Strohballen-Brände im Raum Soest und Kamen

Kranker "Feuerteufel" verurteilt - von ihm geht "immens hohe" Gefahr aus

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Der Brandstifter (links, mit Aktenordner vor dem Gesicht beim Prozesstag im Januar), der auch in Soest, Werl und Wickede Strohballen angezündet haben soll, wurde jetzt verurteilt. Rechts neben ihm: sein Verteidiger Dirk Mayer

Ein 21-jähriger Brandstifter wurde zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Er sorgte wochenlang durch das Abfackeln von Ackerflächen für Angst und Schrecken bei den Landwirten in der Region.

  • Ein Brandstifter aus Dortmund wurde zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. 
  • Der 21-Jährige sorgte im Kreis Soest und in Kamen für eine Serie von Brandstiftungen.
  • Das Gericht ordnete die Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie an.

Dortmund/Kreis Soest - Ein Brandstifter, der im Sommer vergangenen Jahres wochenlangim Raum Soest, Werl, Wickede und Kamen durch das Abfackeln von Ackerflächen für Angst und Schrecken gesorgt hatte, muss für drei Jahre und neun Monate ins Gefängnis. Gleichzeitig ordneten die Richter am Dortmunder Landgericht aber auch die Unterbringung des 21-jährigen Dortmunders in der geschlossenen Psychiatrie an. 

Sollte hier eine Behandlung nicht innerhalb der verhängten Strafe erfolgreich abgeschlossen werden, könnte der Serientäter durchaus auch weiterhin in der forensischen Klinik bleiben müssen. 

"Feuerteufel" zündet Strohballen und ein Haus an

Der junge Mann hatte gestanden, wiederholt Strohballen auf abgeernteten Feldern angezündet zu haben. Auch wurde ihm das Abfackeln eines leer stehenden Hauses in Essen zur Last gelegt. Die Anklage bezifferte den Gesamtschaden auf rund 160.000 Euro.

Er sei damals in einer „traurigen Verfassung“ gewesen, habe immer an belastende Erlebnisse aus der Kindheit gedacht und sei planlos von Dortmund aus in das ländliche Umland gefahren, hatte der kindlich wirkende Angeklagte zu Prozessbeginn erklärt. Wenn er dann auf einem Feld gestanden und mit einem Feuerzeug die knochentrockenen Bündel angezündet habe, sei es immer gewesen, als „wenn ein Schalter umgelegt worden sei“, als wenn es „plötzlich Klick gemacht habe“. 

Täter wird Persönlichkeitsstörung diagnostiziert

Die Tatserie in der Sommerhitze vom August vergangenen Jahres endete, als einem Passanten das auffällige Verhalten des jungen Mannes auf einem Feld in Kamen auffiel und er sich dessen Autokennzeichen notierte und die Polizei alarmierte. 

In der mehrmonatigen Beweisaufnahme wurden mehrere psychiatrische Sachverständige gehört, die das Wesen und die Motive des Feuerteufels analysierten. Sie diagnostizierten eine schwere Form der Aufmerksamkeitsstörung ADHS sowie eine Persönlichkeitsstörung. Dieses Krankheitsbild müsse in einer stabilen Umgebung wie etwa in einer geschlossenen Klinik langfristig behandelt werden. 

Gefahr für erneute Brandstiftungen „immens hoch“

Ohne Behandlung sei die Gefahr für erneute unkontrollierbare Brandstiftungen „immens hoch“. Der Verteidiger hat bereits Rechtsmittel gegen das Urteil eingelegt. Er ist davon überzeugt, dass sein Mandant in Freiheit an seinen gesundheitlichen Problemen arbeiten kann.

Auch in diesem Jahr musste sich die Feuerwehr im Kreis Soest erneut um brennende Strohballen kümmern. Schätzungsweise 2000 Strohballen brannten lichterloh auf einer Fläche von rund 1000 Quadratmetern. Die Brandursache scheint klar: Brandstiftung.

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