Schranken an Strecke Hamm-Welver werden zur Falle

Autofahrerin entgeht Katastrophe an Bahnübergang knapp - Wer ist Schuld?

An diesem Bahnübergang in Hamm-Süddinker kam es fast zur Katastrophe.
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An diesem Bahnübergang in Hamm-Süddinker kam es am Dienstagmorgen beinahe zu einer Katastrophe.

[Update 12.10 Uhr] Auf einem Bahnübergang auf der Strecke Soest-Welver-Hamm ist es beinahe zu einer Katastrophe gekommen. Doch der Schutzengel einer jungen Autofahrerin aus Werl war besonders aufmerksam.

Hamm/Welver/Werl - Eine so genannte „Anrufschranke“ im Hammer Ortsteil Süddinker wurde für eine Autofahrerin am Dienstagmorgen zur Falle. Gegen 7 Uhr fuhr die 27-jährige Frau aus Werl mit ihrem Suzuki einem Bagger hinterher, der zwischen den Straßen Im Hagen und Holthöfener Weg (siehe Google-Karte unten im Artikel) den Bahnübergang queren wollte. Dafür forderte der Baggerfahrer am entsprechenden Gerät vor der Schranke deren Öffnung an. Als sie von einem in Soest sitzenden Fahrdienstleiter geöffnet wurden, der Bagger rollte los. Das tat er recht langsam. Die Autofahrerin wollte die Gelegenheit nutzen und die Schienen gleich anschließend passieren. Doch das gelang ihr nicht.

Kaum dass sie ihr Fahrzeug über die Schienen rollte, fiel die zweite Schranke wieder in die Waagerechte, und die Frau fand sich im Beisein einer 52-jährigen Beifahrerin unvermittelt in einer hoch gefährlichen Situation wieder - zumal die Schranke hinter ihr ja auch wieder geschlossen wurde. In ihrer Not stieg sie aus, um die erneute Öffnung anzufordern. Weil sie in ihrer (berechtigten) Sorge aber nicht darauf warten wollte, habe sie ihren Wagen nach zwei bis drei Minuten - wie sie der Polizei sagte - geistesgegenwärtig so weit wie möglich aus dem Gefahrenbereich in den angrenzenden Schottergraben gefahren. Doch das reichte nicht.

Der Zug erwischte den Suzuki zum Glück nur an einer Ecke des Hecks .

Drama an Bahnübergang in Hamm: Zug erwischt Auto am Heck

Der Zugführer einer aus Soest heranrollenden Eurobahn sah das Auto zwar am Bahnübergang, konnte so schnell aber nicht bremsen - und erwischte die Stoßstange. Zum Glück „nur“ die Stoßstange, denn so entstand auf allen Seiten weit weniger Schaden als möglich gewesen wäre. Nach Angaben eines Polizeisprechers blieb an dem Eurobahnzug etwa 70 Meter langer Kratzer; der Sachschaden wird auf rund 10.000 Euro geschätzt. Am Suzuki entstand rund 3000 Euro Sachschaden.

Viel wichtiger aber: Niemand kam bei dem Unglück körperlich zu Schaden, weil die Autofahrerin geistesgegenwärtig richtig gehandelt hatte.

Dieser Eurobahnzug rammte den Suzuki der 27-Jährigen. Es entstand lediglich ein Kratzer mit rund 70 Metern Länge.

Drama an Bahnübergang in Hamm: 150 Fahrgäste im Zug

Während die Frau das Geschehen bangend auf der Straße mit ansah, blieb der Zug mit rund 150 Fahrgästen an Bord bis zum Ende der Unfallaufnahme durch Beamte der Hammer Polizei und der Bundespolizei rund anderthalb Stunden stehen. Der Übergang nahe des immer wieder gesperrten Bahnübergangs „Im Zengerott" blieb währenddessen für andere Verkehrsteilnehmer tabu. Vor Ort waren auch ein Notfallmanager der Bahn und Kräfte der Feuerwehr.

Anrufschranken, wie sie an wenig genutzten Strecken häufig verbaut sind, sind nicht unumstritten, etwa weil sie oft von Radfahrern umfahren werden, die nicht auf das Öffnen warten wollen. Ein eigenmächtiges Queren ist strafbar und kann richtig teuer werden.

Anrufschranken sind in der Regel geschlossen. Eine Öffnung muss von Verkehrsteilnehmern am Bedarfsmelder angefordert werden.

Drama an Bahnübergang in Hamm: Die Polizei ermittelt

Ob sich die Frau in diesem Fall strafbar gemacht hat, weil sie „die Gelegenheit nutzen“ wollte, ist unklar und Gegenstand der weiteren Ermittlungen, sagte ein Sprecher der Bundespolizei auf Nachfrage. Ermittelt werde nun wegen „gefährlichen Eingriffs in Schienenverkehr“, ergänzte ein Hammer Polizeisprecher. Seinen Angaben zufolge gibt es an dem abgelegenen Übergang keine Schilder, wie sich Autofahrer verhalten sollen. Grundsätzlich sei es so, dass der Stellwerksleiter (der den Bereich nicht sehen kann) die Schranken schließt, wenn sich kein weiterer Verkehrsteilnehmer meldet. Das geschehe zumeist nach 30 bis 60 Sekunden. Die entsprechende akustische Ankündigung sei jedoch bei geschlossenen Fenstern nicht unbedingt zu hören.

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