Beamte schwiegen vor Gericht

Betrunkenen ausgesetzt: Polizisten zu Bewährungsstrafe verurteilt

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Moers - Ein stark betrunkener und unter Drogen stehender Mann läuft vor ein Auto und stirbt. Zwei Polizisten hatten ihn ausgesetzt, nachdem er mehrfach auffällig geworden war. Nun wurden die Beamten verurteilt.

Weil sie einen stark betrunkenen Mann mit tödlichen Folgen ausgesetzt haben, sind zwei Polizisten in Moers zu einer Bewährungsstrafe von jeweils einem halben Jahr verurteilt worden. 

Die auswärtige Strafkammer des Landgerichts Kleve in Moers verurteilte die Angeklagten am Dienstag wegen fahrlässiger Tötung. Sie hätten einen 46 Jahre alten Mann entgegen der Dienstanweisung etliche Kilometer von seiner Wohnung entfernt abgesetzt. 

Der Mann war mit 3,5 Promille Alkohol und Heroin im Blut auf eine Fahrbahn gelaufen, von einem Wagen erfasst und tödlich verletzt worden. "Das war sicherlich nicht das, was beide gewollt haben", erklärte das Gericht. 

Als Polizeibeamte hätten sie aber wissen müssen, dass der Mann irrational reagieren könne. Die 33 und 30 Jahre alten Polizisten hatten in dem Prozess geschwiegen. "Zu unserer sicheren Überzeugung haben Sie zu dem Unfalltod beigetragen", sagte der Vorsitzende Richter zu den Angeklagten. 

Der betrunkene Mann war den Polizisten an ihrem Arbeitstag vor zwei Jahren in Moers mehrfach begegnet: Er hatte sich wiederholt in Krankenhäuser geschlichen und sich einfach in Betten gelegt. 

Die Staatsanwaltschaft hatte für die Angeklagten jeweils eine Strafe von einem Jahr auf Bewährung sowie eine Geldstrafe von 2500 Euro beantragt. Das Gericht verhängte jedoch letztlich keine Geldstrafe - auch mit Verweis auf das Disziplinarverfahren, das den Beamten noch bevorsteht. 

Dabei werden Vergehen von Polizisten aufgearbeitet und bestraft. Die abgestuften Maßnahmen reichen von einer Ermahnung über Geldbuße oder Kürzung der Bezüge bis zur Entfernung aus dem Beamtenverhältnis. 

Nach Ansicht eines Polizeifachmanns ist eher nicht zu erwarten, dass die beiden aus dem Dienst entlassen werden. Die Polizisten hörten der Urteilsverkündung mit ernstem Gesicht zu. Die Anklage hatte ihnen auch vorgehalten, sie hätten an dem Tag ihr Dienstende nicht gefährden wollen und gemeinsam beschlossen, den Mann sich selbst zu überlassen.

Der Unfallfahrer, der den 46-Jährigen überfahren hatte, wurde bereits in einem anderen Verfahren verwarnt und unter Vorbehalt zu einer Geldstrafe von 2700 Euro verurteilt. 

Das Gericht ging davon aus, dass der Fahrer unaufmerksam und zu schnell unterwegs war.

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