aber immerhin der sogenannte Lolli-Test* eingeführt.

Frust über Corona-Maßnahmen in NRW: „Lehrkräfte werden zur Zielscheibe von Andersdenkenden“

Immerhin gaben 84 Prozent der 1501 bundesweit befragten Lehrkräfte an, dass Eltern diejenigen seien, von denen die Angriffe kämen. Aber es kämen auch Angriffe von anderen Erwachsenen, die zum Beispiel in Organisationen engagiert sind, die sich gegen Corona-Schutzmaßnahmen einsetzen.

Lehrer in der Corona-Pandemie sind nicht nur dafür verantwortlich die Schutzmaßnahmen umzusetzen, sie sind auch zur Zielscheibe für Eltern-Frust geworden.

„Wir haben eine Situation, in der diejenigen, die Regelungen befolgen und umsetzen müssen – und zwar unabhängig davon, für wie richtig und wichtig sie diese selbst halten – dafür abgestraft werden. Lehrkräfte werden ungeschützt von der Politik zur Zielscheibe von Andersdenkenden“, schreibt der VBE Bundesvorsitzende in einer Mitteilung. Er fordert ein klares Zeichen vonseiten der Politik, immerhin sei ein Angriff auf eine Lehrkraft ein Angriff auf die Institution Schule und damit auf ein Angriff auf den Staat, meint Beckmann.

Schule in NRW: Lehrer berichten von psychischer Gewalt in Bezug auf die Corona-Schutmaßnahmen

Insgesamt wurden für diese Umfrage 1501 Lehrkräfte bundesweit befragt, darunter 329 in NRW. Die NRW-Befunde weichen laut VBE kaum von den bundesweiten ab. Ein Auszug der Ergebnisse im Überblick:

  • 22 Prozent der Befragten gaben an, dass es an ihrer Schule im Zusammenhang mit der Umsetzung von Infektionsschutzmaßnahmen zu direkter psychischer Gewalt kam.
  • Das können Drohungen beim Elternabend, eskalierende Gespräche oder Briefe sein.
  • Beschäftigte an Grundschulen berichten häufiger von psychischer Gewalt (29 Prozent) als Lehrkräfte an Gymnasien (13 Prozent).
  • 25 Prozent berichten von psychischer Gewalt übers Internet. Das können drohende WhatsApp-Nachrichten sein oder auch diffamierende Mails.

Video: Studie zum Homeschooling – das sind die großen Probleme

Schule in Corona-Zeiten: Lehrer berichten auch von körperlicher Gewalt

Zu körperlicher Gewalt kam es laut Studie in nur wenigen Fällen. Zwei Prozent der Lehrkräfte berichten davon. „Wenn man das aber hochrechnet, heißt das immer noch, dass es innerhalb der letzten Monate an 650 der 32.500 allgemeinbildenden Schulen in Deutschland zu körperlichen Angriffen gegen Lehrkräfte oder die Schulleitung kam“, schreibt Beckmann.

Ein Lichtblick sei allerdings der Zusammenhalt im Kollegium. Diejenigen, die selbst Gewalterfahrungen machen mussten, konnten sich anderen Lehrenden und der Schulleitung anvertrauen und fühlten sich gut unterstützt. *RUHR24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare