COVID-19-Impfung in den Arztpraxen

NRW-Hausärzte: Änderung soll Impf-Tempo ankurbeln – doch es gibt ein Problem

Die Impfungen gegen Corona in Hausarztpraxen in NRW nehmen so langsam Fahrt auf. Jetzt soll eine Änderung das Tempo weiter beschleunigen. Doch es kommen dennoch Probleme auf.

Dortmund – Die Impfungen in den Hausarztpraxen in NRW scheinen der Gamechanger im Kampf gegen das Coronavirus* zu sein. Wurden für die erste Million Erstgeimpfte in Nordrhein-Westfalen noch zwei Monate gebraucht, war es bei der zweiten Million noch ein Monat – bei der dritten Million weniger als zwei Wochen. Jetzt soll eine Änderung im Verfahren das Impf-Tempo bei Hausärzten weiter beschleunigen – RUHR24* erklärt wie.

7-Tages-Inzidenz NRW164,5 (Stand 17. April)
Aktuell Infizierte60.200
Bislang Verstorbene14.855

Corona-Impfungen in NRW: Hausärzte ändern Verfahren – mehr Tempo erwartet

Seit dem 6. April werden die Hausärzte in NRW jede Woche von Apotheken mit den Covid-19-Impfstoffen beliefert. Die Liefermengen waren bislang aber gering.

Doch es gibt Hoffnung: „Wir sind aber sehr zuversichtlich, dass sich dies in den nächsten zwei bis drei Wochen deutlich zum Positiven hin verändern wird“, heißt es etwa von der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) derzeit.

Die Vertretung der Kassenärzte in Westfalen-Lippe erwartet für die kommenden Wochen deutlich mehr Impfstoffdosen für die Hausärzte. Schon in dieser Woche gab es einen Impf-Rekord in Deutschland: Am Donnerstag (15. April) wurden rund 739.000 Impfungen gegen Corona gemeldet.

Impfungen gegen Corona in NRW: Hausärzte können jetzt „impfstoffspezifisch“ bestellen

Zudem gibt es bei den Hausärzten ab sofort eine Änderung bei der Bestellung der Corona-Impfungen. Sie können nun „impfstoffspezifisch“ bestellen, also genau angeben, wie viele Dosen sie von welchem Impfstoff benötigen. So können niedergelassene Ärzte ihren Bedarf passgenau bestellen.

Erstmals sollen diese passgenauen Lieferungen vom 26. April bis zum 2. Mai eintreffen. Der Bund stellt dafür zunächst aber nur Vakzine von Biontech/Pfizer zur Verfügung.

Zunächst kein Astrazeneca-Impfstoff für Hausärzte in NRW

Astrazeneca – wie ursprünglich erstmals für die Woche ab dem 19. April geplant – soll es zunächst nicht für die Hausärzte geben, gab die Kassenärztliche Bundesvereinigung am Freitag (17. April) unter Berufung auf das Bundesgesundheitsministerium kurzfristig bekannt.

Den Grund dafür nannte die Bundesvereinigung zunächst nicht. Es hatte zuvor aber vonseiten der Hausärzte Kritik daran gegeben, dass ihr Anteil am Biontech-Impfstoff durch die Lieferung des Vakzins von Astrazeneca hätte reduziert werden sollen. Dadurch wären Patienten unter 60 Jahren weitgehend von der Impfung in der Hausarztpraxis ausgeschlossen gewesen.

Aufgrund des aktuellen Astrazeneca-Ausfalls für Hausärzte stelle der Bund nun allerdings mehr Biontech-Impfdosen zur Verfügung: zwei Millionen statt der zunächst geplanten 1,5 Millionen pro Woche. Pro Arzt gibt es dann maximal 24 bis 48 Impfstoffdosen von Biontech für eine Woche. Also deutlich mehr, als noch in der Woche zuvor, in der es 18 bis 30 Biontech-Impfstoffdosen pro Hausarzt waren.

Astrazeneca-Impfstoff in NRW unbeliebt – Hausärzte verweigern Impfung

Über den Impfstoff von Astrazeneca hatten Hausärzte zuvor geklagt, er sei bei vielen Patienten aufgrund der auch in NRW bekannt gewordenen, aber sehr seltenen Nebenwirkungen* unbeliebt. Erste Ärzte weigerten sich deshalb, Astrazenca-Impfungen vorzunehmen.

Gegenüber dem WDR gab eine Hausarztpraxis aus Köln etwa an, nur schwer Termine für eine Impfung mit dem Astrazeneca-Impfstoff vergeben zu können. Dabei sei die Nachfrage nach Corona-Impfungen riesig.

Hausärzte in NRW beklagen unzuverlässige Lieferung der Corona-Impfstoffe

Außerdem gibt es bei Hausärzten Unmut über die Zuverlässigkeit der Impfstoff-Lieferungen. Ob man die bestellte Menge erhalte, erfahre man immer erst sehr kurzfristig (hier weitere Corona-News aus NRW* bei RUHR24 lesen).

Der von Johnson & Johnson entwickelte Corona-Impfstoff wäre nach jenen von Biontech, Moderna und Astrazeneca das vierte Vakzin in der EU.

Hoffnung auf eine weitere Beschleunigung der Impf-Kampagne gibt es indes aufgrund einer Ankündigung der Firma Biontech. Sie wolle Deutschland laut Informationen des Spiegels vom 26. April an wöchentlich 3,4 Millionen Impfdosen ausliefern. Das sind rund 900.000 mehr als bisher vorgesehen. 

Ab Ende Mai könnten Corona-Impfungen in Deutschland stark steigen

Von Ende Mai an könnte dann die Zahl der Dosen noch einmal stark steigen: So sollen bis Ende Juli in fünf Chargen jeweils mehr als fünf Millionen Dosen ausgeliefert werden. Möglich gemacht haben sollen das die Verhandlungen der EU mit Biontech.

Damit könnte NRW Lieferengpässe durch den Wegfall der Impfstoffe von Astrazeneca (unbeliebt) und Johnson & Johnson (Stopp der EU-Markteinführung wegen seltener Nebenwirkungen)* auffangen.

Aktuell (Stand 17. April) wurden in NRW laut Robert Koch-Institut 19,7 Prozent der Bevölkerung erstgeimpft, 6,3 Prozent haben bereits beide Impfungen erhalten und gelten damit als vollständig gegen Corona geimpft. *RUHR24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Marcel Kusch/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare