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Die Corona-Krise und ihre Folgen: Das sind die Gewinner der Pandemie

Die Folgen der Corona-Pandemie haben Unternehmer, Gastronomen und Einzelhändler an den Rand ihrer Existenzgrundlage gebracht. Doch es gibt auch Gewinner der Krise.

Hamm – „Es sind ganz unterschiedliche Branchen, die durch die Covid-19-Pandemie partizipieren“, sagt Prof. Dr. Thomas Heiland. Er lehrt an der Hochschule Hamm-Lippstadt, seine Schwerpunkte sind die Betriebswirtschaftslehre und Marketing. „Da fällt mir zunächst vor allem die Lebensmittel-Branche ein, die Hersteller von technischen Produkten und auch der Pharma- und Medizinbereich“, sagt Heiland. Und der Blick auf die Zahlen bestätigt seinen Eindruck zu den Profiteuren in der Zeit des Coronavirus. (News zum Coronavirus)

Die weltweit größten UnternehmenBrancheHerkunftsland / Sitz
WalmartEinzelhandelUSA
SinopecÖl und GasChina
State GridVersorgerChina
China National PetroleumÖl Und GasChina
Royal Dutch ShellÖl und GasNiederlande / Großbritannien

Gewinner der Corona-Krise: Lidl und Co. profitieren - auch im Lockdown

Supermarktketten und Discounter, die sich nach der Erhöhung der Mehrwertsteuer wohl eine erneute Preis-Schlacht liefern werden, machen zum Beispiel seit Monaten Rekordumsätze. Allein Dieter Schwarz, Eigentümer von Lidl, soll in diesem Jahr 300 Millionen Euro reicher geworden sein. Bei allen Einschränkungen blieben Supermärkte praktisch außen vor, sie hatten zu keiner Zeit schließen müssen und sind auch nicht von den aktuellen Corona-Regeln und -Verboten betroffen. In einigen Regionen wurde gar erlaubt, die Lebensmittelgeschäfte auch dauerhaft sonntags zu öffnen, um ein Gedränge unter der Woche und am Samstag zu vermeiden.

Maske tragen, Abstand halten, das mag das Einkaufsvergnügen beim Bummel durch die Innenstadt trüben. Die Dinge des täglichen Bedarfs aber werden immer gebraucht – und immer gekauft.

Die kleinen und großen, die schönen Sachen, die darüber hinausgehen, die kommen seit März bei vielen per Post. Heiland: „Die Paketdienste sind die besten Performer. Dort wurde sehr schnell ein richtig guter Job gemacht.“ Was er meint: Die Infrastruktur war bei diesen Unternehmen vorhanden, sie musste „nur“ ausgebaut werden.

Wer in den Anfängen der Pandemie erst eine komplette Produktion neu aufbauen musste, der hatte das Nachsehen. Firmen mit konventioneller Struktur kamen da nicht hinterher. Profitiert haben Online-Händler wie Amazon oder Zalando. Allein Amazon steigerte seinen Umsatz im dritten Quartal 2020 um 37,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der Gewinn verdreifachte sich auf sagenhafte 6,3 Milliarden Euro.

Neuer Lockdown in der Corona-Krise: Gut für die Paketdienste

Das Weihnachtsgeschäft ist hier natürlich noch nicht mal mit eingerechnet, geschweige denn der neuerlich, abrupt beschlossene Lockdown. Aber nicht nur die Einschränkungen spielten den Gewinnern der Krise das ganze Jahr über in die Karten. Es war auch die vielerorts ständig präsente Unsicherheit.

Viele Menschen zogen sich lieber zurück, ließen andere die „Botengänge“ übernehmen. „Flaschenpost“ zum Beispiel, ein innovativer Getränkelieferant. Das Startup wurde erst kürzlich für 1 Milliarde Euro an Dr. Oetker verkauft. Was für ein Jahr! Auch der Lieferdienst „Lieferando“ profitierte das ganze Jahr über, sowohl vom Lockdown als auch vom „Lockdown light“. In beiden Phasen musste die Gastronomie schließen. Lust auf Pizza hatten die Leute trotzdem.

Corona: Biontech und andere Medizinunternehmen weit vorn

Nahezu selbstverständlich stehen Produzenten von medizinischem Material oder Medizintechnik gut da. Biontech ist als Impfstoffentwickler in aller Munde, es folgen aber viele mehr. Die Firma „Drägerwerk“ zum Beispiel hat unter anderem mit der Produktion von Beatmungsgeräten hohe Gewinne gemacht.

Der Blick zurück in den Frühling zeigt uns zudem, dass Baumärkte einen wohl nie dagewesenen Ansturm erlebten. Viele Leute hatten Zeit, Geld – und einen Garten, der eine Schönheitskur gebrauchen konnte. Der börsennotierte Baumarktkonzern Hornbach meldete für das zweite Quartal einen Umsatzanstieg von 20 Prozent. Planschbecken und Pools waren zum Teil ausverkauft. Wer einen Fleck Grün vor dem Haus hat, der wollte ihn auch nutzen.

Wer in diesem Jahr lieber drinnen blieb, der streamte Serien und Filme, spielte an der Konsole. Die letzten Quartalszahlen zeigen, dass Facebook, Apple, Netflix und Alphabet (dahinter steckt Google) ein besonders gutes Jahr hinter sich haben.

Dr. Thomas Heiland (Mitte) ist Experte auf dem Gebiet der Betriebswirtschaftslehre.

Wer profitierte noch? „Produzenten von Videokonferenz-Tools“, sagt Thomas Heiland, „und – was ich etwas überraschend finde – Anbieter von Online-Apotheken.“ Hier zeige sich, wie ein verändertes Nutzerverhalten plötzlich hohe Gewinne bringt. Auch hier spiegelt sich die Verunsicherung der Leute in den Bilanzzahlen wider.

Doch das allein ist es natürlich nicht, was den Erfolg einer Firma ausmacht. Das wäre zu einfach. Heiland sagt: „Wer gleich zu Beginn der Pandemie den Mut hatte und sich trotz der ungewissen Lage traute, richtig zu investieren, der wurde meist belohnt.“ Aus seiner Sicht würden Kunden auch noch lange nach der Krise im Gedächtnis behalten, wer sich in den schwierigsten Zeiten bemüht hatte, wer einen Plan hatte. „Und das macht für mich einen richtigen Unternehmer aus. Der nämlich, der nicht verzagt und die Situation einfach hinnimmt, sondern der, der nach vorne geht und etwas macht. Gerade in Krisenzeiten zeigen sich Unternehmer.“

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa | Sina Schuldt

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