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Anrufer drohen mit erhöhten Strom- und Gaskosten: Telefonat kann böse enden

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Von: Hannah Decke

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Wer einen Anruf von Energieberatern und der „Bundeszentrale Strom und Gas“ erhält, sollte vorsichtig sein. Betrüger versuchen derzeit, die Energieverträge ihrer Opfer zu wechseln.

Siegen - Es ist ein Thema, das aktuell jeden Haushalt in Deutschland beschäftigt: steigende Energiepreise. Das Leben wird immer teurer, allen voran beim Thema Heizen. Die Menschen fürchten eine Gasknappheit und Nebenkostenrechnungen, die sie nicht mehr stemmen können. Und wie so häufig tauchen in der Krise Betrüger auf, die die Sorgen und Ängste der Menschen schamlos ausnutzen. Städtische Energieversorger warnen jetzt vor Anrufen und auch Hausbesuchen, die für die Opfer böse enden können.

Betrüger versuchen derzeit die Energieverträge ihrer Opfer zu kündigen und neue abzuschließen. Um an Daten zu kommen, gehen sie unterschiedlich vor:

„Zurzeit versuchen ungebetene Besucher und Anrufer, Lieferverträge für Strom und Erdgas abzuschließen“, teilt die Energieversorgung Sehnde GmbH (EVS) in Niedersachsen mit. Auch in Nordrhein-Westfalen gab es bereits Vorfälle. So warnen die Siegener Versorgungsbetriebe (SVB) ebenfalls vor dubiosen Anrufen.

Betrug mit Energiekosten: Vorsicht bei Anrufen rund um Strom- und Gasverträge

Aber wie gehen die Betrüger vor? Laut EVS scheint es den Verbrauchern zunächst wie ein harmloses Informationsgespräch vorzukommen. So erhalten sie etwa einen Anruf, bei dem für bestimmte Strom- und Gastarife geworben wird. Dabei geben sich die Betrüger als Energieberater oder Verbraucherschützer aus. Manche melden sich aber auch mit „Zentrale Strom und Energie“ oder „Bundeszentrale Strom und Gas“.

Wie die EVS mitteilt, gab es auch schon dubiose Hausbesuche. Dabei würden die Betrüger angeben, im Auftrag des bisherigen Energieversorgers die Stromrechnung überprüfen zu wollen.

Betrüger wollen Energieverträge wechseln - Anrufer drohen mit erhöhten Strom- und Gaskosten

Im Gespräch geht es dann um persönliche Daten. Es werden Name, Adresse, Zählernummer und auch Kontoverbindungen abgefragt. Laut SVB ändert sich die vorgespielte Freundlichkeit, wenn die künftigen Opfer nicht mitspielen. „In den meisten Fällen wird behauptet, dass Sie Ihre Daten abgleichen müssen, um eine Preiserhöhung von 40 Prozent oder mehr zu verhindern.“ Die Betrüger drohen also mit höheren Strom- oder Gaskosten. In Zeiten, in denen die Verbraucher versuchen, an allen Enden Heizkosten zu sparen, eine Drohung, die Wirkung zeigen könnte.

Aber wozu das Ganze? Dahinter steckt ein bestimmter Plan: Die Betrüger wollen bestehende Energieverträge kündigen und neue Verträge bei den Anbietern abschließen, für die sie arbeiten. „Die Händler behaupten dann, der Kunde habe einem Wechsel zugestimmt und am Telefon oder an der Haustür einen neuen Vertrag abgeschlossen“, so die EVS.

Anbieterwechsel bei Strom und Gas: Einfaches System ist anfällig für Betrug

Und tatsächlich geht ein Anbieterwechsel so einfach, wie der Energieversorger erklärt: „Hintergrund ist der Datenaustausch, der bei jedem Anbieterwechsel stattfindet. Wenn ein Kunde den Energieversorger wechseln möchte, beauftragt er in der Regel den neuen Lieferanten, alle nötigen Schritte einzuleiten, inklusive der Kündigung beim alten Anbieter. Der neue Lieferant nimmt daraufhin sowohl mit dem alten Versorger als auch mit dem Netzbetreiber Kontakt auf und weist auf den Wechsel hin. Zur Identifizierung des Kunden muss er lediglich den Namen und die Adresse sowie eine weitere klar zuzuordnende Information angeben.“

Letzteres kann zum Beispiel die Nummer des Strom- bzw. Gaszählers sein, aber auch die Zählpunktbezeichnung oder die bisherige Kundennummer samt dem Namen des alten Versorgers.

Der einfache Anbieterwechsel hat also seine Tücken. Die EVS rät deshalb, keine persönlichen Daten herauszugeben - auch keine Verbrauchsmengen oder Strom-/Gasrechnungen - und nichts voreilig zu unterschreiben. Wird am Telefon mit einer Preissteigerung gedroht, raten die Siegener Versorgungsbetrieben, sich die Nummer des Anrufers zu notieren und den eigenen Energieversorger zu informieren.

Betrüger wechseln Energievertrag: Das können Sie tun

Wer bereits auf die Betrüger hereingefallen ist, hat ein 14-tägiges Widerrufsrecht. „Wer während eines Vertragsabschlusses getäuscht wurde oder einen Vertrag einfach untergeschoben bekommen hat, muss dies natürlich nicht einfach hinnehmen“, so die EVS. Dann könne man sich auch juristisch zur Wehr setzen - muss die Machenschaften der Händler dann aber nachweisen können.

„This call is from Europol“: Der Anruf vermeintlicher Ermittler kam schon bei einigen Menschen in Deutschland an. Dahinter stecken Betrüger. So reagiert man richtig.

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