Bekämpfung von Covid-19

Neue Corona-Medikamente auf dem Vormarsch - Doch es gibt Hürden bei der Behandlung

Noch in diesem Jahr könnten neue Medikamente zur Corona-Behandlung auf den Markt kommen. Experten sprechen im NRW-Landtag über die Herausforderungen.

Hamm - Mit Remdesivir und Dexamethason gibt es bereits Medikamente zur Behandlung von Corona. In diesem Kalenderjahr könnten in Europa weitere Arzneimittel auf den Markt kommen. Sofern eine Zulassung erfolgt, werden die neuen Medikamente auch in Deutschland und Nordrhein-Westfalen angewandt. (News zum Coronavirus)

LandNordrhein-Westfalen (NRW)
HauptstadtDüsseldorf
Einwohner17.925.570 (31. Dezember 2020)

Corona-Medikamente: Experten in NRW-Landtag zeigen Hürden der Behandlung auf

Sieben Produkte befinden sich laut eines Sprechers vom Verband Forschender Arzneimittelhersteller im Zulassungsverfahren. Bislang sind in der Europäischen Union erst zwei Medikamente zur Behandlung von Corona zugelassen.

Die Erfolgsaussichten in der Medikamentenforschung sind grundsätzlich überschaubar. „Mehr als 90 Prozent kommen nicht ans Ziel“, so Professor Dr. Friedemann Weber vom Institut für Virologie an der Universität Gießen am Dienstag im Rahmen einer Expertenanhörung im NRW-Landtag in Düsseldorf. Auch im Fall von Corona sei es zwar nicht schwer, antivirale Substanzen zu finden.

Neue Corona-Medikamente: Arzneimittel helfen nur in bestimmtem Stadium der Krankheit

Doch auf der Suche nach einem Corona-Medikament gibt es eine Herausforderung. Für die Forscher müssen ein Mittel finden, das nicht gleichzeitig giftig ist oder im Fall einer zellulären Reaktion die Gene der Wirtszelle, also des Patienten, ausschalten.

Ein weiteres Problem: Medikamente, die im Frühstadium von Corona - also einer leichten Infektion ohne Atemprobleme - hilfreich sind, können bei Patienten mit schwerer Lungenentzündung unwirksam oder sogar schädlich sein – und umgekehrt. „Die Medikamentenentwicklung ist hochrisikoreich“, so das Resümee von Professor Dr. Ingo B. Autenrieth, Vorstandsvorsitzender und Leitender Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Heidelberg.

Sieben neue Corona-Medikamente sind im Zulassungsprozess

Dennoch: Sieben Medikamente befinden sich im Zulassungsprozess, davon wirken vier antiviral und drei dämpfen die überschießende Immunreaktion bei Corona. „Die Europäische Arzneimittel-Agentur sagt, dass sie glaubt, die Zulassung für einige Medikamente noch dieses Jahr durchzukriegen“, berichtete Dr. Rolf Hömke, Forschungssprecher im Verband Forschender Arzneimittelhersteller.

Laut Hömke werden weltweit derzeit mehr als 600 Medikamente gegen die Erkrankung durch das Coronavirus entwickelt – viele würden schon in Kliniken an Patienten erprobt, andere befänden sich dagegen noch im Laborstadium. In Deutschland seien Unternehmen und Kliniken an mindestens 33 Projekten beteiligt. Wie ernst die Forscher das Thema nehmen, zeigt der folgende Vergleich Hömkes: Den 600 Forschungsarbeiten an Corona-Medikamenten stehen 334 für Brustkrebs und 141 für Diabetes Typ 2 gegenüber.

Corona-Medikamente: Remdesivir und Dexamethason sind schon zugelassen

Bereits zugelassen in der EU sind Remdesivir als antivirales Medikament und Dexamethason als immundämpfendes Medikament. Mit Remdesivir als intravenöse Infusion ließ sich der damalige US-Präsident Donald Trump behandeln. „Trump wurde früh behandelt, dann kann das funktionieren“, erläuterte Virologe Weber.vom Institut für Virologie an der Universität Gießen in Nordrhein-Westfalen. Wenn Corona aber einmal in den Zellen drin ist, sei dem Virus nur schwer beizukommen.

„Dexamethason hat die Todesrate verkleinert“, sagte Hömke, ohne dies allerdings anhand von Zahlen näher erläutern zu können. Durch neue Medikamente werde, so seine Hoffnung, Corona Zug um Zug besser behandelbar, aber „einen Erfolg im Handstreich wird es nicht geben“.

Statt Medikamenten gelten daher Impfungen als das Maß aller Dinge im Kampf gegen die Corona-Pandemie. Wer sich jedoch nicht impfen lassen will, braucht künftig für manche Freizüge einen PCR-Test. Zudem tritt ab dem 20. August in NRW die 3G-Regel in Kraft.

Rubriklistenbild: © Waem/Murphy/dpa

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