Vorfall am Bahnhof in Nordbögge

Unglaublicher Millionen-Betrug? Ein Mann opfert seine Hand - es war schon der zweite Versuch

Im Oktober 2018 zog sich der Angeklagte absichtlich Verletzungen zu, um die Versicherungssumme einzustreichen. Dafür wurde der Mann nun verurteilt.
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Im Oktober 2018 zog sich der Angeklagte absichtlich Verletzungen zu, um die Versicherungssumme einzustreichen. Dafür wurde der Mann nun verurteilt.

Lieber arm dran, als Arm ab - das Sprichwort galt wohl nicht für diesen Mann: Des Geldes wegen soll er seine Hand geopfert haben. Er soll das lang geplant haben. 

  • Ein Mann aus Bönen (NRW) soll seine Hand unter einen fahrenden Zug gelegt haben, um sechs Millionen zu bekommen
  • Seine Ex-Freundin ist die Hauptbelastungszeugin
  • Der Mann bestreitet die Vorwürfe

Bönen/Dortmund – Ein Mann aus Bönen hat nach Überzeugung der Justiz nicht davor zurück geschreckt, für ein millionenschweres Betrugsmanöver seine eigene Hand zu opfern. Der Versuch misslang, brachte dem 45-jährigen nun aber vor dem Dortmunder Schöffengericht eine Gefängnisstrafe von zweieinhalb Jahren ein. Der gelernte Groß- und Einzelhandelskaufmann gilt als überführt, versucht zu haben, gleich neun Versicherungen um mehr als sechs Millionen Euro an Versicherungsleistungen zu prellen.

Der Angeklagte hatte behauptet, dass er am 31. Oktober 2018 mit dem Fahrrad und einem geschulterten Tretroller seiner Tochter um 3.23 Uhr zum Bahnhof Nordbögge gefahren sei. Um den auf Gleis 2 stehenden Zug noch zu erreichen, sei er mit dem Tretroller auf den Bahnsteig gefahren, um den Regionalexpress noch zu erreichen.

Angeklagter ruft selbst Notarzt

Dabei sei er ins Trudeln geraten und mit Hand und Tretroller zwischen Bahnsteig und Zug geraten. Durch den gerade anfahrenden Zug sei er wenige Meter mitgeschleift worden und habe sich dabei die Hand verletzt.

Zu nächtlicher Stunde alarmierte der Verletzte selbst den Rettungsdienst, wurde nach Dortmund ins Krankenhaus gebracht, wo ihm die linke Hand abgenommen werden musste. Noch aus dem Krankenhaus heraus meldete er seine vermeintlichen Ansprüche bei einer der neun eigens abgeschlossenen Versicherungen an. Dabei hatte er offenbar stets Wert darauf gelegt, dass Verletzungen der Hände und Arme in besonders hohem Maße entschädigt werden.

Erster Versuch mit Krokodil scheitert

Ans Tageslicht kam das bizarre Betrugsmanöver durch die Angaben seiner ehemaligen Freundin, die sich an die Behörden wandte und davon berichtete, dass ihr Ex-Partner den betrügerischen Angriff auf die Versicherungen mittels Selbstverstümmelung schon von langer Hand genau geplant habe.

Bereits 2014 habe er schon einmal versucht, auf diese kriminelle Weise an viel Geld gekommen. Damals habe er in einem Australienurlaub mithilfe eines Komplizen letztlich vergeblich vorgetäuscht, von einem Krokodil in die Hand gebissen worden zu sein

Keine Zeugen in Nordbögge

Das Schöffengericht hatte keinerlei Zweifel daran, dass die Hauptbelastungszeugin die Wahrheit gesagt hat, auch sprächen diverse Indizien für seine Schuld. So habe niemand am Bahnsteig in Nordbögge oder im Regionalzug ein Unfallgeschehen bemerkt, auch seien keine Blutspuren gefunden worden, die ein Unfallgeschehen erklären würden. 

Ebenfalls unglaublich ist dieser gelungene Betrug: Enkeltrick-Betrüger sahnen eine riesige Summe ab - fragwürdig bleibt, warum die Bank keinen Verdacht schöpfte.

Der angeklagte Mann aus Bönen beteuerte während des mehrstündigen Prozesses wiederholt vehement seine Unschuld und sah sich als Opfer von Lügen seiner Ex-Freundin. Er habe keine finanziellen Probleme und habe es nicht nötig, auf diese Weise an Geld zu gelangen. Staatsanwaltschaft und Gericht glaubten ihm allerdings nicht. Der Verurteilte kann nun das Urteil in der nächsthöheren Instanz vor dem Dortmunder Landgericht anfechten.

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