Oberhausen

Auffrischungsimpfung gegen Corona: Bewohner von Seniorenheim wiederbelebt

Die Auffrischungsimpfungen gegen Corona sind gestartet. In einem Seniorenheim in NRW mussten Bewohner wiederbelebt werden. Gibt es einen Zusammenhang?

Hamm - Während Bund und Länder vielerorts noch generell für Impfungen gegen das Coronavirus werben müssen, steht für einige Personengruppen sogar schon die dritte, die Auffrischungsimpfung an. Sie sind unter anderem schon für Pflegebedürftige, Menschen mit Immunschwäche und ab 80 Jahren möglich. Nun gibt es wohl erste Fälle mit Komplikationen.

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Auffrischungsimpfung in NRW: Wiederbelebungsmaßnahmen nach dritter Corona-Impfung im Seniorenheim

Denn in einem Seniorenheim in Oberhausen (Nordrhein-Westfalen) habe es nach der Corona-Auffrischungsimpfung offenbar bei mehreren Personen ernste Probleme gegeben. Die Stadt habe dem dies dem WDR bestätigt. Demnach haben zwei Bewohner eines Altenheims im Oberhausener Stadtteil Holten drei Tage nach der dritten Impfung gegen das Coronavirus wiederbelebt werden müssen. Insgesamt sei es nach Angaben der Stadt bei etwa 10 Prozent der Geimpftem zu auffälligen gesundheitlichen Störungen gekommen.

Es müsse jedoch noch überprüft werden, ob tatsächlich ein Zusammenhang zwischen den Wiederbelebungsmaßnahmen und der dritten Corona-Impfung besteht. Insgesamt hätten in dem betroffenen Seniorenheim 90 Menschen eine Auffrischungsimpfung erhalten.

Auffrischungsimpfung in NRW: Patienten nach Wiederbelebungsmaßnahmen in stationärer Behandlung

Die beiden betroffenen Senioren würden aktuell noch stationär behandelt, teilte die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Nordrhein am Mittwoch auf Anfrage unserer Redaktion mit: „Sie waren zunächst auf der Intensivstation, befinden sich jetzt aber auf der Normalstation.“ Weitere Fälle mit schwerwiegenden Nebenwirkungen in Nordrhein-Westfalen infolge von Auffrischungsimpfungen seien nicht bekannt.

In einem internen Schreiben der Kreisstelle der KV Nordrhein an niedergelassene Ärzte, das unserer Redaktion vorliegt, heißt es: „Ich möchte es nicht versäumen, Ihnen diese Vorfälle mitzuteilen. (...) Ich würde Sie bitten, selber ärztlich zu entscheiden, ob Sie auf eine Empfehlung durch die Stiko beziehungsweise EMA warten oder ob die dritten Impfungen nun zeitlich bei Ihren eigenen Patienten so dringlich sind, dass Sie diese ohne Empfehlung durchführen müssen.“

Auffrischungsimpfung in Deutschland noch ohne Stiko-Empfehlung - Jens Spahn verteidigt Schritt

Der Beginn der sogenannten Booster-Impfungen für Senioren und Immungeschwächte im September war ohne Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko). Dies sei insbesondere „für Personen mit Vorerkrankungen und einem hohen Risiko für einen schweren Verlauf einer Covid-19-Infektion“ zu begrüßen, wie die KV Nordrhein unserer Redaktion mitteilte.  

Und weiter: „Wir gehen davon aus, dass die Stiko den Nutzen der Auffrischungsimpfung für diese Gruppe zeitnah belegt. Eine baldige Empfehlung wäre wünschenswert, um Unsicherheiten in den Praxen, aber vor allem auch unter Patientinnen und Patienten vorzubeugen. Ein generelles Aussetzen von Auffrischungsimpfungen ist allerdings - auch im Hinblick auf Vorfälle in Oberhausen - nicht notwendig.“

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte den Schritt vor der Stiko-Empfehlung Schritt jüngst verteidigt. „Ich will nicht warten, bis in den Pflegeheimen wieder Menschen sterben“, sagte Jens Spahn dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Er bezeichnete den zeitnahen Beginn der Auffrischungen als „vorausschauendes, vorsorgliches Handeln“.

Schließlich gebe es bereits „viele Studien, die eindeutig belegen, dass Booster-Impfungen für Hochbetagte, Pflegebedürftige und Menschen mit bestimmten Immunerkrankungen Sinn machen“, so der Bundesgesundheitsminister. Da Deutschland genügend Corona-Impfstoff habe, müsse auch gehandelt werden, sagte Jens Spahn.

Gesundheitsminister wollen Auffrischungsimpfungen ausweiten

Erst kürzlich hatten die Gesundheitsminister der Länder - darunter Karl-Josef Laumann (CDU) für Nordrhein-Westfalen - beschlossen, das Angebot für Auffrischungs-Impfungen auszuweiten. „Künftig können auch Bürgerinnen und Bürger über 60 Jahren nach ärztlicher Beratung und individueller Entscheidung eine Drittimpfung wahrnehmen - aber frühestens sechs Monate nach der ersten vollständigen Impfserie“, sagte der Vorsitzende der Länder-Ressortchefs, Klaus Holetschek (CSU) aus Bayern.

Angeboten werden solle dies zudem auch Pflegekräften in Alten- und Pflegeheimen und weiteren Einrichtungen für gefährdete Gruppen. Die Gesundheitsministerkonferenz hatte sich darüber hinaus auch auf einheitliche Quarantäne-Regeln an den Schulen geeinigt.

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

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