Eiseskälte

Camping bei -23 Grad in NRW: Nur mit Unterhose und Socken im Zelt übernachtet

Kurz nach 7 Uhr am Freitagmorgen. Tobias Scheffe hat die Nacht bei Minus 18 Grad gut überstanden. Fast immer mit dabei: Teddy Charly.
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Kurz nach 7 Uhr am Freitagmorgen. Tobias Scheffe hat die Nacht gut überstanden. Minus 18 Grad seien es im Zelt gewesen.

Nordrhein-Westfalen hat eine eiskalte Woche hinter sich. Minus 23 Grad waren es etwa im Benfetal, wo Tobias Scheffe in einem Zelt geschlafen hat. Freiwillig.

Kreis Siegen-Wittgenstein - Es war ein Winter wie er im Buche steht: Nordrhein-Westfalen hat in der vergangenen Woche mit viel Schnee, Eis und extremer Kälte zu kämpfen gehabt. Im Kreis Siegen-Wittgenstein gibt es einen Ort, der als der kälteste im gesamten Nordwesten Deutschlands gilt: das Benfetal. Und genau hier hat Tobias Scheffe am Wochenende freiwillig in einem Zelt übernachtet.

LandkreisSiegen-Wittgenstein
BundeslandNordrhein-Westfalen
HauptstadtSiegen

Camping bei -23 Grad in NRW: Bei Eiseskälte im Benfetal im Zelt geschlafen

 „Im Zelt hatte ich minus 18 Grad“, erklärt Tobias Scheffe am Freitagmorgen gegen 7 Uhr. So langsam wird es hell im Benfetal bei Erndtebrück. Dass Digital-Thermometer liegt im Schnee und zeigt eine Temperatur von minus 23 Grad an. „Ich habe sehr gut geschlafen und bin fit“, freut sich Tosch.

So wird der Kredenbacher von vielen seiner Bekannten und Freunde genannt. Der 46-Jährige hat sich am Donnerstagabend seinen Schlafsack und sein Zelt ins Auto gepackt und vorab geschaut, an welcher Stelle in der Region es am kältesten ist. „Ich habe schon einmal im Winter im Benfetal übernachtet. Das war 2016 und wohl die kälteste Nacht, die ich jemals erleben werde. Da hatten wir minus 31 Grad. Das wird schwer zu toppen sein“, so Tobias Scheffe.

Camping bei -23 Grad in NRW: Nur mit Unterhose und Socken im Zelt übernachtet

Der gelernte Gas- und Wasserinstallateur wohnt im Kreuztaler Ortsteil Kredenbach. Hätte er dort die Nacht im Freien verbracht, wäre es deutlich wärmer gewesen. Gegen 6.30 Uhr waren es in seinem Wohnort jedenfalls „nur“ minus 14 Grad. Aber in dieser Nacht zog er ja einen anderen Schlafplatz vor. „Irgendwann hatte ich zwar mal ein wenig die Knie kalt, aber sonst konnte ich es im Schlafsack gut aushalten“, so Scheffe.

Minus 23 Grad zeigte das Digital-Thermometer in den frühen Morgenstunden an. Schon verrückt, da freiwillig in einem Zelt zu übernachten. Für Tobias Scheffe immer wieder eine besondere Herausforderung. 

Erstaunlich: Denn während sich viele Menschen bei diesen frostigen Temperaturen eine Wärmflasche mit ins Bett nehmen und zusätzlich noch ein paar warme Socken anziehen, ist das bei Tosch mal wieder das Gegenteil der Fall. Bekleidet, nur mit Unterhose und Socken war er kurz nach Mitternacht in seinen Schlafsack gekrabbelt.

Camping bei -23 Grad in NRW: Nicht die erste Nacht draußen - einmal sogar ohne Zelt

Spannend war es vorher, als er nur im Stirnlampenlicht sein Zelt nahe des kleinen Flusses Benfe aufgebaut hatte. Keine Menschenseele war zu diesem Zeitpunkt mit dabei. Außer Teddy Charly. Der Bär, den seine Tochter Lea vor rund 13 Jahren mal geschenkt bekommen hatte, begleitete den Kredenbacher schon nach Belgien, Holland in die Schweiz Dänemark, Schweden, Österreich und nach Norwegen.

Durch Norwegen fingen seine extremen Freizeitbeschäftigungen mal an. „Da war ich mit meinem Freund Lasse. Irgendwie fanden wir die Idee cool, einfach mal ne Nacht draußen zu pennen. Lasse fand das wohl nicht so berauschend. Obwohl wir da ca. 10 oder 15 Grad hatten“, erinnert sich Tobias Scheffe auch nach Jahren noch.

Ihn selbst hat danach die Jagd gepackt. Nicht nach Tieren, sondern nach extremen Erlebnissen. So entstand dann 2016 die erste Übernachtung in Benfe bei besagten minus 31 Grad. Im Februar 2018 schlief er dann ohne Zelt und Schlafsack unter freiem Himmel in Kredenbach. „Da war ich nur mit ein bisschen Laub zugedeckt. Natürlich hatte ich da mehr Kleidung an und es war auch nicht so kalt“, erzählt Tobias Scheffe mehrere Stunden nach seinem Aufbruch im Benfetal und einem ausgedehnten Frühstück mit seiner Frau.

Camping bei -23 Grad in NRW: Hang zu extremen Freizeitbeschäftigungen

Als er am Freitagmorgen um kurz nach 7 seinen Kopf aus dem Zelt reckte, war er schon zu Späßen aufgelegt und hätte reden können wir ein Wasserfall. Doch leider war bei diesen Temperaturen die Tinte im Kugelschreiber eingefroren. Und bei so vielen Erlebnissen, wäre das Reporter-Gedächtnis zu schnell voll gewesen. „Auch wenn ich mir die Jahreszahlen nicht so gut merken kann, die ganzen Erinnerungen sind immer noch gespeichert“, sagt Scheffe.

Er sagt selbst über sich, lieber den schmalen Pfad laufen zu wollen, wo andere Menschen eher die breit ausgebaute Straße bevorzugen. „Ich mag es an meine Grenzen zu gehen. Und vielleicht noch einen Schritt darüber hinaus“, so Scheffe. Ein bisschen verrückt halt und halt und scheinbar überschüssige Energie in den Waden. Wie würde er sie sonst erklären, seine spontane Maiwanderung mal eben von Kredenbach nach Marburg. 82 Kilometer in 23 Stunden. „Mitgekommen ist da keiner meiner Bekannten. Denen war das wahrscheinlich ein wenig zu weit“, lacht Tobias Scheffe.

Im vergangenen Jahr hat er dann in vier Tagen die Siegwanderung auf sich genommen. Das waren rund 180 Kilometer. Im Gepäck nur sein Handy und 50 Euro. Von der Quelle bis zur Mündung hat ihn sein Weg geführt. Stellenweise war er entkräftet und durch Regenschauer völlig durchnässt. Doch die gute Laune hat er bisher bei seinen Touren nie verloren.

Gut so, denn was den 46-Jährigen antreibt, sind die Dinge, die halt an die eigenen Grenzen führen. Die Minus-Temperaturen im Wittgenstein sind das auf jeden Fall nicht.  

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