Debatte um Corona-Maßnahme

Twitter-Zoff unter Virologen: Lauterbach und Streeck zanken öffentlich um Corona-Regel

In puncto Ausgangssperren sind der Bonner Virologe Hendrik Streeck und SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach nicht einer Meinung. Ihren Corona-Streit tragen sie öffentlich aus.

NRW – Im Kampf gegen das Coronavirus scheinen Ausgangssperren das neue Mittel der Wahl* zu sein. Die Wirksamkeit der Maßnahme ist umstritten – besonders, weil sie sich kaum isoliert untersuchen lässt. Auch Experten in Deutschland diskutieren kontrovers über die Ausgangsbeschränkungen, berichtet RUHR24*.

MedizinerHendrik Streeck
Geboren7. August 1977 (Alter 43 Jahre), Göttingen
Professor fürVirologie
UniversitätRheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Corona-Streit zwischen NRW-Virologe Hendrik Streeck und Karl Lauterbach – Streitthema „Ausgangssperre“

Zwischen dem Bonner Virologen Hendrik Streeck (43) und SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (58) geht es dabei richtig zur Sache. Auslöser für den Twitter-Streit waren Aussagen des Virologen, die dieser im Videointerview mit dem DUB Unternehmer-Magazin tätigte. Hendrik Streeck warnte darin vor einem harten Lockdown mit Ausgangssperren.

Eine solche Maßnahme würde das Infektionsgeschehen nur weiter entfachen. Laut Robert Koch-Institut (RKI) würden sich aktuell vor allem sozial Schwache in beengten Wohnverhältnissen infizieren. Bei Ausgangssperren, welche die Mehrheit der Deutschen befürwortet*, könnten sich diese laut Hendrik Streeck nicht mehr Corona-konform aus dem Weg gehen.

Corona: Hendrik Streeck gegen Ausgangssperren – Verwunderung über Alarmrufe der Intensivmediziner

Stattdessen forderte der Direktor des Instituts für Virologie und HIV-Forschung an der Universität Bonn, draußen sichere Bereiche zu schaffen. Dort sollen sich die Menschen treffen können, anstatt weiter zusammengedrängt zu werden. Als Beispiele nannte der Virologe etwa gelüftete Turnhallen mit Sicherheitspersonal.

Eine Rolle könnte dabei auch die Außengastronomie spielen. Solche Lösungen, mit denen Ventile geschaffen würden, seien laut Hendrik Streeck besser als private Grauzonen, in denen die Einhaltung der Regeln nicht kontrolliert werden könne. Die deutsche Gesellschaft für Aersolforschung wies jüngst ebenfalls daraufhin, dass erfolgreiche Strategien zur Eindämmung des Coronavirus* primär in geschlossenen Räumen ansetzen.

Hendrik Streeck hält Ausgangssperren für nicht zielführend.

Im Videointerview mit dem DUB Unternehmer-Magazin äußerte Hendrik Streeck zudem Verwunderung über die Alamrufe von deutschen Intensivmedizinern*. In Frankreich, wo die Sieben-Tage-Inzidenz im Vergleich zu Deutschland deutlich höher sei, würde man relativ gelassen damit umgehen. In Deutschland führten die steigenden Inzidenzwerte hingegen zu Warnungen, als ob das Land „kurz vor der Triage“ stehe.

Corona: Karl Lauterbach kritisiert Hendrik Streeck für „Ruf nach Gelassenheit“ – der feuert zurück

Hendrik Streeck mahnte angesichts der unklaren Datenlage nach Ostern zu einer ruhigen Abwägung und einem Langzeitblick. Der Virologe geht davon aus, dass sich Coronaviren saisonal verhalten. Wenn es in den nächsten Monaten wärmer wird, rechnet er mit einem Abfall des Infektionsgeschehens. Dazu kämen Fortschritte bei den Impfungen (mehr News zum Coronavirus in NRW* auf RUHR24).

Karl Lauterbach kritisierte die Aussagen des Mediziners scharf. Auf Twitter bezeichnete er sie als erneuten „Ruf nach Gelassenheit“. Laut Karl Lauterbach würden Ausgangssperren am Abend nach „bester Analyse aller Daten“ der Oxford Universität wirken. Zudem appellierte er, „Härtetests der Intensivstationen sollte man einfach lassen“.

Karl Lauterbach kann die Bedenken von Hendrik Streeck nicht teilen.

Hendrik Streeck reagierte am Montagnachmittag (12. April) auf die Vorwürfe des SPD-Gesundheitsexperten und erhob seinerseits welche. „Karl Lauterbach würde gut daran tun, sich weniger mit Schlagzeilen-Kreation hervorzutun. Ich äußerte im Podcast Sorge über voll werdende Intensivstationen und strukturelle Probleme im Vergleich zu Frankreich. ‚Rufe nach Gelassenheit‘ ist seine Erfindung. Niemand ist gelassen“, so der Virologe auf Twitter.

Corona-Streitthema Ausgangssperre: Bundesregierung bringt „Bundes-Notbremse“ auf den Weg

Noch ist der öffentliche Streit nicht in die nächste Runde gegangen. Zumindest beim Thema „Ausgangssperren“ zeichnet sich allerdings ein Sieger ab. Denn neben Karl Lauterbach unterstützt offenbar auch das Bundeskabinett diese Maßnahme.

Denn wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) am Dienstagmorgen (13. April) meldete, bringt die Regierung die „Bundes-Notbremse“ auf den Weg. In Corona-Hotspots (Inzidenz über 100) sollen somit künftig bundesweit verbindliche Vorgaben gelten. Dazu zählen etwa geschlossene Läden und besagte Ausgangsbeschränkungen von 21 bis 5 Uhr. *RUHR24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld, Federico Gambarini/dpa; Collage: RUHR24

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