Fälle in Bergkamen, Kamen und Menden

Makaberer geht es nicht: Betrüger gibt sich als corona-erkrankter Sohn aus

[Update, 27. August, 13.15 Uhr] Falsche Polizisten hier, der vermeintliche Sohn dort: Betrüger haben mit bekannten Maschen versucht, 90-Jährige übers Ohr zu hauen. Eine Bankmitarbeiterin roch den Braten. In einem anderen Fall wurde eine Seniorin allerdings zum Betrugsopfer.

  • In Bergkamen und Kamen (Kreis Unna) sowie in Menden (Märkischer Kreis) haben Betrüger ihr Unwesen getrieben.
  • Sie wollten Senioren um deren Vermögen bringen - und hatten in einem Fall Erfolg.
  • In einem Fall reagierte eine Bankmitarbeiterin richtig, in einem weiteren das Opfer selbst.

Bergkamen/Kamen/Menden - Die Kreispolizeibehörden Unna und Märkischer Kreis haben bereits am Mittwoch (26. August) von versuchten Betrugsfällen in ihrem Zuständigkeitsbereich berichtet. Am Donnerstag (27. August) musste die Kreispolizeibehörde Unna erneut berichten - diesmal von einem Fall, in dem Betrüger Erfolg hatten.

Wir fassen alle Fälle hier zusammen.

Betrüger gibt sich als Sohn aus - und berichtet von Corona-Erkrankung

Unter dem Vorwand einer Corona-Erkrankung haben unbekannte Betrüger die Sorge einer Seniorin geweckt und einen größeren Bargeldbetrag erlangt, teilte die Polizei im Kreis Unna am Donnerstag mit.

Am Mittwochmorgen rief demnach eine männliche Person bei der Seniorin an und gab sich als ihr Sohn aus, der erkrankt in einer Klinik liege und dringend Geld für die Behandlung benötige. Er nannte eine konkrete Summe, die die Seniorin aber nicht im Hause hatte.

Der vermeintliche Sohn erklärte laut Polizei dann, dass sie das verfügbare Bargeld in einen Umschlag packen und an eine Frau, die gleich bei ihr wäre, übergeben solle. Zudem wolle er sich später erneut telefonisch melden, um die weiteren Schritte zu besprechen.

Seniorin packt Geld für vermeintliche Corona-Erkrankung in Umschlag

Die Seniorin packte schließlich einen fünfstelligen Bargeldbetrag in einen Umschlag und übergab ihn einer unbekannten Frau, die wenige Minuten später, gegen 11 Uhr, bei ihr klingelte. Die Unbekannte entfernte sich sofort wieder, so die Polizei weiter.

Die Unbekannte wird laut Polizei wie folgt beschrieben: etwa 30 bis 40 Jahre alt, ungefähr 1,63 Meter groß und von stabiler Statur. Sie soll südländischer Herkunft gewesen sein und trug einen dunklen Mantel, eine dunkle Hose, ein Kopftuch, eine Brille und einen Mundschutz und hatte eine Handtasche bei sich.

Wer hat die Frau am Mittwoch gegen 11 Uhr im Bereich der Heerener Straße in Heeren-Werve gesehen? Hinweise bitte an die Polizei in Kamen unter der Rufnummer 02307 921 3220 oder 921 0 entgegen.

Betrüger gaukelt vor, an Corona erkrankter Sohn zu sein

In Bergkamen spielte ein Unbekannter einem 90-jährigen Mann am Dienstag (25. August) am Telefon vor, dessen an Corona erkrankter Sohn zu sein. "Er würde nun auf der Intensivstation liegen und dringend eine größere fünfstellige Summe Bargeld für die kostspielige Behandlung benötigen. 

Der Geschädigte eilte zu seinem Geldinstitut und erklärte seiner Beraterin, dass er dringend einen größeren Bargeldbetrag benötige. Der Frau kam das Anliegen des aufgeregten Mannes verdächtig vor und sie informierte die Polizei", teilten die Ermittler mit.

So sei zum Glück verhindert worden, dass der Bergkamener seine Ersparnisse einem Betrüger übergeben habe. Am Dienstag seien im Kreisgebiet wieder mehrere betrügerische Anrufe verzeichnet worden, die aber in keinem Fall zu einer Geldübergabe geführt hätten.

Übrigens: Nach dem identischen Strickmuster gingen Telefon-Berüger auch in Hagen vor. Nach Angaben der dortigen Polizei gab der Anrufer ebenfalls vor, ein Verwandter zu sein und von einem Krankenhaus aus zu telefonieren. Dort sei er positiv auf das Coronavirus  getestet worden - dem Opfer werde während des Telefonats ein sehr schlechter Gesundheitszustand vorgespielt. Lediglich ein teures Medikament aus den USA könne den Verwandten vor der drohenden Intensivstation retten. Eine 79-Jährige Hagenerin durchschaute die Masche, es kam auch hier nicht zu einer Geldübergabe.

Falsche Polizisten mit Handykamera verschreckt

In Menden wäre beinahe ein älteres Ehepaar auf falsche Polizeibeamte hereingefallen. "Als der Geld-Abholer gegen 19 Uhr an der Haustür an der Werler Straße klingelte, empfing ihn der misstrauische 90-jährige Ehemann jedoch mit dem Handy in der Hand. Bevor der Senior ein Foto machen konnte, ergriff der Betrüger die Flucht", so die Polizei. So schnell aber gaben die Betrüger nicht auf...

Ein Anrufer habe sich bei dem Ehepaar als Polizeibeamter der Wache in Menden ausgegeben. "Er tischte der Seniorin eine der üblichen Lügengeschichten auf. Angeblich sollte ein Überfall bevorstehen, weshalb das Ehepaar unbedingt sein Vermögen in Sicherheit bringen müsse. Stundenlang telefonierten die Betrüger mit der Frau", so der Ermittler aus dem MK.

Opfer-Ehepaar stimmte der Geld-Übergabe zu

Am Ende habe die verunsicherte Frau einer Geld-Übergabe zugestimmt. Nur wenige Stunden nach dem ersten Anruf habe dann tatsächlich ein Abholer vor der Tür gestanden, um das Geld der Senioren in vermeintlich "sichere Verwahrung" zu nehmen.

"Als der 90-jährige Ehemann die Handykamera zückte, um ein Foto zu machen, ergriff der Unbekannte zwar die Flucht. Geld wurde nicht übergeben. Doch die Täter wähnten sich so nahe am Ziel, dass sie ihre Opfer weiter bearbeiteten. 

Parallel erreichte der misstrauische Senior einen Verwandten, der die echte Polizei informierte. Die konnte um 20.53 Uhr einen Streifenwagen losschicken. Die Ermittler hoffen nun, dass der Unbekannte beobachtet wurde.

Polizei hofft auf Hinweise auf Person oder Fahrzeug

Er ist ca. 25 Jahre alt, 1,70 bis 1,75 Meter groß und hat eine schlanke Statur, dunkle Haare und helle Haut. Er trug einen beigefarbenen Overall und einen schwarzen Mund-/Nase-Schutz. Möglicherweise ist er mit einem Fahrzeug mit auswärtigem Kennzeichen angereist, das einige Zeit im Bereich der Werler Straße geparkt haben könnte", so die Polizei.

Ähnlich wie im Kreis Unna habe es auch in Menden am Montag mehrere Anrufe gegeben. Eine Mendener Polizeistreife sei praktisch den ganzen Nachmittag damit beschäftigt gewesen, Anzeigen von Senioren aufzunehmen und ihnen Verhaltenshinweise zu geben - bis zu dem Vorfall in der Werler Straße. 

Betrüger am Telefon: Das raten die Kreispolizeibehörden

  • Fordern Sie Anrufer grundsätzlich dazu auf, den Namen des vermeintlichen Verwandten selbst zu nennen. Lassen Sie sich nicht dazu verleiten, Namen zu erraten.
  • Wenn Sie Anrufer nicht sofort erkennen: Fragen Sie nach Dingen/Begebenheiten, die nur der echte Verwandte kennen kann.
  • Rufen Sie Verwandte unter der Ihnen bekannten Telefonnummer zurück.
  • Geben Sie keine Details zu Ihren familiären oder finanziellen Verhältnissen preis.
  • Wenden Sie sich sofort an die Polizei unter 110, wenn Ihnen die Situation verdächtig erscheint.

Rubriklistenbild: © Cedric Nougrigat

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