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Bochum fürchtet „diffuse Gas-Austritte“ in gesamten Stadtgebiet

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Von: Daniele Giustolisi

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Eine Maßnahme der Ruhrkohle AG (RAG) sorgt für steigendes Grubenwasser in Bochum. Es kann zu „diffusem Gasaustritt“ und damit zu potenzieller Gefahr kommen.

Bochum – Die Folgen des Bergbaus im Ruhrgebiet könnten sich in Kürze in Bochum bemerkbar machen. Weil die Ruhrkohle AG (RAG) den Anstieg des Grubenwasserspiegels plant, droht der Stadt vermehrt der Austritt von Grubengas. RUHR24 erklärt, was das für die Bevölkerung heißt.

StadtBochum
Einwohner370.000
OberbürgermeisterThomas Eiskirch (SPD)

Bochum: Gas-Gefahr wegen Grubenwasser-Anstieg – Stadt will Maßnahmen ergreifen

Der Grubenwasserspielgel unter Bochum soll auf 550 Meter unter der Erdoberfläche ansteigen. Konkret betrifft das den riesigen Bereich unter der 229 Quadratkilometer großen „Wasserprovinz Carolinenglück“.

Sie umfasst die Stadtgebiete von Bochum, Herne, Castrop-Rauxel, Dortmund, Waltrop und Lünen. Ziel ist es, Energie einzusparen, die die Wasserpumpen beim Zutagefördern des belasteten Grubenwassers benötigen.

Doch durch den Anstieg des Grubenwassers sei laut der Stadt Bochum nun möglicherweise mit „diffusen Grubengasaustritten“ im Stadtgebiet zu rechnen – in diesem Fall Methan. Das geht aus einem Papier des Bochumer Umwelt- und Grünflächenamts hervor.

Gas-Explosionen unter Bochum möglich: Stadt muss Gefahrenstellen beobachtet

So könnte sich das Gas künftig nicht nur im Bereich ehemaliger Bergwerke anstauen, sondern auch anderswo in der Stadt – etwa unter dichter Bebauung, wo es bisher keine Möglichkeit gibt, das Gas kontrolliert ausströmen zu lassen. Im schlimmsten Falle drohen Erschütterungen durch unterirdische Gas-Explosionen.

Grund für die Stauung des Gases sei das ansteigende Grubenwasser, das „bisher wirksame Gasströmungswege“ trenne oder abbinde, so die Stadt in dem Papier weiter.

Explosionsgefahr in Bochum durch Grubenwasseranstieg möglich

Die Stadt Bochum will nun Entgasungsbohrungen durchführen. An Stellen, an denen es besonders hohe Gaskonzentration und damit Explosionsgefahr durch das Methan-Luft-Gemisch gibt, sollen „Besaugungen“ installiert werden, um das Gas zu entfernen.

Fruchten die Schutzmaßnahmen, sei die Gefahr durch das Gas für die Bevölkerung laut einem Gutachten der Deutschen Montan Technologie (DMT) gering.

Innenstadt von Bochum mit Hochhäusern, Fiege Brauerei, Stadtwerke-Haus, Kirche St. Peter und Gleise.
Der Grubenwasserspiegel unter Bochum (hier die Innenstadt), soll angehoben werden. © Daniele Giustolisi/RUHR24

Methan könnte krebserregendes Radon binden und in Bochum an Oberfläche fördern

Doch es gibt noch ein weiteres Problem. Denn das Grubengas Methan diene laut dem DMT-Gutachten auch als Trägermedium für das radioaktive und krebserregende Edelgas Radon. Dort, wo verstärkt Methan austritt, will die Stadt Bochum deshalb zusätzlich auch auf Radon testen.

Welche Konsequenzen diese Messungen hätten, ist unklar. Denn: Es existiert noch kein Grenzwert für Radon, unterhalb dem es kein Risiko für das Entstehen etwa von Lungenkrebs gibt, wie es vom Bundesamt für Strahlenschutz heißt.

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