Höheres Impf-Tempo

Corona-Impfung beim Hausarzt doch erst Mitte April - Mindestmenge an Impfstoff nötig

Impfen in NRW soll noch in diesem Monat schneller werden. Durch die Corona-Impfung vom Hausarzt ist dann auch ein Termin im Impfzentrum unnötig.

Update vom 10. März, 20.01 Uhr:  Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern peilen den Start von Corona-Impfungen in den Arztpraxen spätestens für Mitte April an. Ziel sei frühestmöglich, jedoch spätestens in der Woche vom 19. April damit zu starten, beschlossen die Minister nach Beratungen am Mittwoch. Dafür brauche es aber auch eine gewisse wöchentliche Mindestmenge an Impfstoff, hieß es im Bundesgesundheitsministerium. Um dem Wunsch der Länder entsprechen zu können, ihre Impfzentren wie bisher auszulasten, könnten die Praxen wohl erst Mitte April starten.

LandNordrhein-Westfalen
HauptstadtDüsseldorf
Einwohner17.947.221 (Stand: 31. Dezember 2019)
MinisterpräsidentArmin Laschet (CDU)

Die Empfehlung der Fachminister soll nun Basis für Entscheidungen von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsidenten der Länder sein, wie Regierungssprecher Steffen Seibert angekündigt hatte. Dies solle „zeitnah“ noch vor der nächsten Bund-Länder-Runde zum weiteren Corona-Vorgehen am 22. März geschehen. Die Gesundheitsminister hatten die Einbeziehung der Praxen zunächst für Anfang April angedacht.

Corona-Impfung bald vom Hausarzt: Astrazeneca und Johnson&Johnson mit zwei großen Vorteilen

[Erstmeldung vom 9. März, 13 Uhr] Hamm - Die Corona-Impfstoffe von Astrazeneca und Johnson&Johnson haben zwei große Vorteile: Sie müssen nicht so aufwändig gekühlt werden wie die Impfungen von Biontech/Pfizer und Moderna. Und es gibt mehr davon. In NRW soll deswegen bald das Impf-Tempo ordentlich anziehen - dabei spielen die Hausärzte eine entscheidende Rolle. (News zum Coronavirus)

Corona-Impfung bald vom Hausarzt: Astrazeneca und Johnson&Johnson machen es möglich

Bereits bei der Identifikation der Impf-Berechtigten setzt das Land Nordrhein-Westfalen auf die Arztpraxen. Ab Anfang April sollen dann die Hausärzte auch noch selbst impfen können. An der Vorgehensweise gibt es allerdings scharfe Kritik von einem Impfarzt aus NRW.

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann erklärte in seiner Darlegung der Impf-Reihenfolge, dass ab Ende März Menschen mit Vorerkrankungen ein Impf-Angebot erhalten sollen. Um überhaupt herauszufinden, wer zu dieser Gruppe zählt, ist die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen auf die Hausärzte und Arztpraxen angewiesen. Diese sollen die Betroffenen identifizieren und ihnen einen Impf-Termin vermitteln.

Und nicht nur bei der Einschätzung, wer besonders durch eine Corona-Infektion gefährdet ist, setzt das Gesundheitsministerium auf die Ärzte in NRW. Sie sollen bald selbst Corona-Impfungen verteilen können.

Ab April sollen Corona-Impfungen beim Hausarzt möglich sein

Noch im März soll das Impf-Tempo in Deutschland deutlich gesteigert werden. Ab Anfang April können dann auch die Arztpraxen gegen Corona impfen. Auf den Impfstart durch die niedergelassenen Ärzte einigten sich die Fachminister von Bund und Ländern am Montag in der Gesundheitsministerkonferenz. Damit könne man auf 75.000 Praxen von Hausärzten und Fachärzten zurückgreifen.

Dann soll auch ausreichend Corona-Impfstoff vorhanden sein: Nach Angaben von EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen sollen die EU-Staaten ab April jeden Monat 100 Millionen Impfdosen bekommen. Wenn diese dann auch von den Haus- und Fachärzten verteilt werden können, wird es wohl schneller und auch kostengünstiger gehen, als wenn Corona-Impfungen nur in den Impfzentren möglich sind.

In Deutschland und NRW sollen die Impfdosen über den Großhandel und die Apotheken in die Arztpraxen kommen. Der bürokratische Aufwand für die Praxen solle auf ein Minimum reduziert werden, hieß es. Die Impfzentren sollen vorerst bestehen bleiben. Vereinbarte Termine dort sollen erhalten bleiben.

Impfreihenfolge soll sich nicht ändern - viel Hoffnung auf Johnson&Johnson

An der Impf-Reihenfolge ändere der neue Plan zunächst nichts - danach sollen Ärztinnen und Ärzte selbst entscheiden, wer auf Basis der Empfehlungen die Impfung zuerst erhält. Der Chef der Ständigen Impfkommission, Thomas Mertens, hatte in einem Interview gesagt, es habe gute Argumente gegeben, die Praxen erst bei genug Impfstoff einzubeziehen. So könnte sich mancher Arzt gegenüber „seinen Patienten“ mit der korrekten Impf-Reihenfolge schwertun.

In der Europäischen Union sind bisher die Impfstoffe von Biontech/Pfizer, Moderna und Astrazeneca zugelassen. Am 11. März wird die europäische Arzneimittelbehörde EMA voraussichtlich auch die Zulassung des Impfstoffes des US-Herstellers Johnson&Johnson empfehlen.

Johnson&Johnson hat wie Astrazeneca eine geringere Wirksamkeit gegen das Coronavirus - jedoch ist der Impfstoff ebenfalls bei schweren Verläufen deutlich effektiver. Insgesamt zeichnen sich die Corona-Impfstoffe durch wenige Nebenwirkungen und eine sehr hohe Wirksamkeit (etwa im Vergleich mit der Grippe-Schutzimpfung) aus. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann betonte, dass der Impfstoff von Johnson&Johnson zudem nur einmal verimpft werden muss. Damit wäre er sehr praktisch.

Johnson & Johnson ist seit Samstag, 27. Februar, in den USA zugelassen. Das Präparat muss nicht tiefgefroren werden und könnte damit leichter verteilt werden. Auch der Impfstoff von Astrazeneca muss nur normal gekühlt werden. Damit wäre eine Lagerung leichter - auch für Hausärzte.

Bis zum 1. August könnte die Bevölkerung gegen Corona durchgeimpft sein

Noch immer kostet die Beschaffung von ausreichend Corona-Impfungen Geduld. Die EU wartet auf Lieferungen. Ursula von der Leyen sagte am Montag der Wirtschaftswoche, dass Astrazeneca „im Zeitraum von Dezember bis März der EU weniger als zehn Prozent der bestellten Menge geliefert“ habe.

Rechnerisch bekommt Deutschland knapp ein Fünftel der EU-Impfdosen, künftig ist also mit fast 20 Millionen Dosen im Monat zu rechnen. Laut der Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) könnten damit fünf Millionen Impfungen in der Woche verabreicht werden - wenn die Hausärzte und Fachärzte in 50.000 Arztpraxen mitmachen. Dann wäre die Bevölkerung in Deutschland am 1. August vollständig durchgeimpft. - mit dpa-Material.

Rubriklistenbild: © Jessica Hill/dpa

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