Heiße Debatte

Bordelle für immer im Lockdown? Wie Corona das Prostitutionsgesetz verändern könnte

Der erneute Lockdown trifft die Prostituierten hart. Der Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen bat am Donnerstag um Spenden und staatliche Hilfen für Sexarbeiter. Der corona-bedingte Ausstand der Branche befeuert in NRW die Debatte um ein generelles Sexkaufverbot.

Düsseldorf – Sowohl die Befürworter als auch die Gegner eines Sexkaufverbotes nach dem Vorbild skandinavischer Länder sehen sich im Corona-Lockdown und der damit verbundenen Schließung von Bordellen und ähnlichen Einrichtungen bestätigt.

LandNordrhein-Westfalen
HauptstadtDüsseldorf
Fläche34.110,26 km²
Einwohner17.947.221 (Dezember 2019)

Bordelle im Corona-Lockdown: Diskussion um Prostitutionsgesetz - Pandemie als Blaupause

Corona ist eine Blaupause dafür, was bei einem Verbot passieren würde. Prostitution findet trotzdem statt, wird nur in den Bereich der Illegalität, ins Dunkelfeld verschoben“, sagt die Landtagsabgeordnete Heike Troles. Sie ist frauenpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion im Düsseldorfer Landtag. Zusammen mit der FDP hat die CDU einen Antrag gegen ein Sexkaufverbot eingebracht, im Januar wird dazu eine Expertenanhörung im Landtag stattfinden.

Statt auf Verbote setzt Troles auf mehr Beratung für betroffene Frauen. Besonders im ländlichen Raum gebe es hier noch zu viele weiße Flecken. Zudem sollen Schutzräume den Arbeitsplatz von Prostituierten sicherer machen. Und: Die beiden Regierungsfraktionen in NRW wollen die zeitnahe Wiederaufnahme sexueller Dienstleistrungen unter Beachtung entsprechender Hygieneschutzmaßnahmen prüfen lassen – mit dem Ziel, dass Bordelle wieder öffnen können.

Doch vor allem in der CDU wird das Thema kontrovers diskutiert. So forderte unter anderem Annette Widmann-Mauz den Lockdown für ein Verbot der Prostitution zu nutzen und Bordelle nie mehr zu öffnen. Widmann-Mauz ist Vorsitzende der Frauen-Union und Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration im Kanzleramt. Einen entsprechenden Brief an die 16 Ministerpräsidenten hat auch die CDU-Bundestagsabgeordnete Elisabeth Winkelmeier-Becker unterschrieben.

Bordelle im Corona-Lockdown: Diskussion um Prostitutionsgesetz - Unterschied zwischen Zwang und Berufsausübung

„Die große Mehrzahl der Prostituierten in Deutschland ist nicht selbstbestimmt in der Prostitution, sondern steht unter brutalem Zwang und muss für zum Beispiel 20 bis 30 Euro jedem Freier ihren Körper für alle Wünsche zur Verfügung stellen“, schrieb sie auf Facebook. Alle bisherigen Bemühungen zum Schutz der Frauen seien ins Leere gelaufen. Deswegen brauche man das Nordische Modell als einen Paradigmenwechsel.

Wann können Bordelle wieder öffnen? CDU und FDP im NRW-Landtag fordern eine Prüfung.

Birgit Schmitz von der Prostituierten-Beratung „Rahab“ des Sozialdienstes katholischer Frauen und Männer Düsseldorf hält davon nichts. Im Nordischen Modell hätten die Frauen kein Anrecht auf Sozialleistungen. Sie unterstützt das Ziel eines NRW-Modells mit dem Motto „Nein zum Zwang, aber Ja zur Berufsausübung“.

Die Prostitution blüht offenbar auch im Lockdown: In Berlin waren am Freitag eine nackte Frau und mehrere spärlich bekleidete Menschen vor der Polizei aus einem geschlossenen Hostel- und Gastronomiebetrieb geflohen.

Bordelle im Corona-Lockdown: Diskussion um Prostitutionsgesetz - Viele Prostituierte stammen aus Rumänien

Rund 40 400 Menschen gingen in Deutschland Ende 2019 nach dem Prostituiertenschutzgesetz der Prostitution nach. Laut Statistischem Bundesamt gab es 2 170 gesetzlich lizenzierte Gewerbe. 35 Prozent der Prostituierten besaßen die rumänische, elf Prozent die bulgarische Staatsbürgerschaft. 78 Prozent waren zwischen 21 und 44 Jahre alt. 45 Jahre oder älter waren 17 Prozent, zwischen 18 und 20 waren fünf Prozent.

Rubriklistenbild: © Christoph Schmidt / dpa

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