Nach dem Pergamon-Anschlag

Anti-Corona-Demo mit Nena? Attila Hildmann startet Aufruf auf Telegram

Nena, Michael Wendler, Xavier Naidoo und Attila Hildmann zusammen auf einer Demo gegen die Corona-Maßnahmen in Berlin? Wenn es nach dem veganen Koch geht, wird das bald Realität.

Hagen - Seine Feindbilder sind Kommunisten, Illuminaten, Rotarier, die Bundesregierung, Freimaurer und alle, die er dafür hält. Attila Hildmann ist von Deutschlands wohl bekanntestem veganen Koch (sein Bücher „Vegan for Fun“ und „Vegan for Fit“ landeten auf den Bestsellerlisten) zu einem von Deutschlands bekanntesten Verschwörungstheoretikern geworden. Seine Macht über „Querdenker“ und Corona-Leugner kann gefährlich werden. Jetzt will er Stars wie Nena und Schlager-Sänger Michael Wendler dazu bringen, an einer Anti-Corona-Demo teilzunehmen.

NameAttila Hildmann
Geburtsdatum22. April 1981 in West-Berlin
BerufAutor von Kochbüchern
BestsellerKochbücher Vegan for Fun und Vegan for Fit
WohnortBrandenburg (Quelle: Wikipedia)

Anti-Corona-Demo: Attila Hildmann startet wirren Aufruf via Telegram und richtet sich an Nena und Michael Wendler

Attila Hildmann schreibt auf Telegram bei seinem Aufruf zu einer Demo in Berlin von „Widerstand“ gegen die „BRD-Korona-Faschisten“ und eint damit viele Klischees über Verschwörungstheoretiker in sich. Hildmann verbreitet auf seinem Telegram-Kanal eine verstörende Mischung aus allerlei kruden Theorien, die Annahmen von Reichsbürgern, Antisemitismus, Rassismus und Angst vor dem Kommunismus verbinden. Alles natürlich immer in Großbuchstaben und oft mit einem Video auf Youtube als „Beweis“. In seiner Aufforderung zur Demo wendete sich Hildmann nicht nur an Nena und Michael Wendler,* sondern auch an AFD-Mitglieder und Corona-Leugner.

Mit seinem Telegram-Kanal erreicht Hildmann allerdings nur knapp 105.000 Abonnenten (Stand 21. Oktober). Dort nennt er die Bundeskanzlerin B‘nai-B‘rith-Illuminati Merkel, spricht von zionistischen Besatzerkontrukten, der Rothschild-Verschwörung und nennt den Inhalt des Pergamon-Museum in Berlin „Thron des Satans“. In dem Museum gibt es eine herausragende antike Sammlung, unter anderem der Pergamonaltar gehört dazu. Der Altar ist eine Rekonstruktion des Bauwerks aus dem 2. Jahrhundert vor Christi und enthält Friesen des Originals.

Anschlag auf das Pergamonmuseum in Berlin: Attila Hildmann und Xavier Naidoo bezeichnen es als „Sitz des Satans“

Recherchen der Zeit und von Deutschlandfunk hatten ergeben, dass am 3. Oktober bislang unbekannte Täter einen Anschlag auf das Museum und weitere auf der Museumsinsel in Berlin verübten. Dabei wurden unter anderem ägyptische Sarkophage beschädigt. Attila Hildmann hatte im August und September auf Telegram behauptet, dass das Pergamonmuseum in Berlin das Zentrum der „globalen Satanisten-Szene und Corona-Verbrecher“ sei.* Dort würden diese „nachts ihre Menschenopfer“ machen und „schänden Kinder“, schrieb der vegane Koch. Auch der ehemalige Popsänger Xavier Naidoo verbreitete diese Verschwörungstheorie via Telegram.

Aufruf via Telegram: Deswegen löscht der Messenger Falschmeldungen und Rassistisches nicht

Telegram löscht Falschmeldungen wie diese nicht, weil der Messenger viel Wert auf Meinungsfreiheit legt. Im Gegensatz zu Facebook und Co. fällt Telegram nicht unter das Netzwerkdurchsetzungsgesetz. Das Gesetz zielt darauf ab, Hasskriminalität, Fake News und andere strafbare Inhalte in sozialen Netzwerken zu bekämpfen. Facebook ist als Unternehmen dazu verpflichtet, Inhalte wie etwa Beleidigungen, Volksverhetzung oder Gewaltdarstellung zu löschen und Konten sperren. Telegram hingegen hat keine Verantwortung für die verschickten Inhalte der Nutzer, weil es zur Individualkommunikation dient und nicht wie Facebook, Instagram und Twitter als soziales Netzwerk.

Kommt es zu Löschungen, würden diese laut Telegram nicht „im Zusammenhang mit den lokalen Beschränkungen der Redefreiheit“ geschehen. „Wenn zum Beispiel Kritik an der Regierung in irgendeinem Land verboten ist, ist Telegram keinesfalls ein Teil solcher politisch motivierten Zensur. Dies verstößt gegen die Grundsätze unserer Gründer. Terroristische (z.B. ISIS-bezogene) Bots und Kanäle werden von uns blockiert, jedoch werden wir keinesfalls Nutzer daran hindern, auf friedliche Weise alternative Meinungen zum Ausdruck zu bringen.“

Attila Hildmann: Seine anderen Social-Media-Accounts wurden gelöscht

Der Hintergrund für diese Firmenpolitik ist allerdings keine Wertschätzung von Corona-Leugnern und Reichsbürgern. Telegram ist eine russische Firma. Die Gründer verließen Russland 2014 nach Durchsuchungen der Firmenzentrale und Privatwohnung von Pawel Walerjewitsch Durow und befinden sich derzeit als digitale Nomaden im Exil.

So aber wurde Telegram zum Lieblingskommunikationsmittel von Attila Hildmann, Xavier Naidoo, der auf Corona-Kritik von Nena auf Instagram reagierte, Sido, Michael Wendler und Co., die mithilfe von Kanälen und Gruppen ihre Botschaften weiterleiten können, ohne dass diese gelöscht werden müssen, wenn sie gegen Gesetze verstoßen oder Falschmeldungen enthalten. Hildmanns restliche Social-Media-Accounts bei Facebook, Instagram und Co. wurden von den Betreibern geschlossen, aufgrund seiner Aktivitäten.

Anti-Corona-Demo geplant: Attila Hildmann lädt nicht nur Nena und den Wendler, sondern auch QAnon und die AfD ein

Hildmann schreibt in seinem Aufruf zur Demonstration in Berlin „HALTET ZUSAMMEN SONST WERDEN SIE GEWINNEN! ES GEHT UM ALLES AKTUELL“ und setzt dabei mehr auf Großbuchstaben und Ausrufezeichen denn auf Kommata. In seiner Telegrambotschaft richtet er sich nicht nur an Nena und Michael Wendler, sondern auch an Q, Ballweg, Schiffmann, Eckert, Xavier Naidoo, Gruppen wie Corona Rebellen, Klagepaten, Muslime gegen die Corona-Diktatur und Patrioten der AfD.

Michael Wendler ist vor kurzem von seinem Sitz in der DSDS-Jury zurückgetreten und hat seinen Werbevertrag mit Kaufland verloren. Der Schlager-Sänger („Sie liebt den DJ“ und „Egal“) sprach in einem Video von Verstößen gegen die Verfassung durch die Corona-Maßnahmen und beschuldigte die Fernsehsender „gleichgeschaltet“ zu sein.

Nena hingegen kritisierte die Corona-Maßnahmen eher esoterisch. Die Musikerin aus Hagen machte eigentlich Werbung für ihr neues Album, verstieg sich dabei jedoch auf Instagram in zweifelhafte Aussagen und bekam ein Like von Xavier Naidoo. - * wie wa.de sind merkur.de, 24hamburg.de und mannheim24.de Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Christophe Gateau/picture alliance/dpa

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