Unwürdige Bedingungen

Schimmel, Ratten, Einsturzgefahr: NRW-Arbeitsschutz stellt schockierende Mängelliste vor

Der Arbeitsschutz hat in der Corona-Krise die Unterkünfte von Werkvertragsarbeitern in NRW untersucht. Tausende schockierende Befunde reichen von Schimmelpilz bis hin zu Rattenbefall.

NRW – Dass die Bedingungen für Arbeitnehmer in Werkvertragsfirmen der Fleischindustrie unwürdig sind, hat der Arbeitsschutz in Nordrhein-Westfalen wieder einmal bewiesen. Das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales in NRW (MAGS) stellt in einer Bilanz für das Jahr 2020 tausende schockierende Befunde dar. In der Bilanz geht es auch um die Arbeitsschutzstandards im Hinblick auf das Corona-Geschehen. (News zum Coronavirus)

LandNordrhein-Westfalen
Fläche34.098 km²
Bevölkerung17,93 Millionen (2019)
HauptstadtDüsseldorf

Schimmelpilz und Rattenbefall in Betrieben in NRW: Arbeitsschutz deckt auf

Wie das Ministerium in einer Pressemitteilung offenlegte, überprüfte der Arbeitsschutz in Nordrhein-Westfalen knapp 650 Unterkünfte von Beschäftigten von Werkvertragsfirmen der Fleischindustrie. In diesen Sammelunterkünften, Werkswohnungen oder Gemeinschaftsunterkünften stellte die Behörde „über 1.863 mittlere bis gravierende Beanstandungen wie Schimmelpilz- und Rattenbefall oder Einsturzgefahr“ fest, heißt es in dem Bericht.

Zudem kontrollierte der Arbeitsschutz in NRW 250 landwirtschaftliche Betriebe mit Unterkünften von circa 5.800 Saisonarbeitskräften. Dabei fanden sich über 170 kleine bis mittlere Mängel in Bezug auf Corona, etwa fehlende Einmalhandtücher und Desinfektionsmittel oder ein zu geringer Abstand der Betten. In drei landwirtschaftlichen Betrieben wurden gar gravierende Verstöße festgestellt, so waren Saisonarbeitnehmer zum Beispiel auf einem LKW-Anhänger untergebracht.

Corona-Verstöße in Fleischindustrie-Betrieben in Nordrhein-Westfalen

Dass die Behörde in NRW sich jenen Betrieben bei den Untersuchungen widmete, hat einen bestimmten Grund. Der Arbeitsschutz legte seine Schwerpunkte insbesondere auf Branchen und Bereiche, in denen eine besondere Gefahr für Corona-Ausbrüche besteht, was das Augenmerk auf korrekte Abstände und vorhandenes Desinfektionsmittel erklärt. Der Fleischproduzent Tönnies war tatsächlich mehrfach von Corona-Massenausbrüchen betroffen, was eng mit den schlechten Bedingungen für die Arbeiter des Konzerns zusammenhängt.

Insgesamt führten die Mitarbeiter des Arbeitsschutzes 44.162 Kontrollen zur Überwachung der Arbeitsbedingungen während der Corona-Pandemie durch. Bei einem Drittel dieser Kontrollen ging es ausschließlich darum zu überprüfen, ob die Maßnahmen des betrieblichen Corona-Infektionsschutzes korrekt umgesetzt wurden.

Corona-Verstöße in NRW-Betrieben: Karl-Josef Laumann dankt Mitarbeitern von Arbeitsschutz

Einwandfrei fällt diese Bilanz nicht aus. Stattdessen wurden in 7.678 Dienstgeschäften in NRW Mängel festgestellt. Besonders betroffen waren in puncto fehlende Corona-Maßnahmen die Bereiche Mindestabstandseinhaltung, Reinigung von Arbeitsstätten und Arbeitsmitteln sowie die arbeitsmedizinische Vorsorge.

In der Bilanz des Jahres 2021 könnten dann im Bereich des betrieblichen Corona-Infektionsschutzes ganz neue Mängel auftauchen. Schließlich sind Arbeitgeber dazu verpflichtet, ihren Mitarbeitern zwei kostenlose Corona-Tests anzubieten. Bei Verstößen können sich Mitarbeiter an den Betriebsrat oder gar die Justiz wenden.

Die Untersuchungen vom Bundesministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales sollen laut Angaben der Arbeitsschutzverwaltung dazu beitragen, die Reduktion des Infektionsgeschehens in Betrieben zu unterstützen. „Mein Dank gilt den Gewerbeaufsichtsbeamtinnen und -beamten. Mit ihrer Hilfe und ihrem unermüdlichen Einsatz für den Arbeitsschutz in den Betrieben unseres Landes ist es gelungen, klare Schwerpunkte zur Bekämpfung der betriebsbedingten Infektionsausbreitung zu setzen“, bezog NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann Stellung zu der veröffentlichten Bilanz. Zudem bedeuteten die Untersuchungen laut Laumann einen „Meilenstein für den Arbeitsschutz, der eine Verbesserung für viele tausend Menschen in Nordrhein-Westfalen“ nach sich ziehen soll.

Rubriklistenbild: © Daniel Reinhardt/dpa

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