VRR Stationsbericht 2020

Bahnhöfe in NRW im Test: Fünf Bahnhöfe im Ruhrgebiet sind eine Katastrophe

Viele Bahnhöfe in NRW sind verbesserungswürdig, bei manchen ist der Zustand sogar „nicht tolerierbar“. Zu diesem Schluss kommt der VRR. Einige davon liegen im Ruhrgebiet.

NRW – Übler Geruch, schummeriges Licht und der Aufzug ist auch wieder kaputt: Viele Reise und Pendler kennen mindestens einen Bahnhof in NRW, der sie schaudern lässt. Einige dieser Stationen liegen laut einem Test des Verkehrsverbunds Rhein-Ruhr (VRR) im Ruhrgebiet. Doch es gibt auch einige vorbildliche Stationen.

UnternehmenVerkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR)
Gründung1980
SitzGelsenkirchen

Bahnhöfe in NRW im Test: Was ist neu bei der Bewertung im Stationsbericht 2020 des VRR?

Die Bewertung der Bahn-Stationen des VRR ist neu und soll künftig aus Sicht der Reisenden erfolgen, schreibt der VRR in seinem Stationsbericht 2020 (PDF). Grundfrage ist dabei: Was erwarten Kunden von einem idealen Bahnhof? Und was davon finden sie vor? Zudem wird – ähnlich wie bei Sternen für Hotels – eine gewisse Mindestausstattung der Bahnhofsstationen vorausgesetzt: Namensschild der Station, Fahrkartenautomaten, Bänke und Mülleimer, ein Dach, (funktionierende) Lampen.

Der Hauptbahnhof in Bochum gilt laut VRR als „ordentlich“.

Bei Mängeln wie Graffiti, Gestank und Müll, kaputter Fahrkartenautomaten oder auch einer zu hohen Bahnsteigkante wird entsprechend abgewertet. Nicht mehr berücksichtigt wird jedoch, wer für die Instandhaltung des Bahnhofs zuständig ist. Erstmals wird zudem mit eingerechnet, zu welchem Grad ein Bahnhof barrierefrei ist.

Bahnhöfe in NRW im Test: Wie prüft der VRR die Stationen im Ruhrgebiet?

Untersucht haben die Profitester des VRR insgesamt 294 Stationen in NRW. Normalerweise wird jeder Bahnhof pro Quartal einmal besucht und bewertet. Für das Endergebnis werden die vier Werte gemittelt. Wegen der Corona-Pandemie hat der VRR im Jahr 2020 jedoch nur Werte für das dritte und vierte Quartal ermittelt.

Das Gesamtergebnis setzt sich zusammen aus den Bereichen:

  • Aufenthaltsqualität (60 Prozent)
  • Fahrgastinformationen (30 Prozent)
  • Barrierefreiheit (10 Prozent)

Im Gesamtergebnis wird dann anhand von vier Kategorien beurteilt, ob ein Bahnhof in gutem Zustand ist – oder ob Handlungsbedarf besteht und wo. Die Tester vergeben dazu die Prädikate:

  • „Ausgezeichnet“ (blau)
  • „Ordentlich“ (grün)
  • „Entwicklungsbedürftig“ (gelb)
  • „Nicht tolerierbar“ (rot)

Welche Bahnhöfe im Ruhrgebiet schneiden besonders schlecht ab?

Insgesamt schaffen es nur wenige Bahnhöfe in NRW in die beste Kategorie: Lediglich 23 der 294 Stationen erhalten diese Bewertung – das sind nur knapp 8 Prozent. Immerhin jeder dritte Bahnhof (97) ist „ordentlich“, mehr als die Hälfte der Stationen in NRW (159) gelten laut VRR als „entwicklungsbedürftig“. Ganz übel sind laut den Testern nur 15 Bahnhöfe in Nordrhein-Westfalen.

Dunkel und voller Graffiti: Mit dem Bahnhof in Essen-Frohnhausen sind die Tester nicht zufrieden. Er ist „nicht tolerierbar“.

Doch von diesen Stationen, die als „nicht tolerierbar“ gelten, liegen gleich mehrere im Ruhrgebiet. Das sind die fünf Stationen, an denen man sich als Fahrgast selbst dann nicht wohlfühlt, wenn man es wirklich will:

StadtBahnhof
Castrop-RauxelCastrop-Rauxel Süd
BochumBochum-Hamme
Bochum-West
EssenEssen-Frohnhausen
DuisburgDuisburg-Rheinhausen

Welche Bahnhöfe im Ruhrgebiet schneiden besonders gut ab?

Doch es gibt auch Stationen in NRW, die die Tester als geradezu vorbildlich einstufen. Auch solche Bahnhöfe finden sich im Ruhrgebiet – teilweise nur wenige Stationen entfernt von ihren hässlichen Verwandten. Denn wer vom „ausgezeichneten“ Hauptbahnhof in Mülheim an der Ruhr zum „ausgezeichneten“ Hauptbahnhof Essen fährt, der darf zwischendurch einen Blick auf die katastrophale Station in Essen-Frohnhausen werfen.

Diese Bahnhöfe im Ruhrgebiet schneiden laut VRR besonders gut ab:

StadtBahnhof
DortmundDortmund-Aplerbeck
Dortmund-Löttringhausen
WittenWitten Hauptbahnhof
EssenEssen-Hauptbahnhof
Essen-Eiberg
Mülheim an der RuhrMülheim (Ruhr) Hauptbahnhof

Diese (Haupt-)Bahnhöfe bieten laut VRR fast alles, was ein Reisender benötigt, sind sauber und größtenteils barrierefrei. Zahlreiche weitere Hauptbahnhöfe im Ruhrpott fallen aber zumindest unter die Kategorie „ordentlich“ – etwa die Hauptbahnhöfe in Bochum, Recklinghausen oder Bottrop.

Bahnhöfe 2020 in NRW im Test: Verbesserungen nötig – auch bei der Barrierefreiheit

Insgesamt ist das Fazit des VRR gemischt: „Insbesondere in der Kategorie Aufenthaltsqualität befinden sich rund 75 Prozent der Stationen in einem verbesserungswürdigen Zustand“, schreiben die Tester. Die Fahrgastinformationen seien jedoch überwiegend gut gewesen. „Hässlich, aber funktional“, könnte man also sagen. Beim Thema Barrierefreiheit sieht der VRR bei rund 40 Prozent der Bahnhöfe „erhöhten bis hohen Handlungsbedarf“.

Der VRR bewertet die Bahnhöfe im Ruhrgebiet mit einem Ampel-ähnlichen System. Blau bedeutet: „ausgezeichnet“.

Dem VRR ist dabei bewusst, dass derzeit viele Bahnhöfe umgebaut und modernisiert werden, etwa in Dortmund oder Haltern am See. Das neue Bewertungsverfahren soll so auch dazu dienen, Verbesserungsbedarf sichtbar und die Änderungen erkennbar zu machen, die mit dem Umbau einhergehen.

Rubriklistenbild: © Roland Weihrauch, Marcel Kusch/dpa; Collage: RUHR24

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