Aufhebung der Impfpriorisierung

Betriebsärzte dürfen bald impfen: Gibt es für alle ausreichend Impfstoff?

Mit der Aufhebung der Impfpriorisierung ab dem 7. Juni können auch Betriebsärzte gegen das Coronavirus impfen. Aber gibt es dafür überhaupt genug Impfstoff?

Hamm - Die Impfpriorisierung wird bundesweit ab dem 7. Juni aufgehoben. Damit kann sich ab diesem Datum jeder Bürger in Deutschland und NRW um einen Corona-Impftermin bemühen. Auch Betriebsärzte sollen in die Impfungen einbezogen werden. Einige Betriebe haben bereits eigene Impfzentren errichtet. Doch woher kommt der Corona-Impfstoff dafür? (News zum Coronavirus)

LandDeutschland
Einwohner83.190.556 (30. September 2020)
Bundesländer16

Betriebsärzte dürfen ab Aufhebung der Impfpriorisierung impfen - reicht der Corona-Impfstoff?

Westfleisch ist zum Beispiel vorbereitet: Die Firma hat in Bönen ein eigenes Impfzentrum errichtet, um seinen 7000 Mitarbeitern Corona-Schutzimpfungen anbieten zu können. Die Betriebsärzte sind bereit. Loslegen können sie jedoch nicht. Noch gibt es keinen Corona-Impfstoff für sie.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte vor wenigen Wochen angekündigt, dass derzeit zwar noch viele auf einen Impftermin warten, es jedoch in ein paar Wochen mehr Impfstoff als Impfwillige gebe. Derzeit sieht es noch nicht so aus: Trotz der nach wie vor geltenden Impfreihenfolge in Nordrhein-Westfalen haben Bürger aus der zweiten und dritten Prioritätsgruppe noch immer keinen Impftermin. Einige NRWler nutzen Urlaub oder die kurzen Strecken und fahren in andere Bundesländer, um dort schneller gegen das Coronavirus geimpft zu werden. Eigentlich hätten sie in NRW schon lange einen Anspruch auf einen Termin.

Impfpriosierung fällt am 7. Juni - wer darf dann geimpft werden?

Jetzt kommen bald noch mehr Menschen hinzu. Ab dem 7. Juni fällt die Impfpriorisierung, jeder kann sich um einen Termin bemühen. Auffangen sollen den Ansturm auch die Betriebsärzte. Geimpft vom jeweiligen Betriebsarzt können laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn alle Betriebsangehörigen - unabhängig davon, in welcher Stadt sie leben. In einem Entwurf der Impfverordnung ist laut dpa ausdrücklich auch von Grenzpendlern und Saisonarbeitern die Rede.

Doch gibt es ausreichende Dosen von Biontech, Astrazeneca und Moderna? Die Beschaffung der Corona-Impfstoffe selbst ist eine Bundesangelegenheit. Die Betriebsärzte werden direkt vom Bund versorgt.

Die Lieferprognosen für die Arztpraxen und Betriebsärzte für ganz Deutschland finden Sie für den Juni in der folgenden Liste. Die Ärzte erhalten außerdem in der letzten Maiwoche Biontech, Astrazeneca und noch 540.000 Impfdosen von Johnson&Johnson. Ab Juni gibt es dann planmäßig ausschließlich Biontech vom Bund.

Geplante Impfstofflieferung für Arztpraxen und Betriebsärzte in Deutschland ab Juni:

  • Kalenderwoche 22: 3.433.950 
  • Kalenderwoche 23: 3.621.150
  • Kalenderwoche 24: 3.603.600
  • Kalenderwoche 25: 3.638.700 
  • Kalenderwoche 26: 3.703.050

Den gesamten Juni über plant die Bundesregierung Hausärzte und Betriebsärzte mit durchschnittlich etwa 3,6 Millionen Dosen in der Woche zu versorgen. Es handelt sich hierbei nur um Prognosen und keine tatsächlichen Zahlen. Lieferungen von Astrazeneca, Johnson & Johnson sowie Curevac würden je nach Lieferplan der Unternehmen hinzukommen.

Warum der Bund Curevac erwähnt, ist derzeit noch unklar. Der neue Impfstoff ist noch nicht zugelassen.

Impfungen beim Betriebsarzt: So viel erhalten die Ärzte in der ersten Woche maximal

Die Bundesregierung stellte klar, dass die Betriebsärzte in der ersten Woche vom Bund zunächst jeweils höchstens 804 Impfdosen des Corona-Impfstoffs von Biontech erhalten werden, wie dpa berichtet. Der erste Ansturm wird je nach Betriebsgröße also voraussichtlich für Chaos sorgen.

Der Apothekerverband Nordrhein warnte, dass es bei diesem Vorgehen zu Ungerechtigkeiten kommen könne und zu einer „Zwei-Klassen-Gesellschaft“. Der Vorsitzende des Verbands, Thomas Preis, sagte der Rheinischen Post: „In kleinen und mittelständischen Unternehmen sind deutlich über die Hälfte der Arbeitenden beschäftigt, diese haben aber meist keinen fest angestellten Betriebsarzt und könnten nicht impfen.“ Stattdessen sollten die Mitarbeiter kleinerer Betriebe lieber in Impfzentren und bei größeren Unternehmen geimpft werden.

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow

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