Reise in der Pandemie

Trotz Corona-Lockdown zum Skiurlaub in die Schweiz: FDP-Politiker entschuldigt sich

Trotz Corona-Lockdown in den Skiurlaub? Ein FDP-Politiker aus dem Sauerland hat diese Frage für sich mit Ja beantwortet. Verstößt er damit gegen seine Vorbildfunktion?

Update vom 6. Januar, 13.45 Uhr: Carlo Cronenberg, FDP-Bundestagsabgeordneter aus dem Hochsauerlandkreis, hat seinen Skiurlaub in der Schweiz mitten im deutschen Corona-Lockdown mittlerweile doch als Fehler gewertet. „Ich verstehe die Kritik an dieser Entscheidung und möchte mich dafür entschuldigen“, teilte der 58-Jährige am Mittwoch auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) mit. „Trotz meiner kritischen Haltung gegenüber der Corona-Politik der Großen Koalition hätte ich meine Vorbildfunktion als Bundestagsabgeordneter wahrnehmen müssen“, räumte der Politiker schriftlich ein.

ParteiFreie Demokratische Partei (FDP)
GründerFranz Blücher
Gründung12. Dezember 1948 in Heppenheim
HauptsitzBerlin
ParteiführungChristian Lindner (Vorsitzender)

Auf Anfrage von sauerlandkurier.de* ließ Cronenberg über sein Abgeordnetenbüro in Berlin verlauten: „Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich mit der Familie am liebsten im Sauerland geblieben wäre. Unsere Hotels und Restaurants haben keine Kosten und Mühen gescheut, um sichere Aufenthalte möglich zu machen. Ich möchte nochmal betonen, dass es sich bei dem Urlaub um eine Privatsache handelt. Zu keiner Zeit wollte ich meine Vorbildfunktion als Abgeordneter vernachlässigen. Wenn ich durch mein Verhalten jemanden verletzt habe oder die Entscheidung falsch aufgegriffen wurde, so entschuldige ich mich dafür.“

FDP-Politiker Cronenberg trotz Corona-Lockdown im Skiurlaub: „Private Entscheidung“

[Erstmeldung vom 5. Januar] Arnsberg (NRW) - Der FDP-Bundestagsabgeordnete aus dem Hochsauerlandkreis, Carlo Cronenberg, hat den Jahreswechsel bei einem Skiurlaub in der Schweiz verbracht. Eine Schlagzeile, die vor einem Jahr maximal nur beiläufig interessiert hätte. Doch in Zeiten von Corona-Lockdown, Reiseverbotsempfehlungen und punktuellen Beherbergungsverboten lässt diese Nachricht zweifellos aufhorchen. Neben der Frage, ob eine solche Handlung aufgrund ihrer Symbolwirkung in Zeiten einer Pandemie moralisch vertretbar ist, stellt sich eine noch viel grundsätzlichere Frage: Inwieweit lassen sich Amt und Mandat bei einem gewählten Volksvertreter von der Privatperson trennen?

Cronenberg selbst, der auf Nachfrage freimütig einräumte, vom 27. Dezember bis 3. Januar seinen Skiurlaub im Schweizer Kanton Wallis verbracht zu haben, hat auf diese Frage im Gespräch mit sauerlandkurier.de* eine eindeutige Antwort für sich gefunden: „Es war eine private Entscheidung, die wir gemeinsam im Kreis der Familie getroffen haben. Mir war immer wichtig, dass mein Mandat bei solchen Dingen nicht im Vordergrund steht.“

FDP-Politiker Cronenberg trotz Corona-Lockdown im Skiurlaub: Kein Gedanke an Absage

Aus diesem Grund habe es für ihn und seine Familie auch nie zur Debatte gestanden, trotz der Empfehlung von Experten und Bundesregierung, auf nicht notwendige Reisen am besten gänzlich zu verzichten, den Urlaub abzusagen. Eher im Gegenteil: „Wir haben sogar erst recht kurzfristig gebucht, nachdem wir die Entwicklung des Infektionsgeschehens genau beobachtet und Maßnahmen wie ein eventuelles Beherbergungsverbot abgewartet haben. Ich selbst habe jahrelang in der Schweiz gelebt und bin beruflich immer wieder dort, sodass ich weiß, wie strikt und konsequent die Hygienekonzepte dort umgesetzt und eingehalten werden. Für den Urlaubsort haben wir uns bewusst entschieden“, so der FDP-Politiker aus Arnsberg.

Ein Blick in das Corona-Schutzkonzept der Eidgenossen zeigt, dass der Kanton Wallis tatsächlich 48 Skigebieten über die Weihnachtstage eine Betriebsbewilligung erteilte. Das Wallis hat dafür von einer Ausnahmeregelung Gebrauch gemacht, die besagt, dass Kantone mit einer Reproduktionszahl (R-Wert) unter 1 solche Lockerungen vornehmen können. Zum besagten Zeitpunkt lag der R-Wert bei 0.97, mittlerweile wurde aber auch im Wallis die kritische Marke überschritten, sodass die Kantonsregierung am vergangenen Sonntag das Ende der Ausnahmemaßnahmen verkündete.

Im Vergleich zu der „fast vorprogrammierten“ teils chaotischen Situation in Winterberg und anderen Sauerländer Schneegebieten in den letzten Tagen sei die Lage in seinem Urlaubsort überaus entspannt und deutlich risikofreier gewesen, erklärte der Unternehmer aus Arnsberg, da die Maßnahmen vorher alle klar kommuniziert, vor Ort streng kontrolliert und eingehalten worden seien. Sicherheit und Transparenz hätten an oberster Stelle gestanden. „Wenn das nicht gegeben gewesen wäre, hätte ich die Reise nicht mit angetreten – unabhängig davon, was die Familie sagt“, betonte Cronenberg. Er verwies zudem darauf, dass er unmittelbar nach seiner Rückkehr einen freiwilligen Corona-Test gemacht habe - das Ergebnis sei sowohl bei ihm als auch bei seiner Frau negativ ausgefallen.

Der Bundestagsabgeordnete Carlo Cronenberg (FDP) reiste über den Jahreswechsel in den Skiurlaub - trotz Corona-Lockdown.

FDP-Politiker trotz Corona-Lockdown im Skiurlaub: „Verstehe jede Kritik“

Dass er sich für seine Haltung nun Kritik von mangelnder Vorbildfunktion als Politiker bis hin zu Ignoranz gegenüber der Allgemeinheit gefallen lassen muss, ist dem 58-jährigen FDP-Mann durchaus bewusst. „Ich verstehe selbstverständlich jede Kritik an dieser Entscheidung, stehe aber dazu und hätte mir gewünscht, dass man mich direkt anspricht, anstatt sich anonym bei einer Zeitung zu melden“, so Carlo Cronenberg in Bezug auf einen anonymen Hinweis, der an unsere Redaktion gerichtet wurde und die gezielte Nachfrage erst möglich machte. (Unser Kommentar zum Thema)

Auch zu dem Vorwurf der mangelnden Vorbildfunktion hat der Bundestagsabgeordnete eine klare Meinung: „Die Politik, für die ich als Vorbild in die Verantwortung genommen werden soll, ist in meinen Augen gescheitert. Ich war niemand, der in der Vergangenheit geschrien hat: Bleibt zu Hause und schließt alle Hotels. Ich habe immer betont, dass ich für lokale Maßnahmen in Abhängigkeit vom lokalen Infektionsgeschehen plädiere. Es wurden schwerwiegende Fehler gemacht, von denen ich mich ausdrücklich distanziere.“ - *sauerlandkurier.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

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