Corona in NRW

Immunologe warnt: „Durchseuchung der Kinder mit dem Coronavirus hat begonnen“

Die Corona-Zahlen in NRW steigen. Betroffen sind vor allem junge Menschen. Ein Immunologe sagt: Die Durchseuchung der Kinder hat begonnen. Ist das gut oder schlecht?

Hamm - Nordrhein-Westfalen ist bei den Corona-Infektionszahlen bundesweit vorne. Die 7-Tage-Inzidenz liegt über 100. Vor allem in den jüngeren Altersgruppen ist sie zuletzt rasant angestiegen. In einem Interview sprach ein Immunologe jetzt von der „Durchseuchung der Kinder“. Klingt hart - aber ist es das wirklich? (News zum Coronavirus)

Das Landeszentrum Gesundheit NRW meldete am Sonntag (29. August) für die Altersgruppe 0 bis 19 einen Inzidenzwert von 277,2. Fasst man die Alterspanne noch enger, ist die Inzidenz bei den 10- bis 14-Jährigen am höchsten (364,8). Dafür gibt es wohl einen zentralen Grund: Am 18. August kehrten in NRW die Kinder und Jugendlichen zur Schule zurück. In Kombination mit Urlaubsrückkehr und eingeschleppten Corona-Infektionen sowie der Tatsache, dass der Großteil der Schüler noch nicht gegen Corona geimpft ist, war die Entwicklung laut Experten vorhersehbar.

Altersgruppe7-Tage-Inzidenz (Fälle pro 100.000 Einwohner in den letzten 7 Tagen)
0-19277,2
20-39165,3
40-59127,7
60-7994,8
80 u. älter27,7

Immunologe warnt: „Durchseuchung der Kinder mit dem Coronavirus hat begonnen“

Immunologe Professor Reinhold Förster von der Medizinischen Hochschule Hannover findet dafür harte Worte. Im Interview mit demWDR sagte er: „Man kann davon sprechen, dass die Durchseuchung der Kinder mit dem Coronavirus begonnen hat. Das sieht man ja daran, dass entsprechende Fälle gemeldet werden. Das gilt allerdings auch für die gesamte Gesellschaft, jeder wird über kurz oder lang mit dem Virus in Kontakt kommen.“

Also können wir nichts mehr tun - und lassen sich die Kinder jetzt einfach anstecken? Förster sieht das kritisch. „Epidemiologisch können wir uns eine Durchseuchung der Kinder nicht leisten. Es gibt zu viele Menschen in Deutschland, die sich nicht impfen lassen wollen“, sagte er dem WDR. Zudem würden auch infizierte Geimpfte eine große Virenmenge ausscheiden. Dies zeige eine Studie der Universität Oxford.

Hohe Corona-Zahlen in NRW: Mit Durchseuchung der Kinder keine Herdenimmunität möglich

Das bedeutet für Förster: Das Virus wird nicht verschwinden, eine Herdenimmunität ist nicht möglich. „Das ist eine dramatische Nachricht für alle, die nicht geimpft sind. Delta ist hochinfektiös und mindestens so krankmachend wie die Alpha-Variante.“ Ohne Herdenimmunität können eben auch Kinder und Jugendliche das Coronavirus weiter im Familien- und Freundeskreis verbreiten, auch wenn sie selbst selten erkranken. Bei Kindern sind die Corona-Symptome oftmals leichter und ähneln einer Erkältung.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach äußerte sich zuletzt auch immer wieder zur Entwicklung in Nordrhein-Westfalen*. Auf Twitter merkte Lauterbach zuletzt an, dass mit der hohen Inzidenz bei Kindern in NRW auch seltene Komplikationen „zu oft vorkommen“. Ihn überrasche, „dass bei der Dimension der Durchseuchung die Kinderärzte schweigen“.

Durchseuchung der Kinder: Quarantäne-Regeln in der Kritik

Ein zentrales Thema bei der Debatte über die „Durchseuchung der Kinder“ ist die Quarantäne für Schüler. In der „Aktuellen Stunde“ (WDR) sagte NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer: „Das RKI muss jetzt mal schauen: Wie kann es sein, dass wir SchülerInnen nach wie vor 14 Tage in Quarantäne schicken, während Reiserückkehrer sich nach fünf Tagen freitesten können.“ Es sei jetzt Aufgabe des Bundes, eine entsprechende Entscheidung herbeizuführen.

In Nordrhein-Westfalen sind die Quarantäne-Regeln in Schulen zum neuen Schuljahr hin schon gelockert worden. Es müssen nicht mehr ganze Klassen in Quarantäne, sondern nur noch enge Kontaktpersonen wie Sitznachbarn. - *wa.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Jens Büttner/dpa

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