Mann aus Menden vor Gericht

Auf der A1: Überholduell zwischen Autofahrer (21) und Doppeldecker-Bus

Zwei Männer liefern sich ein Überholduell auf der Autobahn 1 bei Bergkamen.
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Zwei Männer liefern sich ein Überholduell auf der Autobahn 1 bei Bergkamen.

"Ich weiß auch nicht, was mich da geritten hat", sagte der junge Mann aus Menden. Kaum nachvollziehbar ist das Duell, das sich ein Hamburger und der Mendener auf der A1 lieferten.

Bergkamen/Menden – Es war ein wahres Überholduell, das sich ein 21-jähriger Mendener mit einem Pkw und ein Mann aus Hamburg mit einem 32 Tonnen schweren, zum Wohnmobil umfunktionierten Doppeldeckerbus auf der A1 Richtung Bremen auf Bergkamener Stadtgebiet lieferten. 

Der Jugendrichter im Amtsgericht Menden hatte nun die Aufgabe, zu klären, wer eigentlich wen wie genötigt hatte. Keine leichte Angelegenheit, wie sich schnell herausstellte. Klar war, dass sich die beiden Fahrzeuge mehrfach gegenseitig überholt hatten. Dabei soll der 21-Jährige sich dicht vor den Hamburger gesetzt und ihn immer wieder bis auf 40 Stundenkilometer heruntergebremst haben. 

Teilweise nur ein Meter Platz zwischen den Fahrzeugen

So sei es nicht gewesen, gab der Angeklagte an. Vielmehr habe ihn der Busfahrer bedrängt, teilweise nur einen Meter Platz zwischen sich und dem Pkw des Mendeners gelassen und zudem irgendwann permanent das Fernlicht eingeschaltet. 

Das wiederum sah der Mann aus dem Norden ganz anders. Fernlicht habe er nicht an gehabt. „Er wurde vor mir immer langsamer, da musste ich ihn überholen“, erklärte der 53-Jährige. Der Angeklagte habe ihn aber nicht vorbeilassen wollen und Gas gegeben. Eine Zeugin, die sich zur Tatzeit ebenfalls mit ihrem Wagen auf der Autobahn befand, bestätigte diesen Vorgang. Der Angeklagte sei schließlich vor dem Bus auf die linke Spur gewechselt und habe dann gebremst. 

Bahn an der Autobahn-Ausfahrt Hamm/Bergkamen verlassen

Der 21-Jährige stellte sich indes weiterhin als das Opfer dar. Er habe sogar an der Ausfahrt Hamm/Bergkamen die Bahn verlassen, obwohl er noch weiter hätte fahren müssen. Er habe niemanden genötigt. Das konnten aber weder der Richter, noch die Vertreterin der Staatsanwaltschaft glauben. Ein Freispruch kam daher nicht in Frage. 

Und auch bei dem Vorschlag der Verteidigerin, das Verfahren einzustellen, taten sich die beiden schwer. „Das ist starker Toback auf der Autobahn. Es ist massiv, was er getan hat. Alle Beteiligten haben Glück gehabt“, fasste der Vorsitzende das Verhalten des Angeklagten zusammen. Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft lehnte eine Einstellung zunächst ab, weil ihr beim 21-Jährigen die Einsicht fehlte, etwas falsch gemacht zu haben. 

Junger Mann aus Menden: "Ich weiß nicht, was mich da geritten hat"

Kurz darauf näherte sich der Angeklagte plötzlich doch einem Geständnis an: „Ich weiß nicht, was mich da geritten hat. Es tut mir leid.“ Damit hatte der Mendener die Kurve noch einmal gekriegt – das Verfahren wurde vorläufig eingestellt. 

Dennoch sollte der Angeklagte spüren, dass er sich falsch verhalten hatte. Von seinem monatlichen Azubigehalt in Höhe von etwa 450 Euro muss er als Auflage für eine endgültige Einstellung 800 Euro an die Verkehrswacht zahlen.

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