Kein Sitzenbleiben

Schule in NRW in Corona-Zeiten: Erste Schüler sind zurück in den Klassen

Nach sechs Wochen Corona-Zwangspause sind am Donnerstag erste Schüler zurück in den Klassen. Das Bild zeigt Abiturienten in Dresden, die bereits seit Wochenbeginn wieder unterrichtet werden. 
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Nach sechs Wochen Corona-Zwangspause sind am Donnerstag erste Schüler zurück in den Klassen. Das Bild zeigt Abiturienten in Dresden, die bereits seit Wochenbeginn wieder unterrichtet werden. 

Schulen in NRW haben am Donnerstagmorgen für einige Schüler wieder geöffnet. Klassischen Unterricht nach Stundenplan wird es absehbar nicht geben. 

  • Das Land NRW will den Stillstand des Schulsystems durch das Coronavirus* aufbrechen.
  • Am 23. April haben die weiterführenden Schulen für die Abschlussjahrgänge wieder geöffnet.
  • Ab dem 4. Mai sollen dann die Viertklässler in die Grundschulen zurückkehren.

Düsseldorf - Schule teilweise ohne Pflicht, ohne Sitzenbleiben, aber auch ohne sichere Hygienestandards in der Corona-Krise - so sieht es jedenfalls die Opposition in Nordrhein-Westfalen. 

Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) erklärte im Düsseldorfer Landtag, mit welchen schulrechtlichen Änderungen NRW die Rückkehr in einen neuen Schulalltag meistern will. Hier die Fakten:

+++ Schule in NRW in Coronavirus-Zeiten - hier geht's zum News-Ticker +++

+++ Hier geht es zum News-Ticker aus NRW zum Thema Coronavirus +++

SCHULÖFFNUNG:

Von Montag bis Mittwoch (20. bis 22. April) waren die weiterführenden Schulen in NRW zunächst nur für Lehrkräfte, weiteres Personal sowie Schulträger geöffnet. Sie sollten in drei Tagen die organisatorischen Bedingungen für die Wiederaufnahme des Schulbetriebs schaffen.

PRÜFLINGE:

Am Donnerstag, 23. April, hat der Unterricht für diejenigen Schüler wieder begonnen, die vor Abschlussprüfungen stehen. Betroffen sind 148.000 angehende Abiturienten sowie Schüler, die vor mittleren Abschlüssen in den Jahrgangsstufen 10, 12 und 13 stehen.

Mathias Richter, Staatssekretär im NRW-Schulministerium hat in der 15. Schulmail zum Umgang mit dem Corona-Virus an Schulen "nochmals konkret und klarstellend über verpflichtende und freiwillige schulische Veranstaltungen für unterschiedliche Schülergruppen" informiert.

Dabei geht es um die Frage, welche Schülerinnen und Schüler ab Donnerstag, 23. April freiwillig in ihre weiterführende Schule zurückkehren dürfen und welche es wiederum sogar verpflichtend müssen.

+++ Hier finden Sie die Schulmail mit allen Details im Wortlaut +++

Verpflichtend ist die Teilnahme am Unterricht ab Donnerstag

  • für Schülerinnen und Schüler an Berufskollegs mit bevorstehenden Terminen für dezentrale Abschlussprüfungen, für den schriftlichen Teil von Berufsabschlussprüfungen der Kammern und zuständigen Stellen sowie für Schülerinnen und Schüler in Bildungsgängen der Ausbildungsvorbereitung und der einjährigen Bildungsgänge der Berufsfachschule Anlage B
  • für die Schülerinnen und Schüler weiterführender allgemeinbildender Schulen mit bevorstehenden Terminen zum Erwerb des Hauptschulabschlusses nach Klasse 10 oder des Mittleren Schulabschlusses
  • und für Schülerinnen und Schüler an allen Förderschulen mit Abschlussklassen

Freiwillig ist der Teilnahme am Unterricht ab Donnerstag 

  • ausschließlich für knapp 90.000 Abiturienten. Ihnen ist die Teilnahme an Lernangeboten in den jeweiligen Prüfungsfächern zur Vorbereitung auf die Abiturprüfungen freigestellt, weil die Schülerinnen und Schüler den curricularen Unterricht in der Q2 nahezu vollständig erhalten hätten. Das Angebot einer freiwilligen schulischen Unterstützung bei der Prüfungsvorbereitung solle den aktuellen Umständen Rechnung tragen und sei daher eine Option, keine Pflicht.

LEHRER:

Lehrkräfte mit gesundheitlichen Gefährdungen sind vom Präsenzunterricht ausgeschlossen. Über 60-Jährige kämen dafür grundsätzlich nicht in Betracht, sagte Ministerin Yvonne Gebauer. Allerdings können sie freiwillig tätig werden. Die Landesregierung rechnet damit, dass zwischen 65 und 90 Prozent der Lehrer an den wieder öffnenden Schulen zur Verfügung stehen. Je nach Standort variierten die Quoten etwas, sagte Staatssekretär Richter.

KLASSENRÄUME:

In den Klassenräumen müssen feste Sitzplätze namentlich vergeben werden, um Infektionsketten nachverfolgen zu können.

BEFREIUNGEN:

Schüler, die selbst zur Risikogruppe zählten, können sich durch eine schriftliche Mitteilung ihrer Eltern an die Schule vom Präsenzunterricht befreien lassen, erklärte Ministerin Yvonne Gebauer. Allerdings müssten sie unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen dennoch an Prüfungen teilnehmen.

BUSFAHRTEN:

Das Land NRW , die kommunalen Spitzenverbände und die Branchenverbände Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) und Verband Nordrhein-Westfälischer Omnibusunternehmen (NWO) haben diese Hinweise und Verhaltensregeln für einen besseren Infektionsschutz im Schülerverkehr erarbeitet, der ja am Donnerstag wieder anläuft.

ABI OHNE PRÜFUNG:

"Für den absoluten Notfall" werde NRW auch schulrechtliche Vorkehrungen für ein Abitur 2020 ohne Abschlussprüfungen treffen, sagte Gebauer. Ein Durchschnittsabitur unter Berücksichtigung der Vornoten liefere aber keine vergleichbare Sicherheit bei der Anerkennung und verschaffe Nachteile gegenüber einem regulär erreichten Abitur in anderen Bundesländern. 

KLASSE 10:

Auf die zentrale Prüfung nach der zehnten Klasse (ZP 10) wird in diesem Jahr in NRW an Haupt-, Real-, Sekundar- und Gesamtschulen verzichtet. Stattdessen sollen die Lehrkräfte der Schulen eine Klassenarbeit schreiben lassen, die stärker auf den tatsächlich erteilten Unterricht Bezug nimmt.

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP)

Die Fristen können verschoben werden. Auch auf das sonst übliche Abschlussverfahren mit Vornoten und Abweichungsprüfungen wird ausnahmsweise verzichtet.

GRUNDSCHULEN:

Grundschulen sollen ab dem 4. Mai schrittweise wieder den Unterricht aufnehmen, falls die Entwicklung der Infektionszahlen das zulässt - zunächst nur mit den Viertklässlern. Das Notbetreuungsprogramm für die Klassen eins bis sechs werde aufrecht erhalten und gegebenenfalls um weitere Bedarfsgruppen erweitert, sagte Gebauer.

Derzeit werde die Notbetreuung nur für etwa ein Prozent der Schülerschaft in Anspruch genommen, sagte Staatssekretär Richter.

WEITERE JAHRGÄNGE:

Am 30. April wollen die Ministerpräsidenten mit der Bundeskanzlerin beraten, ob und wann der Unterricht schrittweise auf weitere Klassen ausgedehnt werden kann.

SITZENBLEIBEN:

Im laufenden Schuljahr sollen Schüler grundsätzlich in die nächst höhere Jahrgangsstufe versetzt werden.

ERPROBUNGSSTUFE:

Auch nach Ende der Erprobungsstufe nach Klasse 6 soll niemand in eine andere Schulform wechseln müssen. Eltern sollen allerdings die Möglichkeit haben, ihr Kind freiwillig eine Ehrenrunde drehen zu lassen. "Eine solche freiwillige Wiederholung soll dann aber nicht als Sitzenbleiben gewertet werden", so Gebauer.

BEWERTUNGEN:

Gute Leistungen aus der Zeit des Unterrichts auf Distanz können in die Noten für "Sonstige Mitarbeit" einfließen, schlechte werden nicht in die Zeugnisnote einbezogen.

KRISEN-MANAGEMENT:

"Es wird Schülerinnen und Schüler geben, die Erfahrungen von Isolation, innerfamiliären Konflikten oder auch Gewalt mit in die Schule bringen", sagte Gebauer. Schulgemeinschaften hätten auch den Tod von Lehrkräften oder Familienangehörigen zu verkraften.

Daher werde es für die Schulen Angebote geben - etwa Beispielplanungen für den ersten Schultag, einen Leitfaden, Videoclips mit Ratschlägen von Schulpsychologen sowie "Tipps, um sicher, stark und gesund durchs Abitur zu kommen". Derzeit sind nach Angaben der Ministerin 364 Schulpsychologen in NRW im Dienst.

HEINSBERG:

In den sieben Gymnasien und vier Gesamtschulen des anfangs am stärksten vom Coronavirus betroffenen Kreises Heinsberg fehle den Schülern besonders viel Unterricht, stellte die Ministerin fest.

Hier seien die Schulen bereits unmittelbar nach Karneval geschlossen worden - knapp drei Wochen vor der landesweiten Maßnahme. Deshalb solle es hier "individuelle Lösungen" geben mit späteren Fristen für Klausuren und Ausnahme-Prüfungszulassungen "unter Vorbehalt".

LÄNDERVERGLEICH:

NRW habe für die Verständigung auf ein bundesweit einheitliches Vorgehen im Schulbereich "eine ausschlaggebende und auch eine einigende Rolle gespielt", versicherte Gebauer. Den Vorwurf der SPD-Opposition, dass NRW ausschere, wies sie zurück.

Berlin und Brandenburg starteten bereits am 20. April mit ihren Abiturprüfungen, Schleswig-Holstein und Hamburg am 21. April, Bremen und Sachsen am 22. April - und NRW erst am 12. Mai, sagte sie.

OPPOSITION:

SPD und Grüne sehen zahlreiche Fragen zu Hygiene-Standards und der Organisation von Lehrkräften, Räumen, Sicherheitsabständen und dem Schulbusbetrieb unbeantwortet. "Der Infektionsschutz ist nicht gesichert", sagte die Grünen-Abgeordnete Beer. "Das ist fahrlässig, was Sie vorgelegt haben."

Hygiene-Maßnahmen lägen im Zuständigkeitsbereich der Kommunen, sagte Gebauer. Die Träger hätten damit rechnen müssen, dass die Schulen schrittweise nach den Osterferien wieder öffnen würden und seien auch im Vorfeld darauf hingewiesen worden.

SPD-Fraktionsvize Jochen Ott sagte: "Das war eine Verkündigung mit vielen offenen Fragen." Gebauer habe die Unsicherheit erhöht. 

Der AfD-Abgeordnete Helmut Seifen zeigte sich von den "tiefgründigen Überlegungen" der Regierung dagegen weitestgehend überzeugt. Der ehemalige Gymnasialdirektor warf der SPD vor, sie habe sich schlicht von einigen wenigen Schülern, die keine Prüfungen machen wollten, "auf den Kriegspfad" schicken lassen. - dpa

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