Hohe Zahlen bei jungen Leuten

Inzidenz-Spitzenreiter NRW: Corona-Zahlen so in die Höhe - die Gründe

Die Corona-Zahlen in NRW steigen ungebremst. Die Inzidenz ist fast doppelt so hoch wie im Bund. Doch warum ist das so?

Hamm - Clubs offen, Konzerte erlaubt, keine Kontaktnachverfolgung: In Nordrhein-Westfalen ist der Alltag fast wieder zur Normalität zurückgekehrt. Die Corona-Regeln erlauben mit der 3G-Pflicht wieder nahezu alles. Und die Infektionszahlen steigen - und zwar rasant. Die Inzidenz in NRW ist mit Abstand die höchste in Deutschland. Warum? (News zum Coronavirus)

BundeslandNordrhein-Westfalen (NRW)
Bevölkerung17,93 Millionen (2019)
MinisterpräsidentArmin Laschet (CDU)

Inzidenz-Spitzenreiter NRW: Warum schießen die Corona-Zahlen so in die Höhe?

In den östlichen Bundesländern liegt die 7-Tage-Inzidenz mit Stand 24. August noch unter 35, teilweise sogar unter 20. Nur Berlin ist auf der Karte des Robert Koch-Instituts (RKI) rot gefärbt. Im Norden und Süden des Landes halten sich die Werte aktuell immerhin noch unter 50, Hessen und Rheinland-Pfalz liegen knapp drüber. Und dann gibt es da noch einen dunkelroten Fleck auf der Karte: Nordrhein-Westfalen.

Das bevölkerungsreichste Bundesland verzeichnet die höchste Inzidenz in Deutschland: Am Dienstag (24.8.) lag der Wert bei 108,4 - und damit annähernd doppelt so hoch wie der Bundeswert von 58. „NRW verliert die Kontrolle“, sagte Karl Lauterbach zu der Corona-Entwicklung in Nordrhein-Westfalen.

Aber wieso steigen die Infektionszahlen in NRW im Vergleich zu den anderen Bundesländern so stark an?

Corona-Hotspot NRW: Anstieg der Infektionszahlen nach Schulstart

Zunächst einmal startete in Nordrhein-Westfalen schon das neue Schuljahr, da befanden sich viele Bundesländer noch mitten in den Sommerferien. Die Schüler kehrten in den Präsenzunterricht zurück und lassen sich seitdem zwei Mal wöchentlich auf das Coronavirus testen.

Wo mehr getestet wird, werden auch mehr Fälle entdeckt. Laut dem NRW-Gesundheitsministerium ist die 7-Tage-Inzidenz in der Altersgruppe 0-19 Jahre seit dem 18. August (Schulstart) rasant in die Höhe geschossen:

Altersgruppe7-Tage-Inzidenz (Stand 23. August)
0-19234,5
20-39142,0
40-5983,7
60-7919,1
80 u. älter17,4
NRW gesamt108,4

Es ist also naheliegend, dass die Rückkehr in die Schulen ein Grund für den Anstieg der Corona-Zahlen in NRW ist. Virologe Hendrick Streeck von der Uniklinik Bonn sieht das ebenso und sagte dem WDR: „Es steht außer Frage, dass auch in anderen Bundesländern die Inzidenzzahlen wieder hochgehen werden.“

Corona-Hotspot NRW: Reiserückkehrer bringen Virus mit

Doch selbstverständlich sind es nicht nur Kinder und Jugendliche, die die Infektionszahlen in die Höhe treiben. Auch Reiserückkehrer bringen das Coronavirus mit nach Deutschland. Dem Wochenbericht des RKI vom 19. August ist zu entnehmen, dass knapp ein Viertel der gemeldeten Fälle auf eine Infektion im Ausland - am häufigsten die Türkei - zurückzuführen ist.

Viele Urlaubsländer gelten mittlerweile als Hochrisikogebiet. So gelten jetzt etwa für Rückkehrer von den griechischen Inseln strengere Regeln, sofern diese weder geimpft noch genesen sind.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach blickt sorgenvoll auf die Entwicklung in Nordrhein-Westfalen. Er bringt einmal mehr die 2G-Regel ins Spiel. Das würde bedeuten, dass nur geimpfte oder genesene Personen etwa in die Innengastronomie dürften. Bei der 3G-Regel, wie sie bei den Corona-Regeln in NRW aktuell gültig ist, werden Ungeimpfte mit einem negativen Testnachweis den Geimpften und Genesenen gleichgestellt. 

Corona-Hotspot NRW: Laschet führt hohe Inzidenz auch auf Corona-Tests zurück

Neben den Ferieneffekten führt NRW-Ministerpräsident Armin Laschet die gestiegenen Corona-Fallzahlen auch auf Ballungsräume sowie intensives Testen zurück. „Wir sind sicher der verdichtetste Großraum in Europa“, sagte Armin Laschet (CDU) am Dienstag nach einer auswärtigen Kabinettssitzung in Berlin.

Laschet sprach von einer Mischung von verschiedenen Faktoren nach dem Ferienende in Nordrhein-Westfalen. Dazu zählte der Kanzlerkandidat der Union auch Reiserückkehrer und Einreise aus Hochrisikogebieten mit auf. Zudem betonte Laschet, dass im bevölkerungsreichsten Bundesland zudem sehr häufig auf Corona getestet werde.

Corona-Zahlen in NRW steigen - Politik will vom Inzidenzwert abrücken

Während einige Experten Alarm schlagen, will die Politik von der Inzidenz als Richtwert für Corona-Regeln abrücken. Zunächst hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) im ZDF-Morgenmagazin am Montag gesagt, die 50er-Inzidenz habe ausgedient. Das Corona-Kabinett der Bundesregierung schloss sich dem Vorschlag an. Auch NRW-Ministerpräsident Armin Laschet hatte zuvor dafür plädiert.

Auch die Zahl der Corona-Patienten steigt in Nordrhein-Westfalens Krankenhäusern weiter an. Nach einer Übersicht der Landesregierung (Datenstand 23. August) werden landesweit 221 Menschen mit einer Corona-Infektion auf den Intensivstationen behandelt. Das sind 67 mehr als vor einer Woche. Beatmet werden müssen von den 221 Intensivpatienten 152. Das sind 46 mehr als vor einer Woche.

Rubriklistenbild: © Marius Becker/dpa

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