Corona-Debatte um Lockerungen

NRW-Chef Armin Laschet findet harte Worte: „Leben nicht nur an Inzidenzwerten abmessen“

Ungewohnt klare und auch harte Worte fand NRW-Ministerpräsident Armin Laschet jetzt in der Debatte um die Lockdown-Verlängerung. Er warnte vor einem einseitigen Fokus.

Hamm - Es gibt zwei Lager bei der Diskussion um Öffnungen nach dem Corona-Lockdown. Die Bundesregierung um Kanzlerin Angela Merkel mahnt zur Vorsicht, während manche Länder schon erste Lockerungen ins Visier nehmen. So auch Nordrhein-Westfalen. Ministerpräsident Armin Laschet äußerte sich jetzt überraschend klar und harsch in der Lockerungsdebatte. (News zum Coronavirus)

BundeslandNordrhein-Westfalen
Einwohner17,93 Millionen (2019)
HauptstadtDüsseldorf

Corona-Lockdown in NRW: Gesundheitsminister Laumann stellt Lockerungen in Aussicht

Der Lockdown wird bis zum 7. März verlängert, darauf haben sich Bund und Länder beim jüngsten Corona-Gipfel geeinigt. Zwei Ausnahmen gibt es: Die Länder können selber entscheiden, wann die Schulen wieder öffnen, und Friseure dürfen ab dem 1. März ihren Betrieb aufnehmen. In NRW hat Schulministerin Yvonne Gebauer verkündet, dass bald Grundschüler in den Präsenz- und weiterführende Schulen in den Wechselunterricht übergehen sollen.

Ebenfalls beschlossen haben Kanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten, dass die Länder ab einer „stabilen“ Inzidenz von höchstens 35 weitere Öffnungen anleiern können. Und das soll in NRW auch definitiv so geschehen, wie Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann in Aussicht stellte. „Wenn wir die 35 erreichen, wird es Öffnungen geben. Dann wird es eine ganze Menge Öffnungen geben“, sagte er im WDR mit Blick auf den Inzidenzwert.

Corona-Lockdown in NRW: Laschet findet deutliche Worte - „Leben nicht nur an Inzidenzwerten abmessen“

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet fand beim digitalen Neujahrsempfang des baden-württembergischen Landesverbands des CDU-Wirtschaftsrats am Montagabend ebenfalls deutliche Worte zum Thema Lockdown und Lockerungen. Er warnte vor einem einseitigen Fokus auf den Inzidenzwert - Corona-Aussagen, für die Armin Laschet heftige Kritik erntete.

„Man kann nicht immer neue Grenzwerte erfinden, um zu verhindern, dass Leben wieder stattfindet“, sagte er. „Wir können unser ganzes Leben nicht nur an Inzidenzwerten abmessen.“ Man müsse all die anderen Schäden etwa für die Gesellschaft und die Wirtschaft genauso im Blick haben wie die Inzidenzzahlen.

Corona-Lockdown in NRW: Laschet findet harte Worte - „wie unmündige Kinder“

Hart in die Kritik ging Armin Laschet auch mit der Bevormundung der Bürger im Kampf gegen das Coronavirus. „Populär ist glaube ich immer noch die Haltung, alles verbieten, streng sein, die Bürger behandeln wie unmündige Kinder“, so der NRW-Chef. Das trage aber nicht auf Dauer. Man müsse das Virus und seine Mutationen zwar ernst nehmen. Aber man müsse zu einer abwägenden Position zurückkommen. Kinder, die monatelang nicht in Schule oder Kita gehen, erlitten vielleicht Schaden fürs ganze Leben.

Tatsächlich deutet es sich an, dass Nordrhein-Westfalen schon erste Lockerungen anvisiert. Die bisherige Corona-Schutzverordnung wurde vom Land leicht abgeändert - und nur bis zum 21. Februar verlängert. Auf Anfrage hieß es aus dem NRW-Gesundheitsministerium: „Änderungen der Corona-Schutzverordnung werden aktuell geprüft.“ Plant NRW also bereits Lockerungen – wie von der Regierungsfraktion FDP gefordert – ab dem 22. Februar?

Rubriklistenbild: © Marcel Kusch/dpa

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