Sondierungsarbeiten zwischen Unna-Ost und Kreuz Werl vorzeitig beendet

A44: Deshalb bleibt der Bombenverdacht ungeklärt - und deshalb gab's keinen Stau

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Die Sondierungsarbeiten auf der A44 zwischen der Anschlussstelle Unna-Ost und dem Kreuz Werl, bei denen einem Bombenverdacht auf den Grund gegangen werden sollte, sind am Donnerstagmittag vorzeitig beendet worden. Und zwar ohne konkretes Ergebnis. Hier berichten wir, woran das liegt und warum es auch während der Bohrungen nicht die befürchteten Verkehrsbehinderungen gab.

  • Auf der A44 in Richtung Kassel zwischen Unna-Ost und dem Kreuz Werl lagen insgesamt fünf Bombenverdachtspunkte.
  • Vier dieser Punkte wurden bereits ergebnislos überprüft - jetzt war am Donnerstag (9. Januar) der fünfte an der Reihe.
  • Mehrere Stunden früher als geplant wurden diese Arbeiten beendet - ohne ein konkretes Ergebnis.

Update von Donnerstag, 9. November - 12.27 Uhr:

Unna/Werl - Durchaus mit Spannung war bei Straßen.NRW und beim Kampfmittelbeseitigungsdienst Westfalen-Lippe am Donnerstag erwartet worden, was bei Bohrungen am fünften und damit letzten Bombenverdachtspunkt an der A44 zwischen Unna und Werl gefunden werden würde.

Im Ergebnis allerdings wurden die Arbeiten auf Höhe des Industrieparks Unna noch vor der 270 Meter langen Talbrücke Kessebürenbach vormittags vorzeitig und damit auch ergebnislos abgebrochen.

Das erklärte Rainer Hüsken von Straßen.NRW, der die Maßnahme betreut am Mittag auf Nachfrage unserer Redaktion.

Bombenverdacht auf der A44: Material wird analysiert

"Wir haben an drei Stellen im Standstreifen Bohrungen durchgeführt. Der Boden war allerdings derart hart, dass wir nur bis in eine Tiefe von 3,50 bis 4 Meter gekommen sind. Es noch an einer vierten Stelle zu versuchen, machte aus unserer Sicht keinen Sinn", so Hüsken.

An zwei der drei Stellen sei schwarzes Material gefunden worden, von dem Proben genommen worden seien und das jetzt in einem Labor analysiert werden müsse. 

Ob es sich dabei - wie eigentlich erwartet - um Hochofenschlacke oder doch "nur" etwa um kohlehaltiges Material handele, stehe noch nicht fest, so Hüsken.

Bombenverdacht auf der A44: Größeres Gerät erforderlich

Das gelte auch für die weitere Vorgehensweise: "Die müssen wir beraten. Sollten wir jedenfalls noch weitere Bohrungen durchführen müssen, wäre dafür wohl größeres Gerät erforderlich", so der Fachmann von Straßen.NRW.

Entgegen der eigenen Ankündigung des Landesbetriebs Straßenbau Nordrhein-Westfalen war übrigens der rechte Fahrstreifen während der gesamten Maßnahme am Donnerstagvormittag nicht gesperrt worden.

Weil der Verkehr jederzeit ganz normal über beide Spuren in Richtung Kassel rollen konnte, kam es zu keinerlei Verkehrsbehinderungen.

Hier lesen Sie unsere ursprüngliche Berichterstattung

So viel ist (fast) sicher: Am Donnerstag (9. Januar) wird es zwischen Unna und Werl verdammt eng! Sowohl auf der A44 zwischen der Anschlussstelle Unna-Ost und dem Kreuz Werl als auch auf der B1 und auch in beiden Stadtgebieten sind Staus und Wartezeiten quasi garantiert. 

Auslöser sind Sondierungsarbeiten - im besagten Autobahnabschnitt wird nach einem Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg gesucht.

Die Pressemitteilung des Landesbetriebs Straßenbau Nordrhein-Westfalen - landläufig besser bekannt als Straßen.NRW - klingt zunächst einmal nicht spektakulär. Wörtlich heißt es:

"Auf der A44 in Richtung Kassel zwischen der Anschlussstelle Unna-Ost und dem Kreuz Werl steht am Donnerstag (9.1.) von 9 bis 15 Uhr nur ein Fahrstreifen zur Verfügung. Die Straßen.NRW-Autobahnniederlassung Hamm muss dann dort Sondierungsarbeiten durchführen."

Im Klartext wird an einem fünften und letzten Kampfmittel-Verdachtspunkt nach Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg gebohrt. Die vier ersten Stellen sind bereits überprüft worden - ohne dass dort Bomben im Erdreich gelegen hätten.

Bombenverdacht auf der A44: Wo genau wird gebohrt? 

Nach Informationen unserer Redaktion liegt der fünfte und letzte Bomben-Verdachtspunkt des etwa 13 Kilometer langen Teilstücks zwischen Unna-Ost und dem Kreuz Werl auf Höhe des Industrieparks Unna noch vor der 270 Meter langen Talbrücke Kessebürenbach, also auch noch vor dem Parkplatz Mühlhauser Tal.

Der verdächtige Punkt liegt im Bereich des Mittelstreifens der Autobahn. In eine Tiefe von sechs Metern wird allerdings nicht dort, sondern auf dem Standstreifen gebohrt.

Warum wird Bombenverdacht auf der A44 jetzt überprüft?

Rainer Hüsken arbeitet als Vermessungsingenieur bei Straßen.NRW und betreut die aktuelle Maßnahme an der A44. Er erklärt: "In diesem Jahr soll die Fahrbahndecke im besagten Bereich erneuert werden. Deshalb wurden die Verdachtspunkte abgearbeitet."

Die entsprechenden Messungen und Sondierungen des Kampfmittelbeseitigungsdienstes Westfalen-Lippe hätten sich etwa über ein halbes Jahr hingezogen. An jener Stelle, an der am Donnerstag gebohrt wird, waren im November 2019 Messungen mit laut Hüsken "nicht erklärbaren Ergebnissen" durchgeführt worden.

Was begründet konkret den Bombenverdacht auf der A44?

Mit einer Sonde hat der Kampfmittelbeseitigungsdienst magnetische Messungen durchgeführt. "Dabei sind Abweichungen zum Erdmagnetfeld aufgetreten, die sich nicht erklären lassen. Es gibt aus der Zeit des Baus der Autobahn in den 60er Jahren keine Unterlagen mehr, deshalb müssen wir bohren", so Rainer Hüsken von Straßen.NRW.

Was passiert, wenn sich Bombenverdacht auf A44 erhärtet?

Die Autobahn wurde im betroffenen Bereich auf einem sechs Meter hohen Damm errichtet. Denkbar bis wahrscheinlich ist nun, dass dabei Hochofen-Schlacke verbaut wurde, die ebenfalls eine magnetische Strahlung aufweist.

"Die einzelnen Schichten des Dammes werden sondiert. Wenn wir bei der Bohrung Schlacke finden, freuen wir uns. Dann ist die Erklärung für die Ergebnisse der Messungen gefunden. 

Wenn wir keine Schlacke finden, wäre denkbar, auch noch in der Standspur der andere Seite zu bohren. Ganz am Ende bliebe nur, einen Schacht zu setzen und zu gucken, ob dort wirklich eine Bombe liegt. Das wäre dann eine große Maßnahme, die mutmaßlich in die Zeit der Fahrbahndecke gelegt würde", so Rainer Hüsken.

Bombenverdacht auf der A44: Wie lange dauern die Arbeiten?

Wenn bei der Bohrung im Standstreifen der A44 in Richtung Kassel alles nach Plan läuft, könnte die Maßnahme bereits nach gut zwei Stunden abgeschlossen sein, mutmaßt Straßen.NRW-Fachmann Hüsken. Spätestens um 15 Uhr sollen die Arbeiten beendet und beide Fahrstreifen wieder befahrbar sein.

Bewusst hat man sich entschieden, erst den morgendlichen Berufsverkehr abfließen zu lassen. Daher beginnen die Arbeiten samt der Sperrung nicht vor 9 Uhr.

Für alle Verkehrsteilnehmer ergibt sich aus der einspurigen Verkehrsführung auf der A44 trotzdem ein kalkulierbares Chaos - sprich: Sowohl auf der A44 selbst als auch auf der parallel verlaufenden B1 sowie auf der B63 dürfte es zu Staus und Wartezeiten kommen.

Das droht auch in den Stadtgebieten von Unna und Werl, falls sich viele Verkehrsteilnehmer andere Wege suchen.

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