Kritik an Strategie

Corona-Impfung in NRW: Laumann sieht hohe Hürden für die Impfung beim Hausarzt

Die Öffnung der Corona-Impfzentren in NRW steht bevor. Derweil rückt laut Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann die Impfung beim Hausarzt in weitere Ferne.

Düsseldorf - Es muss schneller gehen, da sind sich alle einig. Allerdings kann auch in NRW nur so schnell geimpft werden, wie Impfstoff gegen das Coronavirus verfügbar ist. Da ließ die Nachricht über erste Lieferungen des Herstellers Astrazeneca nach Nordrhein-Westfalen wieder neue Hoffnung aufkeimen. Aber durch die Altersvorgabe bei dem Vakzin gibt es auch neue Schwierigkeiten - und Kritik an der Impfstrategie wird laut. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann hat sich wenige Tage vor dem Start der Impfzentren zum hiesigen Impfplan geäußert. (News zum Coronavirus)

BundeslandNordrhein-Westfalen
Fläche34.098 km²
Bevölkerung17,93 Millionen (2019)
HauptstadtDüsseldorf

Corona-Impfung in NRW: Impfzentren öffnen am Montag

Ab dem 8. Februar sollen die Menschen in NRW erstmals in den 53 Impfzentren des Landes gegen das Coronavirus geimpft werden. In einem ersten Schritt sind die Über-80-Jährigen, die zu Hause wohnen, an der Reihe. Die mussten sich zuvor telefonisch oder online einen Termin machen. Die Vergabe der Termine für die Impfzentren in NRW war mit viel Chaos und Frust über die Bühne gegangen. Wann jemand zur Corona-Impfung kann, hängt von mehreren Faktoren ab. Ein kostenloser Impfrechner gibt die Antwort zum persönlichen Termin.

Das NRW-Gesundheitsministerium plant nach eigenen Angaben „zurzeit noch mit 560.000 Erstimpfungen in den ersten acht Wochen“. Diese Zahl könne aber steigen, wenn mehr Impfstoff zur Verfügung stehe, sagte ein Sprecher am Donnerstag. Mit Stand 4. Februar, 0 Uhr, haben dem Ministerium bislang 639.475 Personen ihre Impftermine erhalten. Die beiden Kassenärztlichen Vereinigungen haben 1.278.950 Termine vergeben können (Erst- und Zweitimpfung).

Zum Start in den Impfzentren sollen am Montag (8. Februar) rund 11.400 Menschen in NRW geimpft werden, das teilte die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Nordrhein mit.

Corona-Impfung in NRW: Kein Biontech-/Moderna-Impfstoff mehr für unter 65-Jährige?

Dass der Corona-Impfstoff von Astrazeneca ebenfalls in der nächsten Woche in NRW ankommen soll, hat durchaus Auswirkungen auf den Impfplan des Landes, machte Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann am Donnerstag im Gesundheitsausschuss deutlich. Das Vakzin ist in Deutschland nur für unter 65-Jährige empfohlen und wird somit in den nächsten Wochen nicht für die Über-80-Jährigen genutzt werden können.

Laumann geht davon aus, dass die Impfstoffe von Biontech und Moderna demnächst nicht mehr für Personen unter 65 Jahre in Deutschland verimpft werden dürfen. Sie sollen wegen der Altersvorgabe bei Astrazeneca ausschließlich diesen Impfstoff erhalten, der in seiner Handhabung als einfacher gilt.

Das betrifft nach dem Plan des NRW-Gesundheitsministeriums das Personal ambulanter Pflegedienste und von Tagespflegeeinrichtungen, Beschäftigte und ehrenamtlich Tätige in Hospizen sowie Rettungsdienstpersonal. Sie gelten als Gruppe 1 der priorisierten Personen bei den Corona-Impfungen.

Corona-Impfung in NRW: Laumann sieht hohe Hürden fürs Impfen beim Hausarzt

Auch rückt durch die Altersvorgabe beim Astrazeneca-Impfstoff Impfen älterer Menschen vom Hausarzt in weitere Ferne. SPD und Grüne hatten dies vor der Sitzung am Donnerstag angeregt und gleichzeitig Kritik an der Impfstrategie in NRW geübt.

Laut Laumann bedarf es für den tief zu kühlenden Biontech-Impfstoff ein sehr ausgeklügeltes und sicheres System bis hin zum eigentlichen Spritzen. „Das ist nicht einfach“, sagte er im Gesundheitsausschuss. Demnach ist aktuell weder der Corona-Impfstoff von Biontech noch der von Astrazeneca für das Impfen beim Hausarzt geeignet. Vom Hersteller Moderna kommen laut Gesundheitsministerium relativ geringe Mengen.

Mit der Kassenärztlichen Vereinigung werde an der Frage des Impfens im häuslichen Umfeld gearbeitet, so Laumann. Voraussichtlich werde das in der Tagespflege und Wohngemeinschaften am ehesten gelingen, wo mehrere Menschen gleichzeitig an einem Ort geimpft werden könnten.

Corona-Impfung in NRW: Kritik an der Impfstrategie - „Impfzentren zum Teil irre weit weg“

Die Grünen forderten im Vorfeld des Gesundheitsausschusses von der nordrhein-westfälischen Landesregierung Lösungen, wie nicht mobile Menschen außerhalb der Impfzentren gegen Corona geimpft werden können. „Die Impfzentren sind zum Teil irre weit weg von den Leuten“, sagte der gesundheitspolitische Sprecher der Grünen-Fraktion im Landtag, Mehrdad Mostofizadeh, vor einer Sitzung am Donnerstag (4.2.). Tatsächlich haben sich bereits viele Senioren geäußert, die nicht wissen, wie sie zu ihrem Impfzentrum kommen sollen, schreibt come-on.de*

Die Idee: Impfbusse oder Impfungen durch Hausärzte. So sieht es auch die SPD im Landtag. Sie brachten Zweigstellen und mobile Impfteams ins Gespräch. *come-on.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/David Inderlied

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