Holpriger Start

Impftermin-Vergabe mit Frust-Faktor: NRW-Gesundheitsminister Laumann äußert sich

Die Vergabe der Corona-Impftermine klappt bei vielen Bürgern nicht ohne Probleme. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann und die Kassenärztliche Vereinigung äußern sich dazu.

NRW - Der Start der Impftermin-Vergabe für die Über-80-Jährigen war in NRW am Montag holprig. Wer sich möglichst bald gegen das Coronavirus impfen lassen will, brauchte bei der Anmeldung am Montag angesichts verschiedener technischer Probleme starke Nerven. Die Internetseite www.116117.de sowie die Telefonhotline waren wegen des großen Ansturms überlastet - und auch am Dienstag stießen viele Bürger weiterhin auf Schwierigkeiten. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hat am Dienstagnachmittag (16 Uhr) über die aktuelle Lage der Corona-Pandemie im Land und zum Start der Impftermin-Vergabe informiert. (News zum Coronavirus)

BundeslandNordrhein-Westfalen (NRW)
Bevölkerung17,93 Millionen (2019)
Ministerpräsident Armin Laschet (CDU)

Neben Karl-Josef Laumann nahmen auch Dr. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein, und der Vorstandsvorsitze der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe, Dr. Dirk Spelmeyer, Stellung. Die Kassenärztliche Vereinigung organisiert die Vergabe der Impftermine in NRW.

Impftermin-Vergabe in NRW: Die „größte Terminvermittlung“, an die Laumann sich zurückerinnert

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann ging zunächst auf die Impfungen in Altenheimen in NRW ein - bevor er auf den Start der Termin-Vergabe für die zu Hause lebenden Über-80-Jährigen zu sprechen kam. Nach einer Pause bei den Erstimpfungen in den Altenheimen wegen Biontech-Lieferschwierigkeiten rechnet Laumann nun damit, dass man mit den Erstimpfungen in den Altenheimen in der kommenden Woche fertig werde. „Ich finde, dass der Impfstart in NRW sehr wohl gelungen ist“, sagte er.

Er sprach dann mit Blick auf den Start der Impftermin-Vergabe am Montag von der „größten Terminvermittlung“, an die er sich zurückerinnern könne. Von den 1,2 Millionen Menschen über 80 Jahren, die jetzt Anspruch auf eine Impfung hätten, könnten etwa eine Million über diese Vermittlung an ihren Termin kommen. Die restlichen rund 200.000 Menschen würden über die Impfungen in Altenheimen versorgt bzw. seien bereits versorgt worden.

Impftermin-Vergabe in NRW: Laumann hat Verständnis für Frust der Bürger - Überlastung sei aber zu erwarten gewesen

Dass die Überlastung der Systeme zum Start der Impftermin-Vergabe zu „Frustrationserlebnissen“ geführt habe, dafür habe er durchaus Verständnis, so der NRW-Gesundheitsminister. „Dass es zu einem Ansturm führt, wenn man den Menschen frühzeitig einen Brief mit allen Informationen schreibt, daraus habe ich nie einen Hehl gemacht.“

Trotz aller Probleme habe man aber - Stand Dienstagnachmittag - bereits 275.000 Ersttermine vergeben - und es würden nach und nach weitere Termine freigegeben. Wie lange es dauert, die Über-80-Jährigen zu impfen, das kann sich laut Laumann jeder selbst ausrechnen. Das hänge von der Verfügbarkeit des Impfstoffs ab. „Wenn wir jede Woche 70.000 Impfdosen haben und 700.000 Menschen wollen, dann würde es 10 Wochen dauern“, lautete die Beispielrechnung. Angenommen jeder einzelne der jetzt impfberechtigten Menschen (1 Million) wolle tatsächlich geimpft werden, so werde es 14 Wochen dauern. Gleichzeitig gelte aber auch, dass die Menge des zur Verfügung stehenden Impfstoffes das Tempo bestimme. Die Organisationsstruktur in den Impfzentren sei so, dass in NRW auch mehr geimpft werden könnte.

Impftermin-Vergabe in NRW: Hotlines und Online-System überlastet - das sagt die KV

Dr. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein, bestätigte, dass es am Montag tatsächlich der Startschuss einer der größten Impf-Anmelde-Kampagnen, „die wir kennen“, war. Mindestens eine Million Menschen seien vorab eingeladen worden, einen Termin in einem der 53 Impfzentren zu bekommen.

Dass es sich nun drei Monate hinziehen werde, bis die Ü80-Gruppe durchgeimpft sei, verursache natürlich Sorge bei Betroffenen - und den Drang, zu den ersten zu gehören. Das wiederum habe zu einem enormen Telefonaufkommen bei den Hotlines geführt. Im Callcenter arbeiten nach Bergmanns Angaben 1200 Mitarbeiter. Der Ansturm sei so groß gewesen, dass zwangsläufig Wartezeiten entstanden - sechs bis sieben Minuten am Montag, fünf Minuten am Dienstag, so seine Angabe. Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein habe (Stand Dienstagnachmittag) 118.000 Menschen mit Erst- und Zweitterminen versorgt.

Impftermin-Vergabe in NRW: Mehrere Familienmitglieder kämpfen um Termin für eine Person

Dass es bei der Onlinebuchung bisher einige Probleme gegeben habe, hing Bergmanns Angaben zufolge mit der enormen Menge an Zugriffen zusammen. Zum Beispiel hätten es oftmals mehrere Mitglieder einer Familie gleichzeitig versucht, für ein und dieselbe Person einen Impftermin zu vereinbaren - auch durch solche Aktionen sei die Überlastung zustande gekommen. Insgesamt habe sich das System im Gebiet Nordrhein als „weitgehend stabil“ erwiesen. Angesichts der Zahl der bisher vereinbarten Termine gehe er davon aus, dass innerhalb der kommenden drei Tage die Terminvergabe in der Altersgruppe abgeschlossen werden könne.

Dr. Dirk Spelmeyer, Vorstandsvorsitze der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe äußerte ebenfalls Verständnis dafür, dass viele Menschen in NRW verärgert darüber seien, dass sie stundenlang am Computer oder Telefon zugebracht hätten. „Die Situation hat sich aber schon gestern in der Abendstunden entspannt“, sagte er weiter. Gleichzeitig versuchte er zu beruhigen. „Wir haben noch weitere 100.000 Termine für Westfalen-Lippe im Portfolio.“ Er appellierte an die Bürger: „Habt ein bisschen Geduld mit uns. Das ist eine so große Menge, dass das System etwas Zeit braucht.“

Impftermin-Vergabe in NRW: Laumann nennt Corona-Zahlen

Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann gab in seinem Statement auch wieder einen Überblick über die Corona-Zahlen: In NRW sind demnach 48.500 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Die Wocheninzidenz liege bei 102. Laumann zufolge sind 4429 Menschen mit Covid im Krankenhaus - davon 830 auf der Intensivstation. 662 Menschen würden derzeit beatmet. 977 Intensivbetten sind laut Laumann derzeit frei - davon 645 Beatmungsplätze.

Die Situation stelle sich demnach so dar, dass die Inzidenzzahlen sich deutlich nach unten entwickelten und zu Entspannung in den Krankenhäusern beitrügen. Stand Dienstag weise keine Kommune eine Inzidenz über 200 aus. Drei Kommunen kämpften noch mit einer Inzidenz von mehr als 150. Alle anderen liegen laut Laumann teils deutlich unter 100. „Der Lockdown, den wir haben, drückt die Zahlen in die richtige Richtung.“

Impftermin-Vergabe in NRW: Holpriger Start - Bürger haben technische Probleme

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hatte am Montag trotz der Anlaufschwierigkeiten ein positives Fazit zum Start der Impftermin-Vergabe gezogen. „Zehntausende haben heute Termine bekommen“, sagte er mit Blick auf den ersten Tag, an dem Anmeldungen möglich waren. Die SPD im Düsseldorfer Landtag nannte die Probleme hingegen „Impfchaos“ und beantragte eine Aktuelle Stunde zur Impfstrategie im Landtag. Die wurde für Mittwoch angesetzt.

Impftermin-Vergabe in NRW - und Merkels Worte zu möglicher Lockdown-Verlängerung

Bereits am Montag betonten die Organisatoren der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein sowie Westfalen-Lippe: „Niemand muss sich Sorgen um seine Impfung beziehungsweise seinen Termin machen“. Und weiter: „Jeder, der geimpft werden möchte, wird drankommen, aber eben nicht sofort. Niemand muss befürchten, zu spät zu kommen.“ Auch Laschet warb um Verständnis dafür, dass es angesichts des Ansturms auf die Internetseite und die Hotline auch mal ruckelte.

Der Start der Impftermin-Vergabe war am Montag holprig.

Die Corona-Zahlen gehen nach unten, doch Bundeskanzlerin Angela Merkel will wohl eine Lockdown-Verlängerung und verschärfte Regeln. Ihre Worte aus einer Video-Schalte lassen aufhorchen. Eine der drängendsten Fragen ist die, wann wieder Schule mit Präsenzunterricht stattfinden kann. Am Dienstagmittag äußerte sich Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP).

Rubriklistenbild: © Jessica Hill / dpa

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