Ermittlung im „Cold Case“

Mord an Anne Saußen in Bergkamen im Jahr 1998 - Polizei bittet um Hinweise zu bestimmtem Gegenstand

1998 wurde Anne Saußen in ihrer Wohnung in Bergkamen-Oberaden Opfer eines Raubüberfalls. Sie erstickte.
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1998 wurde Anne Saußen in ihrer Wohnung in Bergkamen-Oberaden Opfer eines Raubüberfalls. Sie erstickte.

22 Jahre nach dem Mord an Anne Saußen in Bergkamen hat die Polizei Spuren neu ausgewertet. Sie führen nach Hamm. Polizei und Staatsanwaltschaft bitten die Bevölkerung um Mithilfe.

Update vom 10. Dezember 2020: Im November gaben Polizei und Staatsanwaltschaft bekannt, dass sie den Raubmord an der 84-jährigen Anne Saußen in Bergkamen neu aufrollen. Sie schilderten den Fall von 1998 ausführlich - und baten die Bevölkerung um Mithilfe. Am Donnerstag, 10. Dezember, wiederholten sie nun den Aufruf - und konkretisieren Angaben zu einer Leiter, die damals für den Einstieg in die Wohnung des Opfers genutzt worden war.

StadtBergkamen
KreisKreis Unna
Fläche44,9 km²
Einwohner50.407
BürgermeisterBernd Schäfer

Es handelt sich demnach um eine ausziehbare Alu-Leiter, die aus einem Götzen-Baumarkt - vermutlich in Hamm - stammte und damals 339 DM kostete. Nach dem Raubmord wurde die Leiter am Tatort zurückgelassen. Bei der Leiter handelt sich dabei laut Polizei und Staatsanwaltschaft um eine dreiteilige Anlegeleiter. Jedes Teilstück hat eine Länge von 240 Zentimetern.

Raubmord in Bergkamen vor 22 Jahren: Täter benutzten Leiter für Einstieg in Wohnung von Anne Saußen

Laut Polizei und Staatsanwaltschaft Dortmund sollen die Täter diese Leiter in Hamm gestohlen haben.

„Den Ermittlungen zufolge waren die Täter mit der Handhabung der Leiter nicht vertraut. Es ist daher anzunehmen, dass sich die Täter die Leiter vor dem Tattag, dem 24. März 1998, besorgt hatten“, heißt es.

Die Polizei bittet um Mithilfe: „Wer hatte bis zur Tatzeit, dem 24. März 1998, eine solche Alu-Leiter im Besitz? An wen wurde eine solche Alu-Leiter vor dem 24. März 1998 übergeben? Sollte die Leiter aus einem Eigentumsdelikt stammen, wäre dieses mittlerweile verjährt.“

Raubmord an Anne Saußen in Bergkamen vor 22 Jahren: Entscheidende Hinweise werden belohnt

Für Hinweise, die zur Ergreifung der Täter führen, hat die Staatsanwaltschaft eine Belohnung in Höhe von 5000 Euro ausgelobt. Hinweise nimmt die Kriminalwache der Dortmunder Polizei unter der Telefonnummer 0231/132-7441 oder per E-Mail an kwache.dortmund@polizei.nrw.de entgegen.

Raubmord an Anne Saußen in Bergkamen vor 22 Jahren wird neu aufgerollt - das sind die Details

Berichterstattung vom 13. November 2020: Dortmund/Bergkamen - „Nachbarin fand Opfer geknebelt und gefesselt in der Wohnung“ lautete die Überschrift des Westfälischen Anzeigers am 25. März 1998 zu einem mutmaßlichen Raubmord an einer 84-Jährigen. Über 8000 Tage nach der Tat in Oberaden suchen Polizei und Staatsanwaltschaft Dortmund jetzt in einem sogenannten Cold Case nach dem Täter.

Das Verbrechen liegt schon über 20 Jahre zurück – und doch haben die Ermittler noch Hoffnung, den oder die Täter nun endlich finden zu können.

Raubmord in Bergkamen: Nach 22 Jahren gibt es eine neue Spur im Mordfall Anne Saußen

Das Mordopfer Anne Saußen war verwitwet und lebte alleine in einem Vierfamilienhaus an der Straße Am Boirenbusch 15. Der Überfall auf sie ereignete sich in der Nacht zum 24. März 1998. Der oder die Täter knebelten Anne Saußen und durchsuchten ihre Wohnung im ersten Obergeschoss. Das Opfer erstickte und wurde erst am nächsten Morgen tot aufgefunden.

Tatort in Bergkamen-Oberaden: Anne Saußen wurde in ihrer Wohnung an der Straße Am Borienbusch ermordet.

Nachbarn berichteten damals, dass die alte Dame fast den ganzen Tag am Fenster gesessen und aus dem Fenster geschaut hätte. In der Tatnacht habe aber niemand etwas mitbekommen. Der Fall blieb ungelöst.

Gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft rollt die Polizei Dortmund diesen Altfall jetzt 22 Jahre nach der Tat wieder auf und setzt dabei auf neueste wissenschaftliche Erkenntnisse zur Auswertung von DNA-Spuren, appelliert aber auch an mögliche Zeugen. „Damals sind Spuren gesichert worden, an denen menschliche DNA festgestellt worden ist. Die Methoden damals und heute sind aber sehr unterschiedlich gewesen“, erklärt die zuständige Staatsanwältin Sandra Lücke auf Anfrage.

Heutige Methoden seien sehr viel feiner, mit der Folge, dass deutlich mehr Allele, also unterschiedliche Varianten eines Gens, an einer bestimmten Stelle gefunden werden könnten. So sei es möglich, in dem damals genommenen Material durch Aufbereitung mehr Merkmale zu finden. „Dadurch erhöht sich die Trefferwahrscheinlichkeit“, so die Staatsanwältin weiter. Eine mögliche Identifizierung des oder der Täter sei zumindest nicht auszuschließen.

Neue Spur 22 Jahre nach dem Raubmord: Mordkommission „Saußen“ hofft darauf, dass Täter ihr Gewissen erleichtern wollen

„Wir vermuten, dass es dem Täter damals um Geld und andere Wertgegenstände ging“, erklärt Lücke. „Es spricht einiges dafür, dass der oder die Täter sich das Opfer gezielt ausgesucht haben. Wir hoffen durch den erneuten Aufruf in der Öffentlichkeit auf eine heiße Spur.“

Der oder die Täter waren damals mithilfe einer Ausziehleiter über das Badezimmerfenster in die Wohnung des Opfers im ersten Obergeschoss eingestiegen. Ermittlungen lassen die Vermutung zu, dass die Leiter aus einem Diebstahl in einer Filiale der ehemaligen Baumarktkette „Götzen“ in Hamm stammt. Zudem bestätigte die Staatsanwaltschaft einen Tag nach der Tat, dass die Telefonleitungen zum Haus durchgeschnitten waren. Dies sei allerdings nicht zum ersten Mal passiert.

Anne Saußen erstickte in ihrer Wohnung in Bergkamen-Oberaden

Die Ermittler hoffen nun nicht nur auf neue Zeugen, sondern auch auf das schlechte Gewissen der oder des Täters. „Wir wissen von vielen ähnlich gelagerten Fällen, dass Täter, Tatbeteiligte oder Mitwisser die seelische Last einer solchen Tat oft lange mit sich herumtragen“, sagt der Leiter der Mordkommission „Saußen“, Gregor Schmidt.

„Deshalb gilt unser Aufruf insbesondere den Personen, die etwas über diesen Fall wissen, uns aber bisher noch nichts dazu gesagt haben. Und auch der Täter könnte jetzt nach über zwei Jahrzehnten des Schweigens endlich sein Gewissen erleichtern.“ Für Hinweise, die zur Ergreifung des Täters oder der Täter führen, hat die Staatsanwaltschaft eine Belohnung in Höhe von 5000 Euro ausgesetzt.

Raubüberfall in Bergkamen-Oberaden: Das Passfoto der Verstorbenen.

Mord verjährt nie. Deshalb hat das Landeskriminalamt (LKA) Nordrhein-Westfalen eine hohe Anzahl ungeklärter Mordfälle in eine „Cold Cases“-Datenbank aufgenommen und arbeitet diese systematisch ab. Auch der Fall Saußen ist einer dieser „Cold Cases“. Profiler der OFA (Operative Fallanalyse) beim LKA NRW recherchieren beispielsweise mögliche Tatzusammenhänge, rekonstruieren Tatabläufe und leiten Motive her. Die Altfälle reichen bis in die 1970er-Jahre zurück. „Wir hoffen aufgrund der neuen Ermittlungen auch in diesem Fall auf eine Aufklärung“, sagen Staatsanwältin Sandra Lücke und MK-Leiter Gregor Schmidt.

Polizei bittet um Hinweise

Personen, die Hinweise zum Raubmord geben können, können sich bei der der Dortmunder Polizei unter Telefon 0231/132-7441 oder per E-Mail an kwache.dortmund@polizei.nrw.de melden. Zuständige Staatsanwältin ist Sandra Lücke, Staatsanwaltschaft Dortmund (0231/926-26123).

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