Stiftungs-Interessen verletzt

Heinz-Kettler-Stiftung: So begründet die Bezirksregierung ihr hartes Durchgreifen

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Stacheldraht am Kettler-Werk Mersch mit Symbolkraft: Auch hier überschlugen sich am Freitag die Ereignisse – und der „gute Draht“ zur Stiftung wurde nach Beseitigung der „Widerhaken“ wieder hergestellt.

Werl/Ense - Es war der Tag, an dem sich die Ereignisse überschlugen – und an dessen Ende die doch noch geglückte vorläufige Rettung von Kettler stand. Ein wesentlicher Baustein: die Entmachtung des dreiköpfigen Stiftungs-Kuratoriums um Manfred Sauer und des Stiftungsvorstandsmitglieds Werner Scheiwe. Den Rausschmiss begründet die Bezirksregierung auf Anzeiger-Anfrage mit einer Verletzung der Stiftungsinteressen.

„Allein die durch das Verhalten des Kuratoriums eingetreten Gefährdung der Stiftungs-Interessen ist für die Entscheidung der Stiftungsaufsicht ausschlaggebend gewesen“, sagt dazu Christoph Söbbeler, Pressesprecher der Bezirksregierung, die auch Stiftungsaufsicht ist.

Ein Beispiel sei die Nicht-Teilnahme der Stiftung am Gespräch im NRW-Wirtschaftsministerium in der Vorwoche. Die habe, so hatte das Ministerium wissen lassen, das Kuratorium unter „fadenscheinigen Gründen“ abgesagt. 

Söbbeler betont eines: Für die Bezirksregierung als Stiftungsaufsicht sei es allein um die Wahrung der Interessen der Stiftung gegangen. Nicht mehr – aber eben auch nicht weniger.

Es gehe nur um die Handlungsfähigkeit 

Die Entscheidung der Kuratoriums-Absetzung habe sich auch nur allein an diesem Interesse orientiert. Man habe sich die Schritte nicht leicht gemacht und alle Perspektiven für die Heinz-Kettler-Stiftung, die sich der Unterstützung des Behinderten-Sports verschrieben hat, abzuwägen gehabt.

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„Dabei ging es auch um die Frage, was der Stiftung letztlich mehr schadet“, sagt Christoph Söbbeler. Es gehe nur um die Handlungsfähigkeit und die Wahrung der Vermögensinteressen der Stiftung.

Nach „intensiven Gesprächen“ sei man vor dem Hintergrund des Stiftungsgesetzes als rechtliche Grundlage zum Entschluss gekommen: Das Kuratorium ist nicht mehr tragbar. 

Mit der Zusage der Zwischenfinanzierung durch die Stiftung in Millionenhöhe war am Freitagnachmittag nach dramatischen Stunden die vorläufige Kettler-Rettung in buchstäblich allerletzter Minute geglückt.

Arbeit für die Angestellten geht weiter

Die 715 Arbeitsplätze bleiben zunächst erhalten, die Produktion beim Freizeitartikler wurde am Montag fortgesetzt. Zunächst wurde Andreas Sand zum allein vertretungsberechtigten Stiftungsvorstand ernannt. 

Ihm zur Seite steht der von der Bezirksregierung bestellte Sachwalter Dr. Christoph Schotte aus München, der die Funktion des Kuratoriums übergangsweise wahrnimmt. Zeitlichen Druck für die nötige langfristige Personallösung sehe man nicht, so die Bezirksregierung.

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