Aus­set­zung der Imp­fung

Corona: Stopp von Astrazeneca-Impfungen hat Folgen für viele Bürger in NRW

Astrazeneca-Impfstoff wird in NRW vorerst nicht mehr verabreicht. Für die Corona-Strategie des Landes und Hundertausende Bürger hat das böse Folgen.

Düsseldorf - Diese Corona-Nachricht hat viele Bürger in NRW am Montag schockiert: „Bundesregierung stoppt Impfungen mit Astrazeneca“. Die Entscheidung hat böse Folgen. Das Land muss nun (vorerst) seine Impfstrategie ändern. Viele Bürger sind verunsichert - vor allem jene, die das Vakzin bereits verabreicht bekommen haben. RUHR24.de* erklärt, was der Impf-Stopp nun für Nordrhein-Westfalen bedeutet.

Impfstoff-HerstellerAstrazeneca
ArtVektorimpfstoff
In Deutschland zugelassen seitJanuar 2021

Astrazeneca-Impfstoff: Thrombose-Fälle sorgen für Stopp der Impfungen in NRW - das hat Folgen

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet sagte am Montag im ZDF, der Stopp der Astrazeneca-Impfungen werde die Impfpläne in Nordrhein-Westfalen durcheinanderbringen. Das Land habe darauf gesetzt, „sehr schnell, sehr breit zu impfen“. Doch der Stopp mache die Pläne vorerst zunichte. Laschet über den Astrazeneca-Impfstoff: „Und jetzt ist er gar nicht mehr da, jedenfalls nicht die nächsten Tage.“

Die Bundesregierung hat nach Empfehlung des bundeseigenen Paul-Ehrlich-Instituts die Impfungen mit Astrazeneca-Vakzinen am Montag (15. März) gestoppt, weil es „eine auffällige Häufung einer speziellen Form von sehr seltenen Hirnvenenthrombosen (Sinusvenenthrombosen) in Verbindung mit einem Mangel an Blutplättchen (Thrombozytopenie) und Blutungen in zeitlicher Nähe zu Impfungen mit dem COVID-19-Impfstoff Astrazeneca“, gegeben hat.

NRW sagt alle Termine für Corona-Impfungen mit Astrazeneca-Impfstoff ab

Was heißt das jetzt für den Impfplan in NRW? Fest steht: Bereits vereinbarte Termine für Impfungen mit Astrazeneca finden vorerst nicht statt. Die zuständigen Stellen, etwa Impfzentren, sagen den Patienten ab. In Köln bot man Patienten, die am Montag ins Impfzentrum gekommen waren, sogar spontan den Impfstoff von Biontech an. Die bereits gelieferten Astrazeneca-Dosen sollen indes überall in NRW weiter gelagert werden.

Das Land und der Bund warten jetzt erstmal die Einschätzung der Europäischen Arzneimittelagentur (European Medicines Agency, EMA) ab, die nun weitere Daten zum Impfstoff erhebt und analysiert.

NRW/Corona: Erste und zweite Impfung mit Astrazeneca von Stopp der Bundesregierung betroffen

Bis keine Entscheidung seitens der EMA vorliegt, werden die Impfungen mit dem COVID-19-Impfstoff von Astrazeneca in NRW ausgesetzt. Diese Entscheidung betrifft sowohl Erst- als auch Folgeimpfungen. Wer also bereits mit Astrazeneca geimpft wurde und auf seinen zweiten Termin wartet, muss darauf (vorerst) verzichten. In NRW sind davon in erster Linie Rettungsdienstkräfte, Erzieher, Lehrer und Polizisten betroffen.

Die Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) in NRW weisen daraufhin, dass der Astrazeneca-Stopp in NRW auch dazu führen könnte, dass sich der Start der Corona-Impfungen in Hausarztpraxen* verzögert. Entscheidend sei, wie lange die Impfpause mit Astrazeneca dauere, so Dr. med. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein, in einer Stellungnahme.

Hausärzte in NRW wollen ab dem 29. März Astrazeneca-Impfungen gegen Corona verabreichen

Sollten das Paul-Ehrlich-Institut und die EMA in den kommenden zwei Wochen grünes Licht für die Wiederaufnahme der Impfungen mit dem Astrazeneca-Impfstoff geben, könnten erste Hausärzte in NRW wie geplant am 29. März mit den Corona-Impfungen in einer Art Pilotprojekt starten.

Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, hat die Impfungen mit dem Wirkstoff von Astrazeneca in NRW gestoppt.

Sollte die Unterbrechung länger dauern, sei es vermutlich sinnvoller, diesen Schritt zu überspringen und die Planungen für den Praxis-Impfstart in der Fläche voranzutreiben, der für den 19. April vorgesehen ist. „Bei diesem Szenario würden wir mit den angesammelten Dosen dann mehr Impfstoff zur Verfügung haben, für dessen schnelle Verimpfung die Praxen dann dringend gebraucht werden“, so Bergmann (Hier weitere Corona-News aus NRW* auf RUHR24.de lesen).

Corona: Astrazeneca-Patienten in NRW sollen sich bei Symptomen zum Arzt begeben

Gleichzeitig gibt es für Menschen, die bereits mit dem Astrazeneca-Vakzin geimpft wurden einen wichtigen Hinweis aus dem Paul-Ehrlich-Institut. Wer sich vier Tage nach der Impfung zunehmend unwohl fühlt – zum Beispiel mit starken und anhaltenden Kopfschmerzen oder punktförmigen Hautblutungen – sollte sich unverzüglich in ärztliche Behandlung begeben.

Unterdessen scheint die Europäische Arzneimittelagentur die Bevölkerung beruhigen zu wollen. Die Anzahl der „thromboembolischen Ereignisse“ bei mit Astrazeneca geimpften Personen scheint insgesamt nicht höher zu sein als in der Allgemeinbevölkerung. Am Donnerstag (18. März) beruft die EMA eine außerordentliche Sitzung ein, um über die Folgen der nun gesammelten Informationen zu beraten.

Schon vor dieser Konferenz heißt es von der EMA aber, dass sie der Ansicht sei, dass die Vorteile des Astrazeneca-Impfstoffs jenen der Nebenwirkungen* überwiegen würden. *RUHR24.de ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Federico Gambarini/dpa

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