„Unnötig“

Corona-Impfung an Schulen in NRW: Kritik von Kinderärzten - „Aktionismus“

Schüler in NRW sollen an allen Schulformen ein Impfangebot erhalten. Das hatte Yvonne Gebauer angekündigt. Kinderärzte kritisieren die Impfmobile an Schulen.

Hamm - In Nordrhein-Westfalen hat das neue Schuljahr 2021/2022 begonnen. Seit Mittwoch gehen rund 2,5 Millionen Kinder und Jugendliche wieder täglich zur Schule - trotz steigender Corona-Zahlen im Präsenzunterricht. Für Sicherheit sollen die Masken- und Testpflicht sorgen. Die NRW-Landesregierung möchte aber auch die Impfungen unter Kindern und Jugendlichen vorantreiben. (News zum Coronavirus)

BundeslandNordrhein-Westfalen (NRW)
HautstadtDüsseldorf
Einwohner17.925.570 (31. Dezember 2020)

Corona-Impfungen an Schulen in NRW: Kritik von Kinderärzten - „Aktionismus“

Deshalb sollen die Schüler an allen Schulformen ein Impfangebot erhalten. Das hat NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) nach den Sommerferien angekündigt. Die Ständige Impfkommission (Stiko) hatte kurz zuvor die Corona-Impfung für 12- bis 17-Jährige empfohlen.

Erste Kommunen haben das angekündigte „niederschwellige Impfangebot“ bereits ins Auge gefasst. Sie wollen Impfmobile vor Schulen aufstellen. In Planung sei dies etwa in Köln und Düsseldorf. Auch in Hamm bereitet die Stadt Impfaktionen an Schulen vor*.

„Unnötig“, sagt Jakob Maske, Verbandssprecher des Bundesverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). Dem WDR sagte der Kinderarzt, dass der Druck gar nicht so groß sei, Jugendliche möglichst schnell zu impfen. „Es ist ja nicht so, dass uns die Kinder zu Hunderten sterben. Außerdem sehen wir in der Bevölkerung eine recht große Impfbereitschaft.“

Corona-Impfungen an Schulen in NRW: Kinderarzt kritisiert erhöhten Druck für Kinder

Jakob Maske hält ein Impfmobil vor der Schule einfach nicht für den richtigen Ort für eine Corona-Impfung. Die Aufklärung im Impfbus ist schwierig. „Es darf zumindest angezweifelt werden, dass die Beratungszeit auch wirklich angemessen ist“, sagte der Kinderarzt dem WDR. Auch die fehlende Einwilligung der Eltern sei ein Problem.

„In der Schule herrscht ein Gruppenzwang, der Schüler möglicherweise zur Impfung verleitet, ohne dass die Eltern davon wissen“, gibt Jakob Maske zu Bedenken. Niemand solle sich aus einem Impuls heraus impfen lassen. Impf-Angebote vor Schulen würden den Druck unnötig erhöhen. „Das sind ja schon fast Notfallmaßnahmen. Diese Eile halte ich für Aktionismus“, so der Kinderarzt.

Laut Jakob Maske spricht sich auch der BVKJ für die Corona-Impfung von Kindern und Jugendlichen aus. Aber man rate dazu, die Impfung in den Arztpraxen vornehmen zu lassen. Die Entscheidung solle gemeinsam mit den Erziehungsberechtigten getroffen werden und der Arzt auch vernünftig beurteilen können.

Mit den neuen Corona-Regeln in NRW kommt ab Freitag, 20. August, die 3G-Pflicht. Für Schüler bedeutet das: Sie müssen keinen Testnachweis vorlegen. Alle Schüler in NRW werden mit Getesteten gleichgesetzt, da sie regelmäßig an Schultestungen teilnehmen. *wa.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Swen Pförtner/dpa

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