Viele Neuinfektionen

Coronavirus: Ärzte schlagen Alarm – Intensivbetten im Ruhrgebiet werden knapp

Die dritte Welle der Corona-Pandemie sorgt erneut für viele Patienten in den Krankenhäusern in NRW. Im Ruhrgebiet werden in mehreren Städten die Intensivbetten knapp.

Dortmund – Während sich die Menschen etwa in Essen und Hamm über einige Lockerungen im öffentlichen Leben freuen dürfen, kämpfen auch dort in den Krankenhäusern Patienten um ihr Leben. Die dritte Welle der Corona-Pandemie* belastet die Intensivstationen auch in NRW erneut massiv. Mittlerweile werden auch in einigen Kommunen im Ruhrgebiet die Intensivbetten knapp.

BundeslandNordrhein-Westfalen
Einwohner17,9 Millionen (2020)
MinisterpräsidentArmin Laschet (CDU)

Coronavirus: Intensivbetten in NRW werden wegen Covid-19-Patienten knapp

Ewige Debatten statt Maßnahmen gegen die Pandemie und offensichtlich fehlende Vorsicht der Menschen haben in NRW die Inzidenzwerte wieder in die Höhe schnellen lassen. Weil über Ostern jedoch weniger Corona-Verdachtsfälle getestet und weniger Neuinfektionen gemeldet wurden, ist auf diesen Wert derzeit jedoch kaum verlass, mahnt das RKI.

Intensivmediziner warnen vor dramatischer Lage.

Die Zahl der schwerkranken Patienten in den Kliniken hingegen lügt nicht und zeigt gleichzeitig, wie es um die Pandemie bestellt ist. Und diese Daten zeigen auch: Die Lage ist sehr viel ernster, als noch vor einem Monat, am 10. März. „Die Anzahl der Patienten mit Covid-19 hat sich seit diesem Tag bis heute mehr als verdoppelt“, schlägt die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensivmedizin (DIVI) am Freitag (9. April) Alarm.

Corona: Zahl der Intensivpatienten hat sich innerhalb eines Monats verdoppelt

Denn am 10. März lagen laut dem DIVI-Intensivregister 2.727 Patienten** mit Covid-19 auf den Intensivstationen in Deutschland. Mittlerweile sind es mit rund 4.500 rund 66 Prozent mehr (Stand: 10. April). „Dabei haben wir nur zwei wirksame Mittel gegen die Pandemie: Abstand und Impfen“, sagt DIVI-Präsident Professor Gernot Marx.

Statt einer wohlverdienten Pause für Ärzte und Pfleger bedeutet das: weiter Vollgas im Kampf gegen das Virus und damit um Menschenleben. „Den großen Knall, den absoluten Notfall, den wird es in Deutschland so schnell nicht geben – weil im Hintergrund sehr viele Menschen so unheimlich hart arbeiten“, erklärt Marx. Trotzdem sei die Situation bereits jetzt „absolut kritisch“.

Corona in NRW: Intensivbetten im Ruhrgebiet werden knapp – Karte

Dass die Warnung der Intensivmediziner nicht von ungefähr kommt und das Virus nicht nur in Sachsen oder Bayern zuschlägt, zeigen die Zahlen vor unserer Haustür. Denn auch in NRW werden erneut die Intensivbetten für Erwachsene knapp, wie unsere Karte zeigt (alle News zum Coronavirus in NRW* auf RUHR24.de).

Dabei darf man nicht vergessen: Die Covid-19-Patienten machen häufig nur einen vergleichsweise kleinen Teil der Intensivpatienten aus. Doch wenn die Betten voll sind, können auch Schwerverletzte, Menschen mit Schlaganfällen oder neue Covid-19-Patienten nicht mehr angemessen behandelt werden.

Corona-Krise: Anzahl der Intensivbetten in Bochum, Herne und Gelsenkirchen wird knapp

Die aktuellen Zahlen zeigen: Auch im Ruhrgebiet sinkt die Zahl der freien Intensivbetten. Je ländlicher die Region, desto weniger Betten sind in der Regel vorhanden. Doch auch Krankenhäuser in größeren Städte wie Bochum und Gelsenkirchen merken die dritte Welle mittlerweile ganz deutlich.

So viele Betten sind in diesen Städten und Kreisen derzeit noch frei:

  • Herne: 3
  • Gelsenkirchen: 5
  • Bochum: 7
  • Kreis Unna: 8

Drei freie Betten in Herne, sieben in Bochum: Einstellige Werte sind, was die Zahl der freien Intensivbetten angeht, ein ganz schlechtes Zeichen. Keine Frage, solange in den angrenzenden Städten und Kreisen noch genügend Betten frei sind, können Patienten notfalls dorthin verlegt werden.

Optimal ist das aber sicher nicht, auch nicht fürs Pflegepersonal. Denn auch das DIVI listet rund 2.400 Notfallbetten, die in NRW innerhalb von sieben Tagen aufgestellt werden könnten. Doch mit einem Bett alleine ist es in der Intensivmedizin ja längst nicht getan.

Coronavirus: Dortmund und Essen grenzwertig, Recklinghausen und Bottrop stehen besser da

Doch nicht überall ist die Lage so dramatisch. In Essen sieht es derzeit noch etwas besser aus, wenn auch ganz sicher nicht entspannt. Denn auch dort sind bereits 90 Prozent der Intensivbetten belegt, nur 34 sind laut DIVI noch frei. In Dortmund* sieht es ähnlich aus: 89,5 Prozent belegt, noch 30 freie Betten. In Recklinghausen (82 Prozent belegt) sowie Bottrop und Mülheim (beide zu 75 Prozent belegt) ist die Lage hingegen noch nicht so dramatisch, wie anderswo. Ärzten und Pflegern verschafft das jedoch nur auf dem Papier etwas Luft.

Denn auch die Einschätzung der Behörden ist alarmierend. Laut dem Gesundheitsministerium stehen zurzeit trotz steigender Corona-Patientenzahlen in Nordrhein-Westfalen noch ausreichend freie Intensivbetten mit Beatmungstechnik zur Verfügung, berichtet hna.de*. Mit Stand Freitag seien es über 510, erklärte ein Sprecher des Ministeriums am Samstag (10. April) laut der dpa.

Es bleibe trotzdem weiterhin wichtig, wachsam zu sein: „Wir müssen darauf achten, dass die Zahlen der Infizierten nicht zu stark steigen, damit wir auch künftig ausreichend freie Kapazitäten an Intensivbetten haben“, betonte er. **Statt von 2727 Fällen hatten wir zunächst von 2227 Fällen berichtet. Das war falsch. Wir haben den Fehler korrigiert. *RUHR24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Christof Stache/AFP; Screenshot und Collage: RUHR24

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare