Landgericht Arnsberg hatte u.a. wegen zweifachen versuchten Mordes verhandelt

Überfall auf Rentner-Ehepaar 2016 in Menden: So lautet das Urteil

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Arnsberg/Menden - Der 35-jährige Serbe, der in der Nacht vom 24. auf den 25. November 2016 an einem brutalen Überfall auf ein betages Ehepaar im Mendener Stadtteil Platte Heide beteiligt gewesen sein soll, ist am Donnerstag von der 2. Großen Strafkammer des Landgerichts Arnsberg als Schwurgericht unter anderem wegen zweifachen versuchten Mordes zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe verurteilt worden. 

Damit entsprach die Kammer exakt der Forderung der Nebenklage, die eben eine solche lebenslängliche Strafe gefordert hatte. Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrem Plädoyer sogar nur eine Haftstrafe von zehneinhalb Jahren beantragt.

Der Verteidiger des Angeklagten hatte indes auf Freispruch plädiert, weil die DNA-Spuren vom Tatort dort auch hätten von Dritten platziert worden sein können. Der Angeklagte selbst bestritt in seinen letzten Worten jede Tatbeteiligung, ehe sich die Kammer zur Urteilsberatung zurückzog.

DNA-Material an Fenstergitter und Schlafanzug

Das Gericht sah es indes als erwiesen an, dass der Angeklagte am Tatort gewesen war. DNA-Spuren waren nämlich sowohl an einem aufgebrochenen Fenstergitter als auch an einem Schlafanzug eines Opfers sichergestellt worden.

An diesem Kellerfenster wurden u.a. DNA-Spuren des Angeklagten gefunden. Darauf stützte die Staatsanwaltschaft ihre Anklage und das Gericht sein Urteil.

Die Verurteilung erfolgte wegen zweifachen versuchten Mordes in Tateinheit mit zweifachem erpresserischen Menschenraub, zweifacher besonders schwerer räuberischer Erpressung und zweifacher gefährlicher Körperverletzung sowie wegen Wohnungseinbruchdiebstahls. 

Mitangeklagt war nämlich auch ein eben solcher aus der Nacht vom 23. auf den 24. Dezember 2016 in Fürth. "Dort soll er mindestens 20.000 Euro, eine Schreckschusswaffe, eine Goldmünze, eine Uhr und Schmuck von geringerem Wert entwendet haben", so ein Sprecher des Landgerichts Arnsberg.

Binnen einer Woche Revision möglich

Das Gericht ging von besonderer Grausamkeit aus, von einem hohen Maß an Brutalität, Gefühlskälte. Verdeckungsabsicht sei eindeutiges Mordmerkmal. Schließlich seien die Opfer schwerst verletzt, teilweise nackt und in jedem Fall völlig hilflos zurückgelassen worden. Dass sie sterben würden, habe der Angeklagte in Kauf genommen.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Ab heute kann binnen einer Woche Revision eingelegt werden.

Die Staatsanwaltschaft hatte ihre Anklage eben vor allem auf besagte DNA-Spuren gestützt, die am Tatort in der Thüringenstraße gesichert worden waren.

Kommissar Zufall bringt Serben hinter Gitter

Der Prozess gegen den zuvor schon europaweit polizeilich in Erscheinung getretenen Serben, der den Ermittlern am 28. Mai 2018 bei der Routinekontrolle eines Fernreisebusses in Aachen ins Netz gegangen war, hatte am 23. November begonnen.

Fahndung bei "Aktenzeichen XY"

Am 5. April 2017 war der Fall von der Polizei Hagen, wo eine Mordkommission eingerichtet worden war, in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY...ungelöst" vorgestellt worden. Hier war nach dem Tatverdächtigen gefahndet worden - ohne Erfolg. Kommissar Zufall brachte den Kriminellen schließlich hinter Gitter - und zwar in Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt Hamm.

Die zum Tatzeitpunkt jeweils 84-jährigen Senioren waren körperlich misshandelt, dann gefesselt und geknebelt über Stunden ihrem Schicksal überlassen worden. Beide waren stark dehydriert, als sie von Nachbarn gerettet worden waren. Beide Opfer hatten nachts arg- und wehrlos im Schlafzimmer geschlafen. 

Umfangreiche Beute gemacht

Die Ermittler gehen davon aus, dass der Angeklagte in Menden mit zwei weiteren Beteiligten "aufgrund eines gemeinsamen Tatplanes" über den Keller in das Einfamilienhauses eingedrungen war.

In diesem Haus in der Thüringenstraße in Menden war das betagte Ehepaar brutal überfallen und lebensgefährlich verletzt seinem Schicksal überlassen worden.

Diese Gruppe erbeuteten damals ca. 30.000 Euro Bargeld, eine Münzsammlung, Uhren und Schmuck, zwei scharfe Kurzwaffen samt 50 Schuss Munition und zwei Schreckschusswaffen.

Potenziell lebensgefährliche Verletzungen

Die Eheleute hatten durch massive Schläge multiple, potenziell lebensgefährliche Verletzungen erlitten. So waren beispielsweise die Kabelbinder bis auf das Blut einschneidend angelegt worden.

"Sofort sollen sie auf die Köpfe der Bewohner eingeschlagen und diese sodann mit Kabelbindern gefesselt haben. Anschließend sollen sie auf die bewegungsunfähigen und wehrlosen Eheleute eingeprügelt haben, bis diese ihnen den Aufbewahrungsort eines Tresorschlüssels verraten haben sollen. Danach sollen sie die Münder der Eheleute zugeklebt haben", hieß es vom Landgericht Arnsberg.

Das Verbrechen hatte aufgrund der brutalen Vorgehensweise der Täter für großes Entsetzen gesorgt. Die mutmaßlichen Mittäter konnten nicht ermittelt werden.

So haben wir über den Fall berichtet:

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Schockierendes Verbrechen von Menden aus dem Jahr 2016 vor der Aufklärung

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